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Miss Marples letzte Fälle

Miss Marples letzte Fälle

Titel: Miss Marples letzte Fälle
Autoren: Agatha Christie
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Monogramm. Welches Glück, dass Raymonds Frau Joan heißt. Dann wird sie sie auch noch gebrauchen können, falls ich eher sterbe, als ich erwarte.«
    »Ich brauche die Handtücher wirklich«, sagte Bunch. »Und sie waren billig, obwohl nicht so billig wie die, die die Frau mit den roten Haaren mir vor der Nase we g schnappte.«
    Eine hübsche junge Frau mit verschwenderisch benut z tem Rouge und Lippenstift betrat in diesem Moment das »Apple Bough«. Nachdem sie sich suchend umgeblickt hatte, eilte sie auf den Tisch der beiden zu. Sie legte ein Kuvert neben Miss Marples Ellbogen.
    »Da ist es, Miss«, sagte sie munter.
    »Oh, danke, Gladys«, sagte Miss Marple. »Vielen herzl i chen Dank. Sehr lieb von Ihnen.«
    »Es macht mir Freude, wenn ich Ihnen helfen kann«, sagte Gladys. »Ernie sagt immer ›Alles Gute hast du von dieser Miss Marple gelernt, als du in ihrem Dienst warst‹, und ich freue mich immer, wenn ich Ihnen gefällig sein kann, Miss.«
    »Ein liebes Mädchen«, sagte Miss Marple, als Gladys gegangen war. »Immer hilfsbereit und freundlich.«
    Sie blickte in das Kuvert und reichte es Bunch. »Jetzt sei sehr vorsichtig, Liebes«, sagte sie. »Übrigens, ist der nette junge Inspektor in Melchester noch da?«
    »Ich weiß nicht«, sagte Bunch. »Ich nehme es aber an.«
    »Gut, wenn nicht, kann ich immer den Hauptwach t meister anrufen. Ich denke, der erinnert sich noch me i ner«, sagte Miss Marple.
    »Sicher erinnert er sich«, sagte Bunch. »Niemand kann dich vergessen. Du bist einmalig.« Und sie verabschiedete sich.
    In Paddington angekommen, ging Bunch zur Gepäc k aufbewahrung und gab ihren Gepäckschein ab. Man brachte ihr einen hässlichen alten Koffer, mit dem sie auf den Bahnsteig trat.
    Während der Reise nachhause ereignete sich nichts. Bunch stand auf, als der Zug sich Chipping Cleghorn näherte, und nahm den alten Koffer auf. Sie hatte gerade den Wagen verlassen, als ein Mann den Bahnsteig entlang auf sie zulief, ihr blitzschnell den Koffer aus der Hand riss und damit davonrannte.
    »Halt!«, schrie Bunch. »Haltet ihn. Er hat meinen Ko f fer gestohlen.«
    Der Beamte am Ausgangsschalter, ein behäbiger, lan g samer Mensch auf dieser ländlichen Station, hatte gerade begonnen mit: »Aber, sehen Sie, so etwas dürfen Sie doch nicht tun«, als ein wohlgezielter Schlag auf die Brust ihn beiseite stieß und der Dieb an ihm vorbei aus dem Bah n hof eilte. Er warf den Koffer in ein dort wartendes Auto und wollte gerade einsteigen, als eine schwere Hand auf seine Schulter fiel, und Hauptwachtmeister Abel sagte: »Na, na, was soll das?«
    Bunch kam aus dem Bahnhof gelaufen. »Er hat mir den Koffer aus der Hand gerissen«, sagte sie.
    »Unsinn, ich weiß gar nicht, wovon diese Dame spricht. Das ist mein Koffer. Ich bin gerade damit aus dem Zug gestiegen.«
    »Das wollen wir erst einmal klären«, sagte der Haup t wachtmeister Abel ruhig.
    Er sah Bunch mit einem gleichgültigen Blick an. Ni e mand hätte daraus schließen können, dass der Haup t wachtmeister Abel und Mrs Harmon lange Stunden in seinem Büro damit verbrachten, die Vorzüge der Dü n gung von Rosenbüschen mit Knochenmehl zu erörtern.
    »Madam, Sie behaupten, das sei Ihr Koffer?«, sagte der Hauptwachtmeister Abel streng.
    »Ja«, sagte Bunch. »Das ist meiner.«
    »Und Sie, Sir?«
    »Ich sage, der Koffer gehört mir.«
    Der Mann war groß, dunkel und gut gekleidet, er hatte eine affektierte Sprache und ein hochmütiges Gehabe. Eine weibliche Stimme aus dem Innern des Wagens sagte: »Natürlich ist das dein Koffer, Edwin. Ich verstehe nicht, was diese Frau will.«
    »Das werden wir gleich haben«, sagte der Hauptwach t meister Abel. »Wenn das Ihr Koffer ist, Madam, sagen Sie, was darin ist.«
    »Kleider«, sagte Bunch. »Ein langer Tweedmantel mit einem Biberkragen, zwei Wollpullover und ein Paar Schuhe.«
    »Das ist deutlich genug«, sagte der Hauptwachtmeister. Er wandte sich fragend an den anderen.
    »Ich bin Kostümschneider«, sagte der dunkle Mann wichtig. »Dieser Koffer enthält Theaterkostüme, die ich zu einer Laienaufführung hierher gebracht habe.«
    »Gut, Sir«, sagte der Hauptwachtmeister Abel. »Jetzt werden wir einmal einen Blick in den Koffer werfen. Sie gestatten?« Und damit hatte er den Koffer schon in der Hand. »Wir können auf die Polizeiwache gehen, oder, wenn Sie in Eile sind, werden wir ihn auf dem Bahnhof öffnen.«
    »Das ist mir recht«, sagte der dunkle Mann. »Mein N a me ist übrigens Moss, Edwin

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