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Tödliches Orakel

Tödliches Orakel

Titel: Tödliches Orakel
Autoren: Tina Sabalat
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nicht.«
    »Kannte sie dich?«, fragte der Mann zurück.
    »Nein. Aber ich hab sie auch nicht bedroht.«
    »Stimmt. Du bist nur bei ihr eingebrochen.«
    »In den Garten«, relativierte Sam mit einem fast entschuldigenden Unterton.
    »Du hast meinen Freund umgebracht. Und in ihren Pool geschmissen!«
    »Und wenn?«
    »Ich bin vielleicht ein Einbrecher, aber du bist ein Mörder.«
    »Man ist kein Mörder, nur weil man jemanden tötet. Manche Menschen haben den Tod verdient.«
    »Tobias nicht«, sagte Sam mit Gewissheit.
    »Das denkst du. Er war ein Erpresser.«
    Sam schüttelte den Kopf, sofort und ohne Zweifel.
    »Nein, das stimmt nicht.«
    Der Mann lachte kalt und knapp. »Sicher war er das. Was glaubst du, woher wir wussten, dass er dieses kleine Gespräch belauscht hat?«
    Sam gab ein knurrendes Geräusch von sich, den Mann musterte ihn aufmerksam und nickte schließlich, als würde er verstehen.
    »Du hast gedacht, er wäre das arme Opfer, oder? Nein, das war er nicht. Er wollte 500.000 Euro für die CD. Dann 600.000. Auch die hätte er haben können. Aber bei 750.000 war dann die Geduld gewisser Herrschaften erschöpft.«
    »Das stimmt nicht. So war er nicht. Einer der Männer hieß wie er!«
    Der Vermummte nickte. »Ja, das ist richtig. Und weißt du was? Die beiden waren sogar verwandt. Entfernt, aber verwandt. Ihm war das scheißegal, ihm ging's nur ums Geld.«
    Sam war nach wie vor ein Abbild reinen Unglaubens, ich dagegen fragte mich, ob es wahr sein konnte. Und ich fand es möglich. 'Wie sind ihm die Mörder auf die Schliche gekommen?', hatten wir uns gefragt, ohne eine Lösung dafür zu finden - hatte Tobias selbst diese Nummer angerufen, die er da abgehört hatte, war auch das erklärt.
    »Du hättest ihn ja nicht gleich erschießen müssen«, sagte Sam jetzt, und der Mann runzelte derart die Stirn, dass man es auch unter der Skimaske sehen konnte.
    Er würdigte diese Bemerkung keiner Antwort, aber es war zu spüren, dass er diese Diskussion nicht weiter führen wollte. Ich zumindest spürte das, doch Sam wäre nicht Sam, wenn er nicht noch eine Frage gehabt hätte.
    »Warum?«
    »Warum was?«
    »Warum willst du Pythia?«
    »Gewisse Leute versprechen sich Hilfe von ihr.«
    »Wer?«
    »Die Männer, die du auf dieser CD gehört hast.«
    »Was hat Pythia mit der CD zu tun?«
    Ich stellte fest, dass ich es nicht mochte, wenn Sam mich so nannte. Wenn er den Titel verwendete, als wäre es mein Name, denn das reduzierte mich auf das Magenschauen, machte es zu meinem Ich, nicht zu meinem Beruf.
    »Nichts. Dass sie dich zu der CD geführt hat, ist der Beweis dafür, dass sie kann, was sie verspricht. Zwei Fliegen mit einer Klappe, so sagt man doch auf Deutsch.«
    »Aha.« Sam kaute auf seiner Unterlippe. »Was sollst du mit ihr machen?«
    »Wir fahren zum Flughafen.«
    »Und dann? Ab nach Weißrussland?«
    »Das Flugziel ist mir nicht bekannt. Ich bin nur der Bote.«
    »Warum machen deine Auftraggeber nicht einfach einen Termin? Sie hat im Januar wieder was frei.«
    »Es geht ihnen um Exklusivität. Und den Wettbewerbsvorteil.«
    »Aha. Warum sollte sie mit dir gehen?«
    »Um dir zu helfen. Das ist doch der Grund, warum du sie aufgesucht hast.«
    Sam stutzte. »Nicht so«, erwiderte er, und in seiner Stimme lag deutlicher Widerwillen.
    »Wenn sie mitkommt«, fuhr der Mann fort, »bist du nicht mehr in Gefahr. Ich soll dir versichern, dass dein Part an der Geschichte erledigt ist, sobald ich mir ihr in diesem Flugzeug sitze. Die Leute, die mich geschickt haben wissen, wo du die Leiche deines Freundes hingebracht hast, man wird sie abholen und sich um ihn kümmern. Du wirst nie wieder von dieser Sache hören.«
    »Nein«, antwortete Sam, und nur er allein wusste, auf was sich das bezog. Aber der Druck auf meine Finger wurde jetzt schmerzhaft fest, und ich ahnte, dass Sam mit diesem kleinen, aber doch so eindeutigen Wort gegen die Ansicht des Fremden protestiert hatte, mich mitzunehmen.
    Mir bedeutete dieses Wort viel, denn ich wusste, dass ich es nicht ertragen würde, zu einem Flughafen zu fahren, ein Flugzeug zu besteigen und mit einem Fremden an einen unbekannten Ort zu fliegen. Schon jetzt stiegen von der schwarzen Angst in meinem Magen kleine Perlen wie Kohlensäurebläschen nach oben und tanzten vor meine Augen, und dabei war ich hier bei Sam. Und keine fünf Kilometer von meinem Haus entfernt, in dem ich Jahre lang gelebt hatte, sicher und allein. Bis Sam gekommen war.
    »Was befürchtest du? Man wird ihr ein

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