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Meine 500 besten Freunde

Meine 500 besten Freunde

Titel: Meine 500 besten Freunde
Autoren: Johanna Adorján
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Gregor zu.
    Er streckte ihr die Hand entgegen. Ich bin Gregor. Leylas Mann.
    Gibt es einen Satz, der älter machen könnte, sagte Leyla.
    Hallo, ich bin Nicole, sagte die Frau. Wir haben uns aber schon mal gesehen.
    Nicole, sagte Leyla genervt. Mit der ich in Yoga gehe. Wir kennen uns aus Postnatal. Naja, damit hattest du ja nichts zu tun.
    Wie geht’s denn deiner Kleinen?, fragte Nina. Alles gut? Hast du Fotos dabei?
    Gregor, der schon seit geraumer Zeit aufs Klo musste, entschuldigte sich, bahnte sich einen Weg durch die Herumstehenden und betrat die Galerie.
    Der Innenraum war menschenleer. An den kargen, weiß übertünchten Wänden hingen in hellem Holz gerahmte, großformatige Bleistiftzeichnungen, auf denen kartoffelförmig aussehende Wesen in seltsamen Verrenkungen zu sehen waren. Er hatte allerdings im Moment keinen Blick dafür.
    Als er wieder zurück in den Ausstellungsraum kam, sah er sich die Werke näher an. Das Erste hatte den Titel Herr Penis auf Brautschau , wie das kleine Schildchen daneben verkündete. Es zeigte ein unförmiges Gebilde mit Nase und Augen, das in ein aufgeblättertes Buch oder eine Zeitung sah. Auf dem nächsten, Reinpfeifen mit Leiter , standen mehrere solcher Wesen nebeneinander und tranken aus einer dickbauchigen schwarzen Flasche. Die Flüssigkeit war in ihrem Hals und in ihren Bäuchen zu sehen, als wären sie durchsichtig. Ein weiteres, auf dem aus Kreisen und Quadraten so etwas wie Beine und Arme hervorragten, hieß Tomorrow Never Died . Irgendwann sah sich Gregor nur noch die Titel an. Das Problempferdchen . Der Otter. Alle Leute, die ich gestern kannte . Am besten gefiel ihm ein Bild mit dem Titel Amy , das einzige, das farbig war. Eine junge Frau mit überdimensional aufgetürmten Haaren war darauf zu sehen, die gerade über eine lange schmale Brücke ging. Die Brücke schien nirgends zu enden. Ringsherum war Wasser oder jedenfalls viel Blau.
    Auch ein Bier?, unterbrach ihn eine Männerstimme.
    Er drehte sich um.
    Ein Mann mit strähnigen blonden Haaren streckte ihm eine Flasche entgegen, in der anderen Hand hielt er noch eine. Gefällt’s dir? Ich bin gestern erst fertig geworden, hab selbst noch gar keine richtige Meinung dazu.
    Danke, sagte Gregor und nahm das Bier. J cm digea. Tolle Arbeiten.
    Ja, findest du?
    Ja, vor allem das, das finde ich toll. Er deutete auf Amy .
    Der Mann sah enttäuscht aus.
    Gregor klickte aufmunternd mit seiner Bierflasche gegen die des Künstlers. Prost.
    Sie tranken und standen einen Moment einvernehmlich schweigend nebeneinander.
    Gregor wollte gerade fast etwas sagen, als Leyla die Galerie betrat. Durch die Tür drangen Gespräche und Gelächter.
    Ach, hier bist du. Seit wann interessierst du dich für Kunst, sagte sie.
    Leyla, das ist …
    Er fand es immer wieder bewundernswert, wie schnell seine Frau sich auf sich verändernde Situationen einstellen konnte. Sie sah im Nu hocherfreut aus. Ach hallo Christoph, lange nicht gesehen, strahlte sie. Ich schau mir jetzt mal die Bilder an.
    Dann, wieder zu Gregor.
    Marc ist da.
    Marc?
    DJ Marc. Er hat jetzt einen Verein gegründet, der auf die Gefahren von Hidden Tracks aufmerksam machen will. Anscheinend ist nämlich mal jemand an einem Herzinfarkt gestorben oder so, weil er sich so erschreckt hat, als ein Hidden Track kam. Ob wir da beitreten wollen.
    Welcher Marc?
    Leyla verdrehte die Augen. Dann trat sie näher an die Wand heran. Der Otter , las sie laut vom Schild ab. Sie sah sich die dazugehörige Zeichnung an, ziemlich lange, und lachte dann. Das ist ja toll, sagte sie. Dann ging sie zum nächsten Schild.
    Bier?, fragte Gregor und hielt ihr seine Flasche hin. Sie reagierte nicht.
    Und Ruben Blacher ist da, sagte sie dann, als sei das etwas Bemerkenswertes. Sie ging zum nächsten Bild.
    Ha! Super Titel . The more you see, the more you see . Deine Titel sind echt genial. Gregor, schau, das sind tolle Titel. Bei dieser Bemerkung sah sie irgendwie triumphierend zu ihrem Mann.
    Danke, sagte Christoph.
    Und das stimmt ja für alles. The more you eat, the more you eat. The more you … Na, ihr versteht schon.
    Ja, eben, sagte Christoph.
    Dann entschuldigte er sich, ging hinaus zu den anderen und ließ Leyla und Gregor allein zurück in der Galerie.
    Wenn ich David Shrigley wäre, würde ich ihn verklagen, sagte Leyla, als er außer Hörweite war. Das ist doch voll die Kopie.
    Aber die Titel sind gut, sagte Gregor.
    Leyla zuckte mit den Schultern.
    Ich hab Kopfweh, sagte sie.
    In diesem Moment

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