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Perry Rhodan - 2516 - Die Tauben von Thirdal

Titel: Perry Rhodan - 2516 - Die Tauben von Thirdal
Autoren: Leo Lukas
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Vorspiel
    An ihm nagten kleine, hungrige Tiere.
    Er hätte sie verscheuchen können. Bloß – wozu?
    Sie meinten es nicht böse. Sie folgten ihrem Instinkt, einem simplen, klaren Trieb.
    Triebe ... Er hatte schon lange keine frischen Knospen mehr ausgebildet. Nicht, dass er die Anstrengung gescheut hätte. Es wäre ihm ein Leichtes gewesen. Er stand noch gut im Saft.
    Eben deshalb sah er keine Veranlassung, aufs Geratewohl zu sprießen. Für die Käfer und Maden in seiner Borke reichte es allemal, wie auch für die Maulwurfsgrillen, die mit ihren Scheren Splitter von seinen Wurzeln schälten, und die pickschnäbeligen Leichtgewichte in seinem Geäst.
    Er ruckelte. Sturmwind hatte ihn durchgeschüttelt, ein paar Stunden kurz.
    Die Zweige, die dabei abgerissen worden waren, bekümmerten ihn nicht. Er konnte sie nachwachsen lassen, wann immer er wollte.
    Vermutlich würde er nicht. Er war sich und seinen kleinen, wuseligen Gästen weidlich genug.
    Mehr Sorgen bereitete ihm, was er auf der anderen, ungleich interessanteren, tieferen Ebene wahrnahm. Oder eher: was nicht. Kaum noch empfing er Neues.
    Die Gesänge wurden leiser und dumpfer. Misstöne schlichen sich ein, den Wohlklang störend, den Inhalt verzerrend.
    Er lauschte. Aber er musste sich sehr mühen, noch etwas Bedeutsames zu erfahren.
    Natürlich lag es daran, dass immer weniger von ihnen aktiv ihr Angu nach außen richteten. Thirdals mentale Glut erkaltete. Die Charandiden schwanden dahin, unwiederbringlich.
    Wann hatte er sich dem zuletzt mit seinesgleichen ausgetauscht? Und sei es, um einen schalen Witz über Blattfäule weiterzugeben?
    Vor Jahren.
    Jahrzehnten.
    Nach allem, was er wusste, war er der Jüngste. Sein Name ... Er hatte einen Eigennamen besessen, oder?
    Keinen schönen, wenn er sich recht erinnerte. Zusammengesetzt aus nervös abgehackten Klängen, die er physisch ohnehin nicht mehr zu erzeugen vermochte. Jetzt brachte er nur noch Rascheln zustande, dazu hohl knarrendes Ächzen.
    Gleichwohl. Ihm fehlte nichts, nichts von dieser Welt.
    Ihnen allen war schon damals bewusst gewesen, dass mit dem Aufbruch der Munteren aus Hathorjan auch das Ende der Verholzten anbrach. Niemand hatte Bedauern empfunden. Was die Mobilen getan hatten, war und blieb richtig.
    Einige Zeit standen sie noch in sporadischer Verbindung, jene lebenslüstern Pochenden dort in der Ferne und sie, die abgestumpften, knorrigen Knacker, hier. Ab und an trudelten Grußbotschaften ein, spärlich, doch umso enthusiastischer.
    Die Munteren fühlten sich gut als Teil einer zu Höherem berufenen Wesenheit, welche Großes anstrebte und wohl auch erreicht haben mochte. Hoffentlich. Irgendwann waren die Nachrichten versiegt. Wie überhaupt alles matter zu erscheinen begann, träger, diffuser.
    Im doppelten Sinne statischer ...
    Andere Kräfte, neue Spieler traten auf den Plan und nisteten sich ein. Niemand von Thirdal scherte sich sonderlich darum. Zumindest nicht direkt; insofern freilich, als etwa zur selben Zeit die Galaxis leiser wurde. Ja, es schien fast, als verstumme der gesamte Kosmos ...
    Ihn, den Jüngsten, beschlich ein lange nicht mehr gekanntes Gefühl: Angst. Vor der großen Stille, der Leere, der Finsternis.
    Und vor dem, was darin lauert ...
    Winterkälte umfing ihn. Schnee fiel, bog schwer seine Äste nach unten, verharschte, schmolz in der Frühlingswärme.
    Im Sommer lauschte er hinaus in die Weiten, die immer endlicher wurden. Als der Herbst anbrach, stieß er, wie zufällig, auf das dunkle Feuer.
    So heiß, so schwarz brannte es, dass er zurückzuckte und seine psionischen Fühler wochenlang nicht wieder auszustrecken wagte. Nachdem er, äußerst zögerlich, sich erneut dazu aufgerafft und dem Brandherd genähert hatte, verspürte er erstmals seit Äonen wieder Hoffnung.
    Da war etwas, jenseits des Absterbens. Eine Verlockung, gewaltiger als jede andere, an die er sich erinnerte!
    Um sich abzulenken, um keine vorschnellen Fehler zu begehen, widmete er sich näherliegenden Empfindungen. Gemächlich moderte er vor sich hin. Wortlos freundlich begrüßte er Bohrdommeln und Schlieflarven, Nesselpilze und Schmarotzerranken.
    An ihm nagten kleine, hungrige Mitwesen. Gut so; sollten sie.
    Das da draußen, am Rande des Tiefenhorizonts, war noch um Vieles gieriger. Jedoch versprach es, auch seinen Hunger zu stillen ...

1.
    Sie hatte erwogen, ihn zu vergiften – oder mit ihm zu schlafen und ihn danach knallhart zu erpressen. Letztlich entschied sich Francinn für eine

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