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Miss Marples letzte Fälle

Miss Marples letzte Fälle

Titel: Miss Marples letzte Fälle
Autoren: Agatha Christie
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erleichtert, Dr. Griffiths würde noch in seiner Praxis sein. Es war ein Weg von nur wenigen Minuten von der Kirche aus. Ohne zu klopfen durchschritt sie das Wartezimmer und betrat die Praxis.
    »Sie müssen sofort kommen«, sagte Bunch. »In der Ki r che liegt ein Mann im Sterben.«
    Kurze Zeit darauf erhob sich Dr. Griffiths nach kurzer Untersuchung von den Knien.
    »Können wir ihn ins Pfarrhaus hinüberbringen? Da könnte ich mich besser um ihn kümmern – wir müssen alles versuchen.«
    »Natürlich«, sagte Bunch. »Ich gehe voraus und richte alles. Soll ich Harper und Jones herschicken? Sie könnten tragen helfen.«
    »Danke. Ich kann vom Pfarrhaus aus einen Ambulan z wagen rufen, aber ich fürchte, bis der kommt…« Er sprach den Satz nicht zu Ende.
    Bunch fragte: »Innere Blutungen?«
    Dr. Griffiths nickte. Er sagte: »Wie um alles in der Welt kam er hierher?«
    »Ich glaube, er muss die ganze Nacht hier gelegen h a ben«, sagte Bunch, indem sie überlegte. »Harper schließt zwar morgens, wenn er mit der Arbeit beginnt, die Kirche auf, aber gewöhnlich geht er nicht hinein.«
    Fünf Minuten später legte Dr. Griffiths den Telefonh ö rer auf und kam wieder in die Halle, wo der verwundete Mann auf das Sofa gebettet lag. Bunch brachte eine Schüssel mit Wasser, und der Arzt reinigte die Wunde.
    »So, das wäre erledigt«, sagte Griffiths. »Ich habe den Krankenwagen gerufen und die Polizei benachrichtigt.« Er schaute mit gerunzelter Stirn auf den Patienten hinab, der mit geschlossenen Augen dalag. Seine linke Hand zuckte nervös und tastend, als ob er nach etwas greifen wollte.
    »Man hat auf ihn geschossen«, sagte Griffiths. »Der Schuss ging dicht am Herzen vorbei. Er hat sein T a schentuch auf die Wunde gepresst, um die Blutung zu stillen.«
    »Kann er weit gekommen sein, nachdem das passiert ist?«, fragte Bunch.
    »Doch ja, das ist möglich. Ein tödlich verwundeter Mann ist bekanntlich einmal aufgestanden und die Straße hinuntergegangen, so als ob nichts geschehen wäre, und erst nach fünf oder zehn Minuten hat er einen Kollaps bekommen. Es muss also nicht unbedingt in der Kirche auf ihn geschossen worden sein. Es kann natürlich auch Selbstmord sein. Er hat den Revolver weggeworfen und sich dann in die Kirche geschleppt. Ich verstehe nur nicht, warum er in die Kirche ging und nicht ins Pfar r haus.«
    »Doch, das weiß ich«, sagte Bunch. »Er sagte es: ›Kirc h liches Asyl‹.«
    Der Doktor sah sie an. »Kirchliches Asyl?«
    »Da ist ja Julian«, sagte Bunch und wandte den Kopf i h rem Mann zu, als sie seine Schritte hörte. »Julian! Komm bitte.«
    Der Vikar, Julian Harmon, betrat die Vorhalle. Seine zerstreute Gelehrtenart ließ ihn sehr viel älter erscheinen, als er wirklich war. »Du liebe Güte«, sagte Julian Harmon und blickte milde verwundert auf die medizinischen I n strumente und auf die lang hingestreckte Gestalt auf dem Sofa.
    Bunch erklärte mit knappen Worten, was vorgefallen war.
    »Ich fand ihn schwer verletzt in der Kirche. Man hat auf ihn geschossen. Kennst du ihn, Julian? Ich glaube, er hat deinen Namen gesagt.«
    Der Vikar trat an das Sofa und sah den sterbenden Mann an. »Armer Teufel«, sagte er und schüttelte den Kopf. »Nein, ich kenne ihn nicht. Ich bin fast sicher, dass ich ihn niemals vorher gesehen habe.«
    In diesem Moment schlug der Sterbende noch einmal die Augen auf. Sein Blick wanderte vom Arzt zu Julian Harmon und weiter zu dessen Frau. Seine Augen verwei l ten dort, sie klammerten sich an Bunchs Gesicht fest. Griffiths trat hinzu.
    »Wenn Sie uns sagen könnten…«, fragte er eindringlich.
    Doch der Mann schien ihn nicht zu hören, sein Blick blieb auf Bunch geheftet, und er sagte mit schwacher Stimme: »Bitte – bitte – « Dann fiel sein Kopf zur Seite.
     
    Sergeant Hayes schlug seinen Notizblock auf.
    »Ist das alles, was Sie mir dazu sagen können, Mrs Harmon?«
    »Das ist alles«, sagte Bunch. »Und hier sind die Sachen aus seiner Manteltasche.«
    Auf dem Tisch neben Sergeant Hayes ’ Ellbogen lagen eine Brieftasche, eine ziemlich zerkratzte alte Uhr mit den Initialen W. S. und eine Rückfahrkarte nach London. Sonst nichts.
    »Haben Sie herausfinden können, wer er ist?«, fragte Bunch.
    »Ein Mr und eine Mrs Eccles haben uns im Revier a n gerufen. Wie es scheint, ist er ihr Bruder. Mit Namen Sandbourne. Seine Gesundheit und sein Nervenzustand sind schon einige Zeit lang schlecht gewesen, und es wurde in letzter Zeit immer schlimmer. Vorgestern ist

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