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062 - Todeskuss vom Höllenfürst

062 - Todeskuss vom Höllenfürst

Titel: 062 - Todeskuss vom Höllenfürst
Autoren: Larry Brent
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    Doreen Shelter wußte nicht, wie ihr geschah. Ein
seltsames Gefühl beschlich sie. Der Druck auf ihre Stirn verstärkte sich. Wie
hypnotisiert starrte die junge Frau auf den herrlichen Strauß in der Vase.
Farbenprächtige Blüten vermischten sich und schienen in Bewegung zu geraten. In
der Dunkelheit des Hotelzimmers bekamen sie eine Leuchtkraft, wie wenn sie von
innen her angestrahlt würden.
    Doreen beugte sich über die Blüten und barg ihr Gesicht
darin wie in einem Kissen. Ihre Züge nahmen einen verklärten Ausdruck an, aber
die Falle schlug zu! Die Neunzehnjährige empfing den Todeskuß des Satans...
    Farbenrausch und Duft wurden von einem Augenblick zum
anderen zu einem Feuersturm aus der Hölle, den Doreen Shelter nicht mehr
spürte.
    Ihr Bewußtsein erlosch wie eine Kerze im Wind.
    Es gab keine Doreen Shelter mehr.
     
    ●
     
    Jo-Anne Hathry wurde wach, als die ersten Sonnenstrahlen
durch die Ritzen der Gardinen fielen.
    Das Mädchen blinzelte, reckte sich und schob mit den
Beinen die leichte Decke zur Seite. Jo-Anne trug ein durchsichtiges Baby-Doll,
das mehr preisgab, als es verbarg.
    Die junge Amerikanerin war neunzehn. Seit drei Tagen
hielt sie sich mit ihrer Freundin Doreen Shelter in Amerikas Sonnenparadies, in
Florida, auf.
    Jo-Anne und Doreen hatten lange Zeit dafür gespart, um
vierzehn Tage Urlaub hier verbringen zu können.
    Es war herrlich, einmal vollkommen auf sich selbst
angewiesen zu sein, jeden Tag zu faulenzen, in der Sonne zu liegen, im Meer zu
baden und sich von allen Seiten bedienen zu lassen.
    Die Amerikanerin erhob sich und zog die Gardinen vollends
zurück.
    Von ihrem Fenster aus konnte sie in den gepflegten
hoteleigenen Park hinuntersehen. Linker Hand schloß sich das blaue Wasser des
großen Swimmingpools an. Einige Hotelgäste nutzten die frühe Stunde, um einige
Runden zu schwimmen. Kleine saubere Tische am Beckenrand waren gedeckt. Es gab
Gäste, die ihr Frühstück im Freien einnahmen.
    Jo-Anne löste sich vom Fenster und klopfte dreimal leicht
gegen die Wand hinter dem Bett. Im angrenzenden Zimmer war Doreen
untergebracht.
    Jo-Anne lauschte.
    Als sich niemand auf der anderen Seite meldete, klopfte
das Mädchen ein zweites Mal. Doreen hatte das Signal sicher überhört.
    Aber auch diesmal rührte sich drüben niemand.
    Jo-Anne löste den dicken Wollfaden, mit dem sie das
starke, schulterlange Haar abends zum Einschlafen zusammenzubinden pflegte, um
die Haarsträhnen nicht dauernd im Gesicht zu haben.
    Achtlos ließ das Mädchen den Wollfaden auf den Nachttisch
fallen, ließ sich auf den Bettrand plumpsen, schlug die langen, braungebrannten
Beine übereinander und griff nach dem Zimmertelefon, das sie zu sich
herüberzog.
    Sie drückte den Serviceknopf. Sofort meldete sich die
Empfangsdame.
    „Verbinden Sie mich bitte mit Zimmer sechzehn“, sagte
Jo-Anne.
    „Gern. Einen Moment bitte.“ Sekunden verstrichen.
    Die Umgebung war so still, daß sie das Telefon im
angrenzenden Raum anschlagen hörte. Es klingelte mehrmals, aber niemand hob ab.
    Da meldete sich die Empfangsdame wieder.
    „In Zimmer sechzehn meldet sich niemand, Miß“, klang es
in Jo-Annes Ohren.
    „Hm.“ Jo-Anne Hathry leckte sich über die Lippen. „Ist
Miß Shelter ausgegangen?“
    „Meines Wissens nicht. Ihr Schlüssel hängt aber trotzdem
nicht hier.“
    „Danke.“ Nachdenklich legte Jo-Anne auf. Sie konnte sich
keinen Reim darauf machen, daß die Freundin nicht zu erreichen war.
    Gemeinsam hatten sie den Urlaub angetreten, und gemeinsam
hatten sie bisher alles unternommen. Auch für heute morgen waren sie
verabredet.
    Nach dem Frühstück wollten sie einen Stadtbummel durch
Miami machen.
    Jo-Anne Hathry sah keinen Grund, sich Sorgen zu machen.
Sie zog sich aus, legte das Baby-Doll aufs Bett und sprang dann nackt ins Bad.
    Sie ließ Wasser in die Wanne, wusch sich in Ruhe,
frisierte und schminkte sich und verließ etwa eine Stunde nach dem vergeblichen
Anruf ihr Zimmer.
    Doreen Shelter hatte sich noch immer nicht gemeldet.
    „Da steckt doch bestimmt ein Mann dahinter“, kam es leise
über die Lippen der superblonden Jo-Anne, als sie vor der Tür zu Doreens Zimmer
stand und lauschend das Ohr anlegte. Im Raum dahinter war kein Geräusch.
    Kräftig klopfte Jo-Anne an. Es blieb ruhig.
    Als sie sich bückte, um einen Blick durchs Schlüsselloch
zu erhaschen, stellte sie fest, daß der Schlüssel von innen steckte.
    Erst in diesem Moment wurde ihr klar, daß doch nicht
alles so harmlos sein

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