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Tod im Frühling

Tod im Frühling

Titel: Tod im Frühling
Autoren: Magdalen Nabb
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Dieser Roman spielt zwar ganz konkret in Florenz und Umgebung alle darin vorkommenden Personen und Ereignisse sind jedoch frei erfunden und jede Ähnlichkeit mit lebenden oder verstorbenen Personen ist rein zufällig .
    1
    » Das ist ja nicht zu fassen! Heu t e ist doch schon der erste März… «
    » Aber es ist so, sieh doch selbst! «
    » Das sind sicher irgendwelche Sa m en im Wind . «
    »Was für ein Wind? Ich sag dir, es ist Schnee! «
    Die gesa m t e Bevölkerung von Florenz hatte sich beim Aufwachen vor Verwunderung und Verwirrung die Augen gerieben. Fensterläden wurden aufgestoßen, und das Phäno m en wurde quer über Höfe und enge Straßen lautstark kom m entie r t .
    »Es schneit! «
    In den letzten fünfzehn Jahren hatte es in der Stadt nur ein einziges Mal geschneit, und das war m i tten im Winter gewesen. Ein eisiger Wind aus der Russischen Steppe war über die italienische Halbinsel gefegt und hatte die Straßen unter einer läh m enden weißen Decke begraben. Aber heu t e war der erste März. Um es noch unglaublicher zu m achen, war es in den letzten zwei Wochen sogar außergewöhnlich warm gewesen, die ersten Touristen – i m m er die Deutschen – schlenderten schon in hellen Kleidern durch die Stadt, und die Frauen boten der fiebrigen Februarsonne ihre fülligen weißen Ar m e dar. Nor m alerweise entledigten sich die F l orentiner ihrer grünen Loden m äntel frühestens E nde April, aber einige hatten sich dies m al täuschen lassen und bereits die ersten Bl u m entöpfe m i t Geranien auf ihre Fensterbretter gestellt. Und an den m ilden Abenden waren schon viele halbgeöffnete Fensterläden zu sehen, und dahinter gelbe Lichtstreifen und die S i lhouetten der Hausbewohner, die das Treiben auf der Piazza beobachteten, als wäre schon So mm er .
    Nur die Winzer und die Getreidebauern in den u m liegenden Hügeln bek l agten sich über das Wetter. Schließlich hätte es zu dieser Jahreszeit regnen sollen. Aber es schneite, und die Menschen hätten nicht ü berraschter sein können, wenn Konfetti vom Himmel herabgerieselt wären .
    Der m orgendliche Stoßverkehr hatte um acht Uhr in einem fahlen, kalten Licht begonnen. Hoch oben in den erleuchteten Wohnungen drückten kleine Kinder ihre Nasen gegen die Fenstersche i ben und wischten Hauchflecken weg oder m alten m i t einem Finger darin heru m .
    Der Him m el war so leer, daß der Schnee scheinbar aus dem Nichts herabfiel. Er erschien plötzlich zwischen den hohen Steingebäuden, in großen nassen Flocken, die auf die Straße schwebten und verschwanden. Auf den Gehsteigen und in den Rinnsteinen, die durch die Dachvorsprünge der Häuser geschützt waren, hinterließen sie nur einen feuchten, gesprenkelten Streifen .
    Die Menschen, die auf d er winzigen Piazza San Felice auf den Bus warteten, stellten m it einem besorgten Blick zum Himmel den Mantelkragen hoch und fragten s i ch, ob sie nicht besser Schal und Handschuhe angezogen hätten. Dabei war es nicht ei n mal kalt! Das ganze war vollkom m en unerklärlich. An der Ecke i h nen gegenüber stand Wacht m eister Guarnaccia von der Carabinieri. Er postierte sich oft dort, wenn er seinen Kaffee in der Bar getrunken hatte. Gleich neben ihm stand eine Gruppe plaudernder Müt t er. Sie hatten gerade ihre Kinder in die Obhut einer Nonne gegeben, die nun ihre Schützlinge in den Kindergarten neben der Kirche führte. Obgleich der Wacht m e ister den Kragen seines schwarzen Unifor mm a n tels m i t einer auto m a t ischen Geste hochstellte, war er der einzige, der nicht auf den Schnee starrte. Seine Auf m erksamkeit galt der Trattoria auf der anderen Straßensei t e. Die La m pen, die in Kugelbünde l n von der Decke hingen, brannten noch, und der Sohn des Besitzers fegte in einer sch m utzigen weißen Schürze lustlos den Boden und starrte m i t leerem Blick hinaus auf das Wetter, nachdem er hi n ter der Glas t ür Sägespäne verstreut hatte. Der Junge war dünn und pickelig und hatte schwarze Haare. Er war erst sechzehn, doch Wachtmeister Guarnaccia hatte ihn sc h on auf der Treppe vor der Kirche Santo Spirito beim Heroinspritzen gesehen. Er hatte bei den Fixern gesessen, die dort im m er hockten, und sich verstohlen u m geblickt, wie es nur die tun, die erst seit kurzem an der Nadel hängen .
    Der Bus der Linie 15 fuhr vor und versperrte dem Wacht m eister die Sicht. Auch im Bus war die Beleuchtung eingeschaltet, und alle Fahrgäs t e starrten h i naus, wie h y pnotisiert von den großen Flocken,

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