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Duncans Lady

Duncans Lady

Titel: Duncans Lady
Autoren: Emilie Richards
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– oder dieser Fehler – den sie am meisten an Duncan liebte. Denn er war ein Mann, der sich weigerte, Kompromisse einzugehen. Wenn er an etwas glaubte, dann glaubte er mit ganzem Herzen daran, und wenn er liebte …
    „Es ist Zeit für eine Pause“, sagte er nun.
    Duncan drehte sich um und suchte sie mit seinem Blick. Als er sie entdeckte, runzelte er die Stirn. „Mara, du siehst aus, als könnte eine Schneeflocke dich k. o. schlagen. Setz dich auf den Felsbrocken da drüben und ruh dich aus.“
    „Nein, wir müssen weiter.“
    „Du wirst nirgendwo hingehen. Nicht, ehe du dich ausgeruht hast.“
    Er näherte sich ihr und drängte sich an Roger vorbei, der zwischen ihnen gegangen war, als wollte er sie voreinander abschirmen.
    „Wir müssen weitergehen, oder wir werden sie nicht rechtzeitig finden.“
    „Es dauert länger, weil jeder Schritt auf dem Eis eine Rutschpartie ist, und weil es so ist, bist du vollkommen erledigt.“ Er legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Bitte.“ Er senkte die Stimme. „Mara, tu mir das nicht an. Ich habe schon genug Sorgen.“
    Meilenweit schienen sie bereits an dem Bach entlang marschiert zu sein. Er schlängelte sich durch eine mit Birken bewachsene Schlucht, und der Pfad war schmal und schlüpfrig. Manchmal, wenn die Sonne hoch genug stand, damit sie die Berge über sich sehen konnten, hatten sie angehalten, um sich auszuruhen und von dem starken Tee zu trinken, den Roger verteilte. Aber sie waren nicht annähernd so weit gekommen, wie sie erwartet hatten.
    „Ich werde mich ausruhen, aber nur ein paar Minuten.“ Sie fand einen breiten Felsen neben dem Bach und setzte sich. Hinter sich hörte sie die Männer einhellig erleichtert aufatmen.
    Sie war erschöpft. Manchmal fühlte sie sich, als würde sie schweben. Zweimal war sie gestolpert und wäre beinahe gestürzt, und einmal war ihr so schwindelig geworden, dass sie geglaubt hatte, sie würde erneut einen Blick in die Zukunft werfen können. Aber sie hatte nichts gesehen oder empfunden außer ihren eigenen Zweifeln. Wenn sie mit den Adlern fliegen könnte, wenn sie noch einmal über Glencoe kreisen könnte, dann wüsste sie, ob sie am richtigen Ort waren. Aber sie war hier unten am Boden und konnte sich nicht sicher sein.
    „Ist da auch Platz für zwei?“
    Sie rutschte ein Stück, um Duncan neben sich sitzen zu lassen. „Was wirst du Lisa sagen, wenn wir sie finden?“, fragte sie.
    „Was für eine merkwürdige Frage!“
    „Es wird ein Maß dafür sein, was für ein Mann du wirklich bist.“
    „Was sollte ich denn sagen?“
    „Das kann ich nicht entscheiden. Es muss aus deinem Herzen kommen.“
    „Es hängt davon ab, ob meine Tochter am Leben ist und ob es ihr gut geht.“
    Sie legte ihre Hände in seine. „Es geht ihr gut, Duncan. Dessen bin ich mir sicher.“
    „Und Lisa?“
    „Sie lebt.“
    „Ich hoffe es. Ich wünsche ihr nichts Böses.“
    „Nicht?“
    „Ich habe dir gesagt, dass ich Fehler gemacht habe.“
    „Das hier ist keiner davon.“ Sie zog ihre Hand zurück.
    „Sind wir ein Fehler?“
    „Das ist nicht der richtige Zeitpunkt, um darüber zu reden. Es gibt noch zu viel, das ungeklärt ist.“
    Er stand auf und fühlte sich offensichtlich zurückgewiesen. „Ich werde Geordie fragen, ob er eine Ahnung hat, wie weit wir noch gehen müssen.“
    Ein paar Minuten später machten sie sich wieder auf den Weg. Nach einer halben Stunde kamen sie zu einer Felsansammlung, die den Pfad und den Bach zu versperren schien.
    „Wir müssen jetzt auf die andere Seite“, sagte Geordie. „Aber die Felsen sind rutschig. Wir müssen einer nach dem anderen hinüberklettern.“ Noch ehe er den Satz zu Ende gebracht hatte, fing er an zu klettern. Duncan wäre als Nächster dran gewesen, doch er winkte Roger vor. „Komm, Mara. Ich gehe vor, aber ich bleibe in Reichweite, falls du mich brauchst.“
    Sie wartete, bis er den Anfang gemacht hatte, dann folgte sie ihm. Die Felsen waren vereist und noch glatter, als sie aussahen, und ihre Knie waren weich. Sie bemühte sich, das Gleichgewicht zu behalten, aber immer wieder rutschte sie aus. Jedes Mal war Duncan da, um sie zu stützen.
    Auf der anderen Seite breitete er die Arme aus und drückte sie an sich, während sie keuchend wieder zu Atem kam. „Das hast du wunderbar gemacht, meine Lady. Ich weiß, wie anstrengend das für dich sein muss.“
    „Wir müssen weiter.“
    „Wir dürfen nicht vergessen, dass wir den ganzen Weg auch wieder zurück müssen, Mara.

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