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Hueter Der Macht

Hueter Der Macht

Titel: Hueter Der Macht
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VORBEMERKUNG DER AUTORIN
     
    Zeitreisen sind nicht nur theoretisch möglich, Reisen in unsere Zukunft sind sogar schon unternommen worden, wenn auch nur für einige Sekunden oder Minuten. Eine Reise in unsere Vergangenheit wirft wesentlich größere Probleme auf. Wie würde es sich auf unsere Gegenwart auswirken, wenn in der Vergangenheit etwas verändert würde? Manche Physiker vertreten die Ansicht, dass ein »Paralleluniversum« entstünde, würde man jemanden in die Vergangenheit schicken – die bloße Anwesenheit eines Zeitreisenden in der Vergangenheit verändert die Zukunft dieser Welt bereits in einem solchen Maße, dass daraus zwangsläufig eine andere Zukunft entstehen würde: ein Universum oder eine Welt parallel zu der unsrigen.
    Die sechs Bände des Zyklus Das dunkle Jahrhundert spielen nicht im europäischen Mittelalter unserer Vergangenheit, sondern in dem eines Paralleluniversums: Das Hinzufügen auch nur einer fiktiven Figur zu den historischen Gestalten schafft notwendigerweise eine solche Parallelwelt. Obwohl es also viele Ähnlichkeiten zwischen unserer Vergangenheit und der Welt dieser Geschichte gibt, finden sich auch zahlreiche Unterschiede. Beispielsweise wurde die gesamte Zeitspanne des Hundertjährigen Krieges verdichtet, sodass die Schlacht von Poitiers zu einem späteren Zeitpunkt als dem in unserer Vergangenheit stattfindet, und Jeanne d’Arc taucht zu einem früheren Zeitpunkt auf.
    Obwohl manche Daten und »Fakten« geändert wurden, entspricht der Geist des Zyklus Das dunkle Jahrhundert dem unseres mittelalterlichen Europas. Etwas Merkwürdiges ist im vierzehnten Jahrhundert geschehen… etwas sehr Merkwürdiges. Das vierzehnte Jahrhundert war eine Zeit gewaltigen Umbruchs im westlichen Europa, geprägt von Hungersnöten aufgrund des Klimawandels, wirtschaftlichem Zusammenbruch, zahllosen Irrlehren, gesellschaftlichem Aufruhr, regionalen Kriegen und, als wäre das noch nicht genug, körperlichen und seelischen Verwüstungen, die der schwarze Tod mit sich brachte. In der gesamten Geschichte hat es nie zuvor und danach eine Periode gegeben, die so von Katastrophen heimgesucht gewesen wäre: Die Hälfte der Bevölkerung Europas fiel Hunger, Krieg und Pest zum Opfer. Infolgedessen hatten sich die Europäer am Ende des vierzehnten Jahrhunderts auf grundlegende – und erschreckende – Weise verändert. Das mittelalterliche Europa war ursprünglich eine äußerst spirituelle Gesellschaft gewesen: Das Seelenheil stand an oberster Stelle. Nach dem vierzehnten Jahrhundert wurde die Spiritualität von Säkularismus und Materialismus abgelöst. Die Menschen hießen Technologie und Wissenschaft willkommen und entwickelten die erbarmungsloseste Invasionsmentalität der gesamten Weltgeschichte. Wie kam es zu diesem gewaltigen Wandel von der inneren Suche nach spiritueller Erlösung hin zu dem Verlangen nach Weltherrschaft? War dies nur eine Reaktion auf über hundert Jahre Katastrophen… oder gab es noch einen anderen Grund?
    Das dunkle Jahrhundert bietet eine Erklärung an, erschaffen aus einem mittelalterlichen Verständnis der Welt, statt in Begriffen, die unserem modernen Empfinden entsprächen. Das europäische Mittelalter war eine Welt des leibhaftigen Bösen; eine Welt, in der Engel und Dämonen auf derselben Erde wandelten wie Männer und Frauen, eine Welt, in der sich die Armeen Gottes und Satans zur letzten Schlacht rüsteten… wir leben nach dieser Schlacht, doch wissen wir wirklich, welche Seite gewonnen hat?
     
    Sara Douglass – Bendigo

Prolog
     
    Der Freitag innerhalb der Oktave von Allerheiligen
    bis zum Namenlosen Tag
    Im einundzwanzigsten Jahr der Regentschaft Eduard III.
    (7. November bis Dienstag, den 23. Dezember 1348)
     
    – KLOSTER SANT’ ANGELO, ROM –
     
     
     
    »Bruder Wynkyn! Bruder Wynkyn! Gütiger Himmel, Bruder, Ihr werdet uns doch wohl jetzt nicht etwa verlassen?«
    Bruder Wynkyn de Worde schlug die schwere Handschrift zu, die vor ihm lag, und wandte sich Prior Bertrand zu. »Ich habe keine andere Wahl, Bertrand. Ich muss gehen.«
    Bertrand holte tief Luft. Beim Heiland, wie konnte er Bruder Wynkyn nur umstimmen?
    »Mein Freund«, sagte er, was ihm einen spöttischen Blick von Wynkyn einbrachte. »Bruder Wynkyn… Die Pestilenz wütet unter den Christen. Wenn Ihr die Sicherheit von Sant’ Angelo verlasst…«
    »Welche Sicherheit? Von den siebzehn Brüdern, die hier noch vor fünf Wochen gebetet haben, sind nur noch Ihr und ich und zwei weitere übrig.

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