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Meine 500 besten Freunde

Meine 500 besten Freunde

Titel: Meine 500 besten Freunde
Autoren: Johanna Adorján
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richtig. Die Frau strich ihm über den Kopf und redete leise auf ihn ein. Ohne sich noch einmal nach Leyla oder Gregor umzudrehen, verließ sie, ihren weinenden Sohn auf dem Arm, die Galerie. Draußen standen, soweit es von innen zu erkennen war, inzwischen noch mehr Leute als vorhin in kleinen Grüppchen herum. Dem Stimmengewirr nach zu schließen, das durch die kurz geöffnete Tür gedrungen war, amüsierten sie sich.
    Huch, sagte Steffi, als die Tür wieder zu war. Dann ging sie näher an die Zeichnung heran, unter der Leyla und Christoph saßen. Karma Polizei , las sie laut vom Schildchen ab. Sie sah noch mal zu dem Bild, dann seufzte sie laut. Kinners, mir steckt der Alkohol von gestern noch in den Knochen, ich hau dann mal ab. Sie beugte sich zu Leyla und verabschiedete sich auch von Gregor, der wieder aufgestanden war. An der Tür drehte sie sich noch einmal um und schickte Küsse durch die Luft.
    Was hat sie mir noch mal geschenkt, weißt du das noch?, fragte Leyla, als sie draußen war.
    Gregor versuchte, sich den am Ende vollkommen überladenen Gabentisch ins Gedächtnis zu rufen, zu dem sie die Kommode im Flur umfunktioniert hatten.
    Ha, sagte Leyla. Jetzt weiß ich’s wieder. Blöde Kuh.
    Gregor stand auf, um sich ein neues Bier zu holen. Als er zurückkam, saß Leyla auf seinem Kasten.
    Toll. Kannst du mir vielleicht auch ein Bier mitbringen. Ihr Tonfall sarkastisch.
    Aber ich dachte nicht, dass du eins magst.
    Dann frag halt.
    Gregor ging zurück, um ein weiteres Bier aus der Küche zu holen.
    Als er zurückkam, stand Leyla vor der Zeichnung mit dem Titel Karma Polizei .
    Wortlos nahm sie das Bier entgegen.
    Ich hab doch neulich diesen Dokumentarfilm über Charlotte Rampling gesehe cmplidtn, sagte sie.
    Ja?, sagte er.
    Der war so unfassbar schlecht, ich wollte danach jemanden erschießen, so wütend war ich. Was für eine unglaublich unbegabte, stümperhafte Regisseurin … Ich meine, da hat man so eine tolle Frau wie Charlotte Rampling, und dann gibt man noch nicht einmal die Information, wie alt sie ist, sagen wir in welchem Jahrzehnt wenigstens ungefähr sie geboren ist. Ist sie verheiratet und so weiter, geschieden, nichts. Nichts. Wie kann man so einen schlechten Film machen? Das ist ja gar nicht so leicht. Wahnsinn, was in Deutschland alles Fördergelder kriegt …
    Wütend starrte sie auf das Bild an der Wand.
    Wie kommst du jetzt darauf, fragte er.
    Der ganze Aufbau. Die Musik. Alles. Das war so schlecht. Ich meine, da gab es eine Szene, wo sie mit einem jungen Mann zu sehen war, der offenbar irgendein Stück mit ihr inszeniert hat. Man hat überhaupt nicht kapiert, dass das ihr Sohn war. Ich hab das hinterher googeln müssen. Und die hat dafür Preise gewonnen. Vielleicht ist es das, was man machen sollte. Schlechte Dokumentarfilme.
    Gregor streckte eine Hand nach ihr aus. Er wollte sie umarmen, doch sie entzog sich seiner Berührung durch eine rasche Bewegung zur Seite, wobei ihr die Bierflasche aus der Hand glitt und zu Bruch ging.
    Fass mich nicht an.
    Pass doch auf.
    Untätig sahen sie zu, wie sich die Bierlache zu ihren Füßen vergrößerte.
    Und?, fragte er. Wer wischt das jetzt auf?
    Vielleicht du, sagte sie, nachdem du mich gestern alles hast alleine aufräumen lassen.
    Ah, daher weht der Wind, sagte er. Sag das doch gleich. Sag mir doch einfach, wenn du sauer bist, warum du sauer bist. Ich kann mit deiner passiv-aggressiven…
    Meiner passiv-aggressiven? Meiner passiv-aggressiven?
    Nicht so laut, sagte er.
    Warum nicht? Soll doch alle Welt hören, dass du schlafen gegangen bist, obwohl die Wohnung aussah wie ein Saustall. Kann doch jeder wissen. Ist doch scheißegal. Das ist doch sowieso das Einzige, das dir immer wichtig ist, oder, was die Leute denken.
    Ach komm, sagte er.
    Hol du doch einen Lappen und wisch das weg, du hast es ja auch geholt. Sie machte nun doch einen Schritt zur Seite, weil die Bierlache sich so weit ausgebreitet hatte, dass ihre Schuhe in Gefahr geraten waren, nass zu werden. Von Gregor abgewandt starrte sie mit vor der Brust verschränkten Armen auf irgendeinen Punkt an der Wand.
    Pass mal auf, sagte er, jetzt ebenfalls gereizt. Ich kann nichts dafür, dass du vierzig geworden bist, und ich verstehe auch nicht, wo eigentlich das Problem liegt. Sie wollte etwas sagen, aber er sprach einfach weiter. Mit deiner Laune verdirbst du dir alles, und ich lasse nicht zu, dass du mir auch meine Laune verdirbst damit, reiß dich mal zusammen, Leyla, echt, ich weiß

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