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Grimm 1: Der eisige Hauch (German Edition)

Grimm 1: Der eisige Hauch (German Edition)

Titel: Grimm 1: Der eisige Hauch (German Edition)
Autoren: John Shirley
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Schmerz und Zorn verzerrtem Gesicht um.
    „Ihr, Herr“, rief der junge Mann. „Ihr und Eure Familie werdet den Preis für diese Tat bezahlen! Das schwöre ich!“ Mit diesen Worten galoppierte er davon.
    Kessler ging zu seinem Pferd und nahm einige Dinge aus den Satteltaschen, darunter den Lederbeutel mit den Münzen von Zakynthos. Dann stieg er auf Denswoz’ Pferd und ritt in Richtung Deutschland.
    Er sagte sich, dass er sich wegen Lukas Denswoz’ Schwur keine Sorgen machen musste. Der Junge war verletzt, emotional und nicht der gnadenlose Agent, der sein Vater gewesen war.
    Doch seine Intuition sagte Kessler, dass es ein großer Fehler gewesen war, die jüngere
Todesdogge
am Leben zu lassen.
    Und diese Intuition trog ihn nicht. Johann Kesslers Fehler würde wie Wasser auf einem Dach in einem winterlichen Windstoß Form annehmen. Mit der Zeit würde sein Gift wie Tropfen aus dem schmelzenden Eis rinnen, sich wie frostige Finger ausstrecken und mit einem eisigen Hauch nach ihm greifen …

K APITEL E INS
    Portland, Oregon, USA Heute
    Captain Sean Renard starrte den stark verbrannten Leichnam auf dem Tisch in der Leichenhalle an. Es roch nach Rauch, verbranntem Fleisch und Methan.
    „Wie habt ihr den Kerl gefunden?“, fragte er, auch wenn er bereits eine Ahnung hatte, da er den Geruch kannte.
    „Die Feuerwehr wurde alarmiert, weil Rauch an einer unbebauten Stelle aus dem Boden aufstieg“, antwortete Sergeant Wu, der aufgrund des hellen Lichts über dem Stahltisch blinzeln musste. Er zupfte nervös an seiner neuen Polizeiuniform herum. „Das verdammte Ding sitzt nicht richtig“, murmelte er. Die neuen dunkelblauen Uniformen waren in aller Eile angefertigt worden und schienen nicht so gut zu passen wie die alten.
    „Wurde die Ursache des Feuers gefunden?“, erkundigte sich Renard.
    „Bisher noch nicht, Captain. Jemand kam an der Stelle vorbei und sah Rauch aufsteigen, glaubte, dass da unter der Erde Erdgas brennen würde und rief die Gasfirma und die Feuerwehr an. Ein Gasleck wurde ausgeschlossen. Die Feuerwehrleute sahen in das Loch hinunter und entdeckten die Beine dieses Mannes. Als wäre er da runtergekrochen und gestorben. Mir war früher auch oft danach, in ein Loch zu kriechen und die Erde über mir zuzuschütten, aber …“
    Renard bemerkte, dass Wu sich im Raum umsah und es vermied, einen Blick auf die Leiche zu werfen. Sie sah in der Tat abstoßend aus. Die Haut war am Oberkörper und Kopf verkohlt, sodass die angesengten Muskeln und Membrane freilagen. Die Augen waren geschmolzen. Auch die Hände zeigten schwere Verbrennungen …
    Wu sah die Leiche an, zuckte zusammen und wandte den Blick ab.
    „Das mit der Donutschachtel ist seltsam …“, sagte er.
    Renard nickte. Die klauenartige Hand des Leichnams hielt ein abgerissenes, angesengtes Stück Pappe fest. Darauf waren nur noch der Name „Wicked Donuts“ und eine Adresse an der Halsey Street zu lesen.
    „Und seht euch die Hand an“, fuhr Wu fort. Offensichtlich suchte er nach etwas Erträglicherem, über das er reden konnte. „Sie sieht aus wie eine Faultierklaue. Echt merkwürdig.“
    „
Enfoncer des portes ouvertes
“, murmelte Renard.
    „Was bedeutet das?“
    „Hm? Ach, das ist eine französische Redewendung über das Einrennen offener Türen. Wenn man etwas Offensichtliches sagt. Okay …“ Er zog das Laken über die Leiche, sehr zu Wus Erleichterung. „Jetzt ist der Gerichtsmediziner an der Reihe.“
    Als sie zur Tür gingen, meinte Wu: „Ich schätze, er war ein Penner, der nicht vorsichtig genug mit dem Spiritus umgegangen ist, oder etwas in der Art. Vielleicht ist er in das Loch gekrochen, um das Feuer zu löschen.“
    „Haben die Jungs in den Gummistiefeln da unten noch was gefunden?“
    „Nein, sie haben den Kerl nur mit einem Greifarm da rausgezogen. Feuerwehrleute klettern nicht in Löcher. Zumindest nicht sehr oft. Ich hab mal von einem Chihuahua gehört, der …“
    „Ich will nichts von einem Chihuahua hören, Wu, sondern den Bericht auf meinem Schreibtisch sehen.“
    „Alles klar, Captain. Sollen wir das Loch untersuchen?“
    Renard schüttelte den Kopf. „Noch nicht. Erst mal warten wir ab, was der Gerichtsmediziner über den Mann herausfindet.“
    „Was ist mit der Faultierkralle?“
    „Entweder war der Mann entstellt, oder der Knochen wurde durch das Feuer verformt.“ Renard wollte nicht, dass Wu zu intensiv darüber nachdachte. „Wer weiß.“
    Renards Meinung nach könnte die verräterische Klaue von

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