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Champagner-Fonds

Champagner-Fonds

Titel: Champagner-Fonds
Autoren: P Grote
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Prolog
    Michael Müller wurde zuletzt am 23.   März gesehen. Der Siebenundzwanzigjährige verließ nach Feierabend zusammen mit einigen Kollegen das Hauptgebäude der Kölner Druckerei Schwenke und Cie., ging zum Parkplatz, setzte sich in seinen Wagen und fuhr nach Hause. Zumindest meinten die Kollegen, die ihn an jenem Spätnachmittag gesehen hatten, dass er es vorgehabt habe. Von einer Verabredung für den Abend sei nicht die Rede gewesen. Müller hätte es ihnen auch schwerlich mitgeteilt, er galt als nicht besonders mitteilsam. Am nächsten Tag wunderte man sich, dass er nicht zur Arbeit erschien; es entsprach nicht seiner Art, dem Dienst ohne Entschuldigung fernzubleiben. Der Reprofotograf, für sein Alter bereits ein Spezialist auf seinem Gebiet, besonders der Reproduktion von Gemälden, genoss gerade wegen seiner Zuverlässigkeit die Wertschätzung seiner Vorgesetzten und der Geschäftsleitung.
    Als er bis zur Mittagspause nicht erschien und sich auch nicht telefonisch meldete, rief die Sekretärin von Dr.   Schwenke bei ihm an. Müller wohnte allein, zumindest war nichts Gegenteiliges bekannt. Deshalb wunderte man sich auch nicht, dass niemand ans Telefon ging. Bei Anrufen auf dem Mobiltelefon meldete sich eine stereotype Ansage: »Die von Ihnen gewählte Rufnummer ist zurzeit   ...«
    Am dritten Tag nach Müllers unerklärlichem Verschwinden wurde die Polizei eingeschaltet. Sie ermittelte MüllersEltern, die ebenfalls in Köln lebten und keinerlei Kenntnis von seinem Aufenthaltsort hatten. Die aufgeschreckten Eltern gaben selbstverständlich ihre Einwilligung, die Wohnung des Sohns aufzubrechen, zumal man seinen Alfa Romeo nicht weit von ihr entfernt gefunden hatte. Der Wagen war unversehrt, ein Schlüssel fand sich nicht. Immerhin konnte damit ein Autounfall ausgeschlossen werden. Mysteriös war der extrem hohe Kilometerstand des Wagens für einen Fahrer, der normalerweise nur zwischen der Wohnung und dem Arbeitsplatz pendelte.
    In der Wohnung selbst fanden sich keinerlei Anzeichen, die Müllers Verschwinden hätten erklären oder einen Hinweis auf seinen momentanen Aufenthaltsort geben können. Erstaunlich jedoch war die Menge antiquarischer Kunstbände, historischer Karten und wertvoller Reproduktionen alter Meister. Hinzu kam eine Sammlung wertvoller Jahrgangschampagner und Grands Cru, die man gar nicht mit Michael Müllers sonstiger Persönlichkeit in Zusammenhang bringen konnte. Er habe sie von Freunden geschenkt bekommen, erklärte seine Freundin, die der Ansicht war, dass einige Möbel minimal verrückt worden waren, und das Gefühl hatte, dass ein Fremder in der Wohnung gewesen sei.
    Die Suche nach Michael Müller blieb erfolglos   ... er war einer mehr in der Liste von 5.332   Personen, die in Deutschland nach Angaben des Bundeskriminalamtes als vermisst gelten.

1
    »Sie machen auf jeden Fall weiter! Sie werden uns nicht in Ruhe lassen, bevor sie uns nicht den letzten Cent aus den Taschen geschüttelt haben. Tag und Nacht denken sie darüber nach, wie sie das bewerkstelligen können, mit immer neuen Produkten, die lediglich aus heißer Luft bestehen. Sie arbeiten auch an den Wochenenden, Thomas. Solche Leute haben sowieso keine Familie, höchstens physisch, und keine Freunde. Dafür sind sie vernetzt und wahrscheinlich auch im Schlaf ›online‹. Die tragen ihren Mikrochip bereits unter der Haut.« Philipp Achenbach hatte sich in Rage geredet.
    »Denkst du wirklich so, oder meinst du das ironisch?« Thomas war entsetzt. Er fand, dass sein Vater bei diesem Thema in letzter Zeit häufig übertrieb, und er hatte den Verdacht, dass mehr als nur die Bankenkrise dahintersteckte. »Sind alle Banker so?«
    Das »Ja« seines Vaters kam voller Überzeugung. »Je weiter oben in der Hierarchie, desto skrupelloser sind sie. Man muss so sein, so kalt, so fern dem Leben und unmenschlich, sonst kann man diesen Beruf nicht ausüben.«
    »Wen kennst du, der so ist?«
    »Einige – das bringt meine Arbeit mit sich. Gerade wenn es um die besonders teuren Weine geht oder um die großen Champagner. Da kostet die Pulle schon mal an die Tausend Euro. Investmentberater suchen ununterbrochen nach neuen Geschäftsfeldern, und wenn sie Junk Bonds kaufen,Swaps und Futures, wenn sie dir Wetten auf den Preisanstieg bei Schweinehälften am Schlachthof in Chicago verkaufen oder Schulden anbieten, faule Kredite, die sie zu Paketen bündeln und als Sondermüll auch noch beleihen, stecken im Grunde genommen kriminelle Energie

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