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Grimm 1: Der eisige Hauch (German Edition)

Grimm 1: Der eisige Hauch (German Edition)

Titel: Grimm 1: Der eisige Hauch (German Edition)
Autoren: John Shirley
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sodass Denswoz an ihm vorbeiflog und schmerzhaft neben Kesslers totem Pferd auf dem Waldboden landete.
    Kessler wirbelte zu dem Jungen herum, der in einigen Schritten Entfernung eine Pistole auf ihn richtete. Lukas Denswoz schoss, und die Kugel sauste an Kesslers linkem Ohr vorbei. Lukas fluchte und warf die Pistole weg, um seinen Säbel zu ziehen. Das Gesicht des Teenagers verwandelte sich, und die
Todesdogge
in ihm kam zum Vorschein.
    Da zog Kessler seine Pistole, eine Lepage, die ihm Napoleon höchstpersönlich geschenkt hatte, und zielte auf die rechte Schulter des Jungen. Er feuerte, und der Junge schrie auf, stolperte und stürzte stöhnend zu Boden. Das Geschoss hatte ihm den Schulterknochen zerfetzt.
    Kessler drehte sich gerade noch rechtzeitig um, um zu sehen, wie der ältere Denswoz aufstand, aus dessen Tiermaul roter Schaum quoll.
    „Kessler, werft die Münzen weg und verschwindet einfach! Dann lasse ich Euch noch eine Weile am Leben!“, forderte er.
    „Warum habt Ihr die verdammten Dinger überhaupt benutzt, um Napoleon zu all dem anzustacheln?“, fragte Kessler.
    „Das werdet Ihr nie erfahren!“
    Denswoz stürzte sich auf ihn, aber die tiefe Wunde unter seinem Arm hatte ihm Kraft geraubt, und der Schwertschlag, mit dem er Kessler attackierte, war unbeholfen.
    Kessler parierte, glitt mit Grimmscher Schnelligkeit zur Seite und schlug fest zu. Er durchtrennte Denswoz’ Hals und schlug dem
Wesen
somit den Kopf ab.
    Der Körper taumelte, während das Blut aus dem Halsstumpf sprudelte, und dann fiel er zuckend zu Boden.
    „
Nein!
“, jaulte Lukas und kam taumelnd auf die Beine.
    „Du kannst mich nicht töten, Junge“, sagte Kessler zu ihm.
    Das jüngere
Wesen
machte einen unsicheren Schritt auf Kessler zu und starrte den abgetrennten Kopf seines Vaters an. Dann fiel ihm der Säbel aus den gefühllosen Fingern und kam klappernd auf einem Stein auf.
    Kessler trat bis auf Armeslänge Abstand an ihn heran und drückte dem Jungen den Säbel an die Drosselvene.
    „Nur ein schneller Stoß, und du bist bei deinem Vater“, meinte Kessler. „Dann wärt ihr in der Hölle vereint, verdammt wie alle unchristlichen
Wesen
.“ Er hatte gehört, dass dies nicht unbedingt für alle galt und dass einige
Wesen
tatsächlich Christen seien, aber Kessler wollte dem Jungen Angst einjagen.
    Der Junge starrte ihn mit offenem Mund an und leckte sich über die Lippen. Sein rechter Arm hing schlaff und nutzlos herab.
    „Ich … muss versuchen, Euch zu töten.“
    „Nein, das musst du nicht. Eigentlich sollte ich
dich
töten. Aber … wir töten
Wesen
nur, wenn es unbedingt sein muss. Du bist noch jung und könntest lernen, von Kühen und Lämmern zu leben, und du musst mir schwören, nie einen Mann oder eine Frau anzufallen.“
    „Ich … Ich schwöre es.“
    „Aber du musst noch etwas tun, wenn du am Leben bleiben willst. Du musst mir sagen, warum dein Vater Napoleon die Münzen gegeben hat. Warum wollte er, dass er erneut die Alliierten angreift?“
    Der Junge schüttelte den Kopf. „Das weiß ich nicht.“ Er wandte den Blick ab.
    „Wie du willst. Dann grüß deinen Vater von mir.“ Er drückte etwas fester mit der Säbelspitze zu.
    „Wartet! Vater sagte … Der Krieg würde nicht lange dauern. Napoleon würde zuerst gewinnen und dann scheitern. Danach bräche Chaos aus. Und das Chaos käme jenen zugute, denen er die Treue geschworen hat.“
    „Und wem hat er sich verschworen?“
    „Er sagte, das dürfe ich erst wissen, wenn ich ein Mann bin. Er sagte, es seien jene, ‚die sich vom Krieg und der menschlichen Auflösung nähren‘.“
    „So, so. Kannst du mir irgendwelche Namen nennen?“
    „Nein!“ Lukas legte sich zitternd die Hand vor die Augen. „Oh Vater, ich habe dein Vertrauen missbraucht.“
    Kessler schnaubte. „Du hast mir so gut wie gar nichts gesagt. Aber du darfst gehen. Ich schenke dir dein Leben. Vergiss nie, dass es Größe erfordert, Gnade zu zeigen. Du bekommst eine weitere Chance, die verborgenen Wahrheiten der Welt zu erkennen. Nimm deinen Säbel und geh.“
    Er senkte seinen Säbel und deutete auf das Pferd des jüngeren
Wesens
.
    Lukas hob seinen Säbel auf und entfernte sich rückwärts von Kessler, um sich dann schnell zu seinem Pferd umzudrehen. Der verwundete Junge kam nur unter Schwierigkeiten auf sein Pferd, doch kurz darauf galoppierte er den Weg zurück, den er gekommen war.
    Während ihm Kessler nachsah, drehte sich das junge
Wesen
nach dreißig Metern noch einmal mit vor

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