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Meine 500 besten Freunde

Meine 500 besten Freunde

Titel: Meine 500 besten Freunde
Autoren: Johanna Adorján
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ging die Tür auf, und zusammen mit einer Wolke aus Herrenparfüm kam ein großer Mann mit v cer or=ollem grauen Haar herein, das eines Präsidenten würdig gewesen wäre. Sein weißes Hemd war überraschend weit aufgeknöpft, er sah so erholt aus, als käme er geradewegs von der Riviera.
    Ach sieh an, das Geburtstagskind, sagte er mit sonorem Bass. Er ging auf Leyla zu und schüttelte ihr die Hand. Ich wäre gern gekommen gestern, aber die Arbeit, die Arbeit … Lass dich mal anschauen. Er trat einen Schritt zurück und musterte sie. Also das gibt es doch gar nicht. Das gibt es doch gar nicht. Das ist ja ganz und gar unglaublich. Er schüttelte den Kopf und schien auf eine Nachfrage zu warten.
    Was denn?, tat ihm Leyla den Gefallen.
    Wirklich, es ist nicht zu glauben, sagte der Mann. Als ich vierzig war, sah ich ganz genau so jung aus. Nein wirklich, ich schwöre es dir, es ist wahr. Niemand wollte mir glauben, wie alt ich bin.
    Leyla lachte.
    So, und das ist also die Kunst …, sagte der Mann. Er sah einmal ringsherum von Bild zu Bild. Na, das ist doch schön, sagte er, als er beim letzten angekommen war, es hatte nur wenige Sekunden gedauert. Wo ist denn der Künstler, der wollte doch irgendwas von mir… Und dann war er auch schon wieder durch die Tür hinaus ins Freie entschwunden, und nur sein Herrenduft hing noch im Raum.
    Ich hab keine Lust, rauszugehen, sagte Leyla. Zu viele Idioten. Ach, ich langweile mich so.
    Wer war denn das?, fragte Gregor, und Leyla bedachte ihn mit einem Blick, der auszudrücken schien, dass sie auch ihn zu den Idioten zählte.
    Wenn man sich wenigstens hinsetzen könnte. Mir tun die Füße weh.
    Gregor sah sich um. Hinter dem Bastvorhang, der in den hinteren Bereich der Galerie führte, standen ein paar aufeinandergestapelte leere Bierkästen. Er ging hin, nahm sich zwei und postierte sie nebeneinander vor der Rückwand des Ausstellungsraums.
    Ich bin doch nicht vierzig geworden, um mich weiter auf Bierkästen zu setzen, sagte Leyla, ging aber nichtsdestotrotz darauf zu und setzte sich. Er setzte sich neben sie.
    Wenn ich wenigstens noch rauchen würde, sagte Leyla.
    Sie sah unglücklich aus. Er drückte ihr die Bierflasche in die Hand.
    Bevor sie daraus trank, wischte sie mit einem Stück ihres Ärmels den Rand ab. Dann reichte sie ihm die Flasche wieder zurück.
    Wie lange müssen wir denn noch? Theoretisch könnten wir Luisa doch einfach ausbezahlen und früher nach Hause gehen.
    Sie saßen eine Weile schweigend nebeneinander, plötzlich klopfte es von außen gegen die Fensterscheibe. Einen Moment später betraten eine Frau und ein Mann den Innenraum der Galerie. Die Frau war hübsch, wenn auch ihr Kopf im Verhältnis zum Rest zu groß erschien, was noch dadurch betont wurde, dass sie ihre Haare zu einer sich am Hinterkopf aufbauschenden Hochfrisur gesteckt hatte. Sie trug eines dieser asymmetrischen Kleider, die Gregor nicht verstand. Der Mann sah nett aus, unter seiner dunklen Anzugshose blitzten weiße Sneakers hervor.
    Hier seid ihr, sagte die Frau und da sie ganz deutlich auch ihn anlachte, stand auch Gregor auf.
    Gregor, ewig nicht gesehen. D cht acher Mann klopfte ihm auf die Schulter.
    Du hast ja tolle Schuhe an, zeig mal, sagte die Frau zu Leyla. Wahnsinn, und darin kannst du laufen? Sie wandte sich zu Gregor.
    Hallo, sagte der und streckte ihr die Hand hin.
    Ach komm, sagte die Frau, machte einen Schritt auf ihn zu und umarmte ihn.
    Am besten immer den eigenen Namen dazusagen, Gregor leidet an einer leichten Form von Prosopagnosie, sagte Leyla.
    Die Frau sah ihn verständnislos an.
    Gesichtsblindheit, sagte Leyla.
    Die Frau schien das für einen Witz zu halten. Lachend wandte sie sich wieder an Leyla. Wie geht’s denn eurer kleinen Maus. Sie ist wahrscheinlich schon gar nicht mehr so klein, oder? Lucy geht jetzt in die Kita. Kindergarten, Entschuldigung. Titus hasst das Wort Kita.
    Erst jetzt fiel Gregor wieder ein, dass Leyla auf der Hinfahrt über irgendjemanden schlecht gesprochen hatte, und ihm kam der Verdacht, dass es sich dabei um diese Person gehandelt haben könnte.
    Wart, ich zeig dir Fotos, sagte Leyla, nahm ihr Handy aus der Tasche, und die beiden Frauen beugten sich über den kleinen Bildschirm.
    Schon die Ausstellung gesehen?, fragte der Mann, der Titus hieß.
    Gregor nickte.
    Nicht seine beste. Titus zuckte mit den Achseln. Hey, ich hab gehört, du schreibst an einem neuen Drehbuch?
    Ja, sagte Gregor, aber schon seit drei Jahren.
    Darf man fragen, wovon

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