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Duncans Lady

Duncans Lady

Titel: Duncans Lady
Autoren: Emilie Richards
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Wir haben nicht genug Zeit, um eine Pause zu machen und trotzdem vor Einbruch der Dunkelheit wieder beim Bus zu sein. Wir können noch ein bisschen weiter gehen, aber wir können nicht mehr meilenweit laufen. Die Zeit reicht einfach nicht.“
    „Ich werde nicht umkehren, ehe April und ihre Mutter bei uns sind.“
    Er machte einen Schritt von ihr weg. Die anderen hatten die Felsen inzwischen überwunden und warteten. „Weiter geht’s“, sagte er kurz angebunden.
    Mara versuchte, ihren Geist zu leeren, aber egal, wie sehr sie es auch versuchte, sie sah keine Bilder, nicht einmal Schemen. Sie spürte nur die Kälte und kämpfte darum, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Auf der anderen Seite der Felsbarriere war der Bach wieder aufgetaucht und führte sie in den Talkessel.
    Nach wenigen Metern blieben alle staunend stehen. Vor ihnen dehnte sich eine weite Ebene aus. Jetzt war alles schneebedeckt, aber bei warmem Wetter mussten die Wiesen mit Wildblumen übersät sein. Auf allen Seiten des Tals ragten felsige Berge empor, und der Bach floss mitten hindurch.
    Es gab nur wenig, was ihnen die Sicht versperrte. So weit sie sehen konnten, gab es nichts als Schnee, Berge und den Bach.
    Eine neue Welle des Schwindelgefühls packte Mara. Sie schloss die Augen und spürte, wie ihr Körper protestierend schwankte, aber sie war zu kraftlos, um ruhig stehen zu bleiben. Dann sah sie Rinder, zottelig, schwarz und stämmig, und sie hörte das Lachen der Männer, die die Tiere vor sich hertrieben. Das Bild blitzte in ihrem Geist auf und verschwand, zusammen mit dem Schwindelgefühl. In diesem Augenblick wusste sie, dass sie den richtigen Ort gefunden hatten.
    „Sie sind hier“, sagte sie.
    „Ich sehe kein Zelt. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass jemand hier gewesen ist, seit es zu schneien angefangen hat“, sagte Duncan. „Ich sehe keine Fußspur, und ich weiß nicht, ob du es noch eine einzige Meile weiter schaffst.“
    „Sie sind weiter hinten im Tal.“ Sie setzte sich wieder in Bewegung und folgte dem Verlauf des Baches. Hier war das Vorwärtskommen einfacher, denn der Boden war flacher und es gab nur wenige Anhöhen. Außerdem war hier weniger Schnee gefallen. Als sie merkte, dass die anderen ihr nicht folgten, drehte sie sich um. „Wenn ihr nicht mitkommt, werde ich sie allein da rausholen“, sagte sie. „Und was werden eure Frauen und Kinder morgen sagen, wenn sie herausfinden, dass eine Frau April und ihre Mutter ganz allein gerettet hat?“
    Roger fing an zu grinsen, und Geordie lachte laut. Nur Duncan lächelte nicht. „Komm, Duncan.“ Sie winkte ihn zu sich heran. „Deine Tochter wartet auf dich.“
    Die Sonne stand hoch am Himmel, als Mara das Zelt entdeckte. Es war auf die Ferne nicht zu erkennen gewesen, da es klein und weiß wie der Schnee selbst war. Keine Bewegung in der Nähe zog den Blick auf sich. Sie deutete auf das Zelt. „Da! In der Bachbiegung.“
    Duncan blieb stehen und schützte seine Augen vor dem hellen Sonnenlicht, das vom Schnee reflektiert wurde. Dann rannte er los, und mehrere Männer folgten ihm. Mara verringerte absichtlich ihr Tempo und winkte die anderen vorbei.
    Als sie das Zelt erreichte, war April draußen, und Duncan hielt sie fest in seinen Armen. Sie sah die Tränen auf seinen Wangen, doch vermutlich hatte er nicht einmal gemerkt, dass er geweint hatte.
    „Geht es dir wirklich gut, mein Frühlingskind?“
    April weinte ebenfalls. „Aber Mommy ist krank.“
    „Ich weiß. Aber sie wird wieder gesund werden. Wir werden euch nach Hause bringen.“
    „Ich hab’versucht, sie heute Morgen aufzuwecken, aber ich habe es nicht geschafft.“
    „Das hast du gut gemacht, dass du bei ihr im Zelt geblieben bist.“
    „Mommy hat gesagt, ich soll hier bleiben. Als sie noch wach war, hat sie gesagt, dass ich nicht rausgehen soll. Ich wollte losgehen und dich suchen.“
    „Mommy hatte recht. Sie wusste, was das Beste für dich war.“
    „Sie ist bei den Steinen am Fluss ausgerutscht und hat sich wehgetan, und darum konnten wir nicht weggehen. Und dann ist es so kalt geworden, und sie hat gesagt, ich soll meine ganzen Sachen anziehen und mit in ihren Schlafsack kriechen. Dann ist sie eingeschlafen, und ich konnte sie nicht wieder aufwecken.“
    Duncan blickte auf und sah Mara. „Mara ist hier, mein Frühlingskind.“
    April klammerte sich weiter an ihn, aber sie hob den Kopf. Als sie Mara sah, schluchzte sie auf und streckte die Arme aus. Mara nahm sie und hielt sie fest.
    Roger kroch

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