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Fruehstueck fuer Aasgeier - Wie Oelbosse und Finanzhaie die Weltherrschaft erlangten

Fruehstueck fuer Aasgeier - Wie Oelbosse und Finanzhaie die Weltherrschaft erlangten

Titel: Fruehstueck fuer Aasgeier - Wie Oelbosse und Finanzhaie die Weltherrschaft erlangten
Autoren: Greg Palast
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Ihnen sollte man alle fünf Minuten sagen, wie schön sie ist.« Seine Nase senkt sich langsam zu ihrem Dekolleté. Ich wusste gar nicht, dass es noch Kerle gibt, die so reden. Auch gut. Mach dir Notizen, Penny.
    Meine Aufgabe ist es, Daniel Becnel festzunageln. Becnel ist so ziemlich der beste Strafverteidiger der USA. Er hat kein Büro in Vegas oder New York. Sein Kanzleischild hängt in der tiefsten Provinz von Louisiana, am hintersten Ende der Sümpfe, wo er Cajuns verteidigt, seinesgleichen also, und damit auch die Ölsucher auf den Bohrinseln an der Küste des Golfs von Mexiko.

     
    Ich bin gerade aus dem Amazonas-Dschungel zurück, wo ich den Chevron-Bohrungen auf der Spur war. Chevron Petroleum hat ein Monopol auf die Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko. Vielleicht können Becnel und ich Informationen austauschen. Es ist der 20. April 2010, Hitlers Geburtstag und auch der meiner Ex-Frau.
    Ich habe Becnel gefunden – weit von den Spieltischen entfernt und unangenehm nüchtern.
    Zu Hause hatte sich eine Explosion ereignet. Eine Ölplattform war in die Luft geflogen und brannte. Die Küstenwache bat Becnel um Erlaubnis, eine Notfallkapsel zu öffnen, die sie im Golf treibend gefunden hatten. Die Küstenwache vermutete darin ein Dutzend seiner Klienten, die auf der Deepwater Horizon gearbeitet hatten, bei lebendigem Leib gekocht.
    Der Ton des Fernsehgerätes über der Bar ist abgestellt. Die hohen schwarzen Rauchwolken, die von der BP-Ölplattform aufsteigen, erinnern mich an den Brand in meinem eigenen Büro.
    Etwas stimmt nicht an diesem Bild. Ich sehe ein paar Feuerlöschboote, die die Methan-Erdöl-Flammen sinnlos mit Wasser bespritzen. Was zum Teufel soll das? Wo sind die Vikoma Ocean Packs, wo die RO-Ölsperre? Wo ist die Sea Devil?
    Wegen der bizarren Windungen meiner Karriere weiß ich einiges über die Bekämpfung einer Ölpest. Und ich erkenne Stümperei, wenn ich sie sehe. Und was ich da sehe, ist nicht die Bekämpfung einer Ölpest, sondern Stümperei.
    Hier brennt ein Wolkenkratzer, und die Feuerwehrleute kreuzen mit zwei Flaschen Selters auf.
    Wie können sie so etwas tun? Wie kann British Petroleum so etwas tun, das Ölunternehmen mit den grünen Tankstellen und den Sonnenkollektoren auf dem Umschlag des Jahresberichtes, der Konzern, der die Umweltschutzorganisationen entzückte, weil er die Exxon-Linie verließ und aufhörte, die globale Erwärmung zu leugnen? Wie konnte es geschehen, dass die umweltfreundliche BP unsere herrliche Golfküste zerstörte und mit schwarzem Schlamm überzog?
    Die Antwort: BP hatte jede Menge Übung darin.
    Am nächsten Tag eilte Anderson Cooper von CNN mit einer Reporterschar
an den Golf, um Nahaufnahmen von ölverschmierten Vögeln zu machen und ein Interview mit dem Gouverneur von Louisiana zu führen, dem alten Gauner Bobby Jindal.
    Ich weiß etwas, was die anderen Journalisten nicht wissen: Die wahre Geschichte der BP-Katastrophe findet sich gut 12 000 Kilometer nördlich von Louisiana.
    In meinen Akten habe ich einen streng vertraulichen vierbändigen Untersuchungsbericht über den Untergang der Exxon Valdez in Alaska. Der zwei Jahrzehnte alte Bericht kommt zu dem Schluss: »Zwar trägt das Schiff den Namen ›Exxon‹, doch die Schuld an der Zerstörung der Küste von Alaska trägt in Wahrheit British Petroleum.«
     
    Ich habe ein Exemplar, weil ich den Bericht verfasst habe.
    Das war mein letzter Job. Der Job, der mich fertiggemacht hat: Nachdem ich jahrelang, als Detektiv mit Wirtschaftsstudium, Betrügereien und Gaunereien von Konzernen nachgegangen war, verdarb mir dieser Fall endgültig den Spaß.
    Wichtig ist diese Geschichte im Verborgenen, die mich nach Norden rief, weil das Unglück der Deepwater Horizon seinen Ursprung auf der Tankerroute in Alaska hat. Und zwar, weil BP die Verantwortung trug, dafür aber nicht bluten musste. Exxon kam natürlich vergleichsweise billig davon, aber BP blieb völlig verschont, musste keinen Cent aus seinem Schatzkästchen hergeben und bekam auch nicht das kleinste Tröpfchen Öl auf sein umweltfreundliches Image. Deshalb habe ich damals gekündigt.
    Im Hier und Jetzt, vom Casino aus, bucht mir Badpenny einen Flug mit Alaska Airlines und chartert eine Cessna Apache nach Tatitlek auf Bligh Island. Der Sender muss mir schon vertrauen. Ich weiß, dass der Schlüssel für die Ursache der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko dort oben im Eskimodorf Tatitlek liegt. Ich muss mit Chief Kompkoff sprechen.
    Vor der Küste

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