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Vergessene Küsse (Windham-Reihe) (German Edition)

Vergessene Küsse (Windham-Reihe) (German Edition)

Titel: Vergessene Küsse (Windham-Reihe) (German Edition)
Autoren: Emily Bold
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Prolog
     
    London
     
    D ie diesjährige Ballsaison würde in wenigen Augenblicken mit einem pompösen Feuerwerk ihren Höhepunkt erreichen. Die schillernde Menge bewegte sich durch die weit geöffneten Türen hinaus auf die hell erleuchteten Terrassen, um eine gute Sicht auf das Spektakel zu haben. Üppige Matronen, mit kunstvollen Haarkreationen und anderem Kopfputz, drängten sich in die vordersten Reihen, umgeben von den willigen und nicht minder herausgeputzten Dandys, die ihnen den Hof machten. Dann kamen die Ehefrauen, Anstandsdamen und Debütantinnen, die mit etwas mehr Würde versuchten, dem Schauspiel beizuwohnen. Sie mussten sogar heute, am Abschlussball, einen guten Eindruck machen, denn, selbst wenn unter der Hand schon das eine oder andere Ehearrangement beschlossen worden war, konnten sie es nicht riskieren, sich in letzter Minute in ein schlechtes Licht zu rücken.
    Dahinter, mit höflichem Abstand, folgten die Herren. Sie hielten sich an ihren Brandys fest und gratulierten sich heimlich zu den besonders überraschenden Eroberungen.
     
    „Wir könnten genauso gut gleich nach Hause fahren!“, schimpfte Lady Lockworth mit schriller Stimme. Sie hatte beileibe alles unternommen, um Danielle in die Gesellschaft einzuführen, aber das unscheinbare Ding hatte es in der ganzen Zeit und trotz aller Bemühungen nicht geschafft, auch nur einen nennenswerten Verehrer zu finden. So sehr sie das Mädchen auch bedauerte, sie konnte nichts mehr für sie tun. Und dieses Wissen ermüdete sie. In ihrem Alter hatte sie längst das Vergnügen an diesen ausschweifenden Gesellschaften verloren, und nur, weil sie Danielles Familie einen Gefallen schuldig war, hatte sie sich überhaupt einverstanden gezeigt, dem Kind diese Ballsaison zu ermöglichen. Eine weitere würde sich Danielles Familie ohnehin nicht leisten können, und so würde das Mädchen vermutlich ihre Bestimmung in einem Kloster suchen müssen.
    Nun – das Schicksal dieses Kindes sollte nicht länger ihre Sorge sein. Sie wollte nun nach Hause und diese lästige Verpflichtung abschließen – und das am besten, ehe die Kutschen sämtlicher Ballgäste die Straßen Londons verstopfen würden und der Rückweg doppelt solange dauern würde, wie wenn sie sofort aufbrächen. 
    Lady Lockworth glaubte nicht an ein Wunder, welches in den letzten Minuten aus dem hässlichen Entchen einen schönen und begehrenswerten Schwan machen würde.
     
    „Danielle, habt Ihr mich gehört?“, wiederholte sie ihre Frage ungeduldig und zupfte dem Mädchen am Arm.
    Mit einem traurigen Nicken wandte Danielle ihren Blick von den elegant gekleideten Menschen, die in Erwartung des Feuerwerkes in die Dunkelheit der Nacht entschwanden. Keiner der Herren hatte sie aufgefordert, ihn hinauszubegleiten, keiner sah zu ihr hin, als sie allein im riesigen Saal zurückblieb. Es schien niemandem aufzufallen.
    Tapfer presste sie die Lippen aufeinander, bemüht die Tränen zurückzuhalten, die drohten, ihre Augen zu überfluten. 
    „Natürlich, Lady Lockworth. Wir können auch gleich gehen“, stimmte sie der groß gewachsenen, strengen Frau zu, die nach dem Tod ihres Gatten nie ihre Witwentracht abgelegt hatte. Ob die griesgrämige Miene der Baronesse und deren bedrückende schwarze Kleidung womöglich die jungen Herren abgeschreckt hatten, würde Danielle nie herausfinden, denn eine weitere Chance würde sie nicht bekommen.
    Nein, Danielle durfte nicht ungerecht werden. Lady Lockworth hatte sie immer gut behandelt, ihre Einflüsse geltend gemacht, um Danielle in ihre Kreise einzuführen, und sie sogar über die Mittel hinaus, die ihr Vater ihr für diese Saison zugestanden hatte, ausstaffiert.
    Dass Danielle nicht den Geschmack der Herren getroffen hatte, lag wohl eher an ihrem Erscheinungsbild.
    Sie war – Lady Lockworths harsche Worte zitierend – „erschütternd burschikos“.
    Ihr schlanker Wuchs, die beinahe nicht vorhandenen weiblichen Formen und ihre ungewöhnliche Größe, die fast mit der ihrer Brüder mithalten konnte, entsprachen nicht dem, was sich die feinen Herren bei ihrer zukünftigen Ehefrau vorstellten. Da halfen auch ihr offenes Lächeln und ihre großen brauen Augen nichts. Lady Lockworth war sogar soweit gegangen, sie zu bitten, nicht so oft zu lächeln, da sonst jeder sofort bemerken würde, dass ihr Mund für ihr Gesicht ein wenig zu groß geraten war. Einzig ihr goldbraunes Haar hatte ihr Komplimente der Baronesse eingebracht. Doch da es Mode war, dass alle

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