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Duncans Lady

Duncans Lady

Titel: Duncans Lady
Autoren: Emilie Richards
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Seiten gab es hohe Felswände, wie Mauern. Und es war sehr einsam.“
    Duncan hörte die Anspannung in ihrer Stimme. Er wollte ihr den Arm um die Schultern legen, aber er ahnte, dass sie ihn zurückweisen würde. „Glaubst du, dass Coire Gabhail der Ort gewesen sein könnte, den du gesehen hast?“
    „Aye. Könnte sein.“
    „Dann müssen wir noch ein Stück im Bus fahren“, sagte Geordie und übernahm das Kommando. „Ein bisschen weiter die Straße runter gibt es einen Steg über den Bach. Zumindest war da eine Brücke, als ich ein kleiner Junge war.“
    „Wie lange brauchen wir bis zum Tal?“, fragte Duncan.
    „Bei dem Schnee und der Kälte?“ Geordie schüttelte den Kopf.
    „Den größten Teil des Tages?“
    „Aye.“
    „Mara, das ist unsere einzige Chance.“ Duncan kümmerte sich nicht darum, ob sie sich ihm entzog. Er ergriff ihre Hände und rieb sie. „Bis wir ins Tal hinabgestiegen und wieder zurückgekommen sind, wird es wahrscheinlich nicht mehr lange genug hell sein, um noch woanders zu suchen.“
    „Ich habe also nur eine Chance?“
    „An mir liegt es nicht. Das Wetter setzt uns diese Grenze.“
    „Dann lass uns ins Tal gehen.“
    Ohne noch länger zu warten, gingen die Männer zum Bus zurück. Duncan war überrascht, wie leicht sie Maras Entscheidung hinnahmen. Mara blieb zurück, ebenso wie er selbst. Er ließ ihre Hände nicht los. „Es sind gute Männer“, sagte er.
    „Sie glauben an mich.“ Für einen Moment war alles vergessen, was je zwischen ihnen gestanden hatte. „Sie haben es akzeptiert, als sei das zweite Gesicht ein Talent wie die Fähigkeit, Klavier zu spielen oder zu malen. Ich habe mein ganzes Leben lang versteckt, wer ich bin, und sie akzeptieren mich einfach so, ohne Fragen zu stellen.“
    „Mara …“
    „Wir gehen besser, Duncan. Wenn wir nur diese einzige Chance haben, dann sollten wir das Beste daraus machen.“
    „Du musst nicht mitkommen. Du kannst hier im Hotel bleiben. Jetzt, wo wir wissen, wohin wir gehen, brauchst du nicht mitzukommen. Du kannst dich ausruhen, vielleicht solltest du dir sogar ein Zimmer nehmen und schlafen, bis wir zurückkommen. Hier ist es warm und trocken.“
    „Ich habe eine Chance, und wenn das das Einzige ist, was ich habe, dann werde ich von Anfang bis Ende dabei sein.“
    „Meine dickköpfige Lady.“
    Sie entzog sich ihm, als sei der zärtliche Ton in seiner Stimme ihr Verderben. Er sah ihr nach, als sie über den Parkplatz zum Bus zurückging.
    Mara war sich nicht so sicher, wie es den Anschein hatte. Auf der Fahrt nach Glencoe hatte sie aus dem Fenster gestarrt und versucht, ihren Geist zu leeren und sich für neue Visionen zu öffnen, die ihr womöglich den genauen Ort zeigen würden. Aber nichts war geschehen. Als sie sich jetzt mit den Männern auf den Weg machte, war sie nur noch müde.
    Sie ging in der Mitte der Reihe. Stillschweigend hatten die Männer ihr diesen Platz eingeräumt. Mara spürte das Verlangen der anderen, sie zu beschützen. Sie ermutigten sie, wenn der Weg schwieriger wurde, sangen ihr etwas vor und erzählten ihr Geschichten. Sie konnte sich nicht daran erinnern, dass ihr schon einmal so viel Gutes widerfahren war.
    Sie hatte ein Zuhause gefunden. Niemals hätte sie geglaubt, dass so etwas möglich sein könnte. Das Beste, was sie erhofft hatte, war ein Ort, an dem man sie in Ruhe ließ. Stattdessen wurde sie langsam, aber sicher in das Dorfleben von Druidheachd miteinbezogen. Mit dem Johnsman-Fest hatte es angefangen.
    Sie hatte sich jedem offenbart, der klug genug war, um zu begreifen, warum sie die Kinder gepackt hatte. Dann hatte sie das halbe Dorf an der Rezeption des Sinclair Hotels getroffen, und falls es Zweifel an ihrer Rechtschaffenheit gegeben hatte, so waren sie offensichtlich aus dem Weg geräumt worden.
    Das abgelegene Dorf in den Highlands schien noch fest im siebzehnten Jahrhundert verwurzelt zu sein. Die Menschen waren misstrauisch und fürchteten sich vor Geistern, Kobolden und Geräuschen in der Nacht. Doch genau dort hatte sie ein Zuhause gefunden.
    Und den Mann, den sie liebte.
    Duncan ging hinter Geordie am Anfang der Reihe. Sie konnte seine stolz aufgerichteten Schultern beobachten, den männlichen Schwung seiner Hüften und den kräftigen, geraden Rücken. Sie liebte ihn, diesen arroganten, dickköpfigen amerikanischen Schotten, der sich weigerte, irgendetwas zur Kenntnis zu nehmen, auch wenn man es ihm direkt vor die Nase hielt. Und vielleicht war es genau diese Eigenschaft

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