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Grimm 1: Der eisige Hauch (German Edition)

Grimm 1: Der eisige Hauch (German Edition)

Titel: Grimm 1: Der eisige Hauch (German Edition)
Autoren: John Shirley
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ging schnell zu den Pferden.
    Als er zu seiner rotbraunen Stute kam, ging ihm durch den Kopf, dass er noch eine andere Aufgabe hatte: Wenn die Zeit gekommen war, musste er Denswoz töten. Alberle Denswoz war eine räuberische
Todesdogge
, und Kessler vermutete, dass er sich unterwegs zum Vergnügen an sterbenden Soldaten gelabt und Bauern getötet hatte. Aber ihm blieb später noch genug Zeit, um Denswoz zu exekutieren. Zuerst wollte Kessler seine Pläne aufdecken, und wenn er ihn jetzt umbrachte, fand er möglicherweise nie mehr über ihn heraus. Er würde Denswoz später problemlos wiederfinden können.
    Die Wachposten waren daran gewöhnt, dass Kessler kam und ging, wie es ihm beliebte, daher sagte niemand ein Wort, als er an ihnen vorbei in den Sonienwald ritt. Wie Geistererscheinungen stieg der Nebel von den Farnen auf und glich den Seelen gefallener Soldaten. Die Geräusche der Schlacht hallten zwischen den Stämmen der Buchen wieder und wurden immer leiser, je weiter er den versteckten, gewundenen Pfad entlangritt. Die Hufe seines Pferdes klapperten laut, als es weitertrabte.
    Er wollte im Wald um das Schlachtfeld herumreiten und sich dann auf den Weg gen Osten nach Deutschland machen …
    Doch die schnellen Hufschläge eines galoppierenden Pferdes wurden hinter ihm lauter. Kessler drehte sich im Sattel um und rechnete schon fast damit, dass ihm ein Trupp Kavalleristen folgte. Doch es war Alberle Denswoz, der ihm auf den Fersen war, in Begleitung eines jungen Mannes, den Kessler noch nie zuvor gesehen hatte. Ihr brutaler, starrer Gesichtsausdruck ließ ihre Absicht erahnen.
    Sie kamen rasch näher und galoppierten rechts und links neben ihm, der junge Mann auf einem Rotschimmel und Denswoz auf seinem kräftigen weißen Pferd. Kessler zügelte sein Pferd, sodass sie an ihm vorbeipreschten. Doch als er sich gerade umdrehen und in den Tiefen des Waldes verschwinden wollte, wandte sich Denswoz im Sattel um und feuerte eine Pistole ab. Die Kugel traf Kesslers Pferd in den Kopf. Es brach unter ihm zusammen, und er konnte sich noch so eben mit einem Sprung in Sicherheit bringen.
    Kessler rappelte sich auf und zog seinen Dragonersäbel mit der rechten Hand. In den Griff des Säbels war ein Falke eingraviert, der Teil seines Familienwappens war. Er hatte auch eine geladene Pistole im Gürtel stecken, die er ziehen wollte, sobald sich ihm ein freies Schussfeld bot.
    Die beiden Männer hatten bereits umgedreht und kamen schnell auf ihn zu, aber dann riss Denswoz sein Pferd so abrupt an den Zügeln, dass es ins Rutschen kam, wieherte und die Augen aufriss.
    „Habt Ihr geglaubt, ich würde Euch nicht finden?“, schnaubte Denswoz.
    „Ich hätte wissen müssen, dass Ihr es könnt“, gab Kessler zu. „Schließlich sind
Todesdoggen
meisterhaft im Aufspüren.“
    „Ich werde Euch von Angesicht zu Angesicht und ganz aus der Nähe töten, diebischer Abschaum“, knurrte Denswoz. Sein Gesicht verwandelte sich bereits, als er abstieg, und nahm die hundeartigen Züge einer
Todesdogge
an, und in den Augen des
Wesens
, die die Farbe von Blutorangen hatten, glitzerte die Blutgier.
    Denswoz stürzte sich auf ihn, und sein hochgerissener Säbel reflektierte einen Lichtstrahl, der durch die Bäume drang. Kessler bewegte sich rasend schnell und brachte sich mit einem Schritt zur Seite vor dem herabsausenden Säbel in Sicherheit, während er seine eigene Klinge tief in Denswoz’ Armbeuge bohrte. Die schmerzgepeinigte
Todesdogge
jaulte auf, wobei das Geräusch stark an einen Wolf erinnerte, und riss die Klinge aus seinem Leib. Dann starrte er Kessler blinzelnd an und war offenbar erstaunt über dessen Geschwindigkeit.
    Doch ein mächtiges
Wesen
war nicht so leicht zu töten, und sofort stürzte sich die
Todesdogge
wieder auf ihn, bleckte die Zähne und knurrte. Der Junge, der nicht älter als fünfzehn zu sein schien, stieg weniger grazil als Denswoz vom Pferd und näherte sich Kessler von links.
    „Halt dich zurück, Lukas“, knurrte Denswoz.
    „Vater, lass mich dir helfen! Du bist verwundet!“
    Das war also Denswoz’ Sohn Lukas. Kessler hatte gehört, dass sich Denswoz in Waterloo mit ihm treffen wollte.
    „Hör auf deinen Vater“, bat ihn Kessler. „Ich will dich nicht auch töten müssen.“
    Aus Denswoz’
Todesdoggen
-Schnauze tropfte Blut. Trotzdem griff er Kessler an, sprang los und schwang gleichzeitig seinen Säbel. Kesslers Grimmreflexe ließen ihn nicht im Stich, und er duckte sich, um dem Angriff auszuweichen,

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