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Tohuwabohu

Tohuwabohu

Titel: Tohuwabohu
Autoren: Tom Sharpe
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sagte er. »Ich möchte alles andere als Ihnen Unannehmlichkeiten bereiten, und außerdem könnten Sie Fingerabdrücke hinterlassen. Sie können sie sich doch von Ihrem Hauspersonal reintragen lassen.«
    Es entstand eine Pause, in der Miss Hazelstone über den Hintersinn seiner Bemerkung nachdachte. »Es hört sich für mich so an, als wollten Sie mir vorschlagen, ich sollte an den Spuren eines Verbrechens herummanipulieren«, sagte sie langsam und drohend. »Es hört sich für mich so an, als versuchten Sie, mich dazu zu verleiten, mich in den Gang der Gerechtigkeit einzumischen.«
    »Madam«, unterbrach sie der Kommandant, »ich versuche lediglich, Ihnen zu helfen, dem Gesetz zu gehorchen.« Er machte eine Pause und suchte nach Worten. »Das Gesetz sagt, daß es ein Verbrechen ist, Nigger außerhalb des Hauses zu erschießen. Aber das Gesetz sagt auch, daß es absolut statthaft und rechtens ist, sie im Haus zu erschießen, wenn sie es unrechtmäßig betreten haben.«
    »Fünfpenny war mein Koch und hatte jedes Recht, das Haus zu betreten.«
    »Tut mir leid, da haben Sie unrecht«, ging der Kommandant dazwischen. »Ihr Haus ist ein weißer Bereich, und kein Kaffer hat das Recht, ohne Erlaubnis einen weißen Bereich zu betreten. Indem Sie Ihren Koch erschießen, verweigern Sie ihm die Erlaubnis, Ihr Haus zu betreten. Ich denke, das kann man getrost so gelten lassen.«
    Am anderen Ende der Leitung war es still. Miss Hazelstone war anscheinend überzeugt.
    »Ich bin in vierzig Minuten da«, fuhr van Heerden fort und setzte hoffnungsvoll hinzu: »Und ich verlasse mich darauf, daß die Leiche ...«
    »Sie sind in fünf Minuten hier, und Fünfpenny wird dort auf dem Rasen liegen, wo ich ihn erschossen habe«, schnauzte Miss Hazelstone und knallte den Hörer auf die Gabel. Der Kommandant sah auf sein Telefon und seufzte. Er legte den Hörer erschöpft auf, drehte sich zu Wachtmeister Els um und befahl seinen Wagen.
    Als sie den Berg hinauf nach Jacaranda Park fuhren, wußte Kommandant van Heerden, daß er es mit einem schwierigen Fall zu tun haben würde. Er musterte Wachtmeister Eisens Hinterkopf und fand in dessen Form und Farbe einigen Trost. Wenn alle Stricke rissen, konnte er immer noch von Els’ großartigem Talent Gebrauch machen, total unfähig zu sein, und wenn trotz aller Mühe Miss Hazelstone weiter darauf bestand, wegen Mordes vor Gericht gestellt zu werden, dann würde sie als Hauptzeugen der Anklage Wachtmeister Els, betütert und bedudelt, gegen sich haben. Wenn gar nichts mehr sie retten konnte, wenn sie sich in offener Verhandlung schuldig bekannte, wenn sie ein Geständnis nach dem anderen unterschrieb, dann würde Wachtmeister Els im Kreuzverhör, ganz gleich, wie blöd sich der Verteidiger auch anstellte, die voreingenommensten Geschworenen oder den allerstursten Richter davon überzeugen, daß Miss Hazelstone ein unschuldiges Opfer polizeilicher Unfähigkeit und hemmungslosen Falschschwörens geworden sei. Es war bekannt, daß der Staatsanwalt einmal Wachtmeister Els im Zeugenstand »das Alibi aus der Wundertüte« genannt hatte.

Kapitel 3
    Diese Gedanken beschäftigten Kommandant van Heerden, als er die Auffahrt von Jacaranda House entlangfuhr. Sie unterbrachen nur kurz das ästhetische Vergnügen, das er stets vor Fossilien des britischen Empire empfand. Denn Jacaranda House war reines Cecil Rhodes und Bischof Colenso. Völlig konfus und mit Stuck über und über verziert, war das massive Bauwerk für die Ewigkeit zusammengeschustert worden. Stilistisch gelang es ihm, Östliches wie Westliches miteinander zu verbinden. In Jacaranda House prallten beide aufeinander. Auf den ersten Blick sah es so aus, als sei Schloß Windsor zur künstlichen Befruchtung des Pavillons in Brighton herangezogen worden, und von seinen mit Zinnen bespickten Giebeln bis zu seiner gekachelten und mit Säulen bestückten Veranda gelang es ihm mit einem wahrhaft englischen Eklektizismus, mehr als nur einen Hauch Durbar einem Gebäude zu verleihen, das seiner Funktion nach so eindrucksvoll wie ein Männerklo war. Wer immer auch Jacaranda House erbaut hatte, er wußte vielleicht nicht und ziemlich sicher absolut nicht, was er tat, aber er mußte schon ein Genie gewesen sein, um nur zu wissen, wie er’s tat. Als das Polizeiauto vorfuhr, wurde das große gotische Eingangsportal von einem indischen Butler mit weißen Handschuhen und einer roten Schärpe um den Bauch geöffnet, der den Kommandanten und seinen Assistenten durch

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