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Grimm 1: Der eisige Hauch (German Edition)

Grimm 1: Der eisige Hauch (German Edition)

Titel: Grimm 1: Der eisige Hauch (German Edition)
Autoren: John Shirley
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P ROLOG
    Frankreich 1815
    Es war einmal ein Grimm, der mit einem Kaiser auf Reisen ging …
    Als am kalten Morgen des 1. März 1815 die Sonne aufging, trafen sechs Schiffe an der Mittelmeerküste Frankreichs ein. Das Flaggschiff dieser kleinen Flotte war die Brigg
Inconstant
, auf der sich der verbannte Kaiser Napoleon Bonaparte und sein Gefolge befanden. Die Schiffe gingen vor Golfe-Juan in der Nähe des Cap d’Antibes etwa 240 Kilometer nördlich von Korsika, wo vor über vierzig Jahren das Schicksal des Kaisers seinen Ursprung genommen hatte, vor Anker.
    Johann Kessler wartete in der Barkasse auf die Rückkehr des Kaisers von Frankreich. Kesslers gebräuntes Gesicht mit den dunklen Augen wirkte gleichgültig, aber innerlich war er in Aufruhr, da unter den sieben Männern, die mit ihm im sacht schaukelnden Boot saßen, auch ein gewisser Alberle Denswoz war, der überdies direkt neben Kessler saß. Eben jener Denswoz war eine
Todesdogge
. Kessler hatte die wahre Natur des Mannes erst vor Kurzem entdeckt, als dieser einen Moment lang nicht aufgepasst hatte, sodass seine eigentliche bestialische Form zu erkennen gewesen war.
    Seit gar nicht allzu langer Zeit waren die alten Volksmärchen, die die Brüder Grimm zusammengetragen hatten und in denen es um Hexen, Wolfsmenschen, Drachen und viele andere Fabelwesen ging, sehr beliebt. Nur wenige Leser wussten, dass die von den Grimms beschriebenen Kreaturen tatsächlich
existierten
. Die Brüder selbst waren davon ausgegangen, sie hätten es nur mit der Mythologie zu tun.
    Aber im dunklen Herzen eines jeden Märchens lag ein Fünkchen Wahrheit, etwas, das ebenso fantastisch wie real war: das
Wesen
. Bei einigen handelte es sich eigentlich eher um Tiere, die sich als Menschen ausgaben, während andere schlichtweg monströs waren.
    Eine weitere uralte Blutlinie, die ebenso menschlich wie übermenschlich war, jagte die gefährlicheren
Wesen
und vernichtete sie. Später nannte man diese im Verborgenen arbeitenden Jäger als spöttische Hommage an die Autoren der Märchen … Grimms.
    Soweit Kessler wusste, war Denswoz nicht bekannt, dass eines dieser fast schon übermächtigen
Wesen
neben ihm saß.
    Nun kletterte der Kaiser geschmeidig in das Boot, das ihn zur Küste bringen sollte. Colonel Mallet half dem bedeutenden Mann dabei.
    Der Kaiser war ein gedrungener, blasser, leicht draller Mann mit langer Nase, tief liegenden Augen und schwarzem Haar. Er trug einen langen, schwarzen Übermantel und eine weiße Weste, über die er seine Schärpe drapiert hatte, sowie seinen berühmten Zweispitz. Während er durch den aufsteigenden Nebel in der Farbe seiner grau-blauen Augen starrte, versuchte er zu erkennen, ob er an der Küste erwartet wurde. Napoleon hätte lieber im Bug Platz genommen, aber Colonel Mallet hatte ihn gebeten, achtern zu sitzen, falls an der Küste ein feindlicher Scharfschütze lauerte. Ihre Flucht von Elba mit fast 1100 Grenadieren war problemlos verlaufen, da die Schiffe der Briten und der Bourbonen bereits abgelegt hatten. Doch die Reise an die französische Küste hatte sich aufgrund des Gegenwinds in die Länge gezogen, sodass der Kaiser bereits witzelte, die
Inconstant
würde ihrem Namen alle Ehre machen. Derweil hätte die Kunde von der bevorstehenden Rückkehr des Kaisers Frankreich längst erreicht haben können, und niemand wusste, ob ihn seine Feinde bereits erwarteten.
    Kessler rechnete schon fast damit, die Soldaten der Bourbonen an der Küste zu sehen, vielleicht eine Einheit aus den feindseligen Garnisonen in der Provence, die mit einer Kanone auf sie zielten. Er hatte nicht die Absicht, durch eine Kanonensalve ums Leben zu kommen, ebenso wenig wünschte er Napoleon den Tod. Doch die Aufklärer des Kaisers waren kurz darauf am Strand und signalisierten ihnen, dass keine Gefahr drohte. Das hob Kesslers Laune, und obwohl auf der kalten See eine frische Brise wehte, lächelten alle im Boot zufrieden. Sie waren nach zehnmonatigem Exil auf der Insel Elba zurück in Frankreich.
La France!
    Johann Kessler war Deutscher, hatte jedoch unter Napoleon die französische Staatsbürgerschaft angenommen. Denswoz war Österreicher, aber nachdem Napoleon Österreich annektiert hatte, war er begierig darauf gewesen, zum Ratgeber des Kaisers ernannt zu werden – was erst kürzlich auf der Reise nach Elba geschehen war. Kessler vermutete sogar, dass Denswoz eine Mitschuld daran trug, dass der Kaiser nach Frankreich zurückkehrte. Denswoz und die Münzen. Erst einmal

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