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Raylan (German Edition)

Raylan (German Edition)

Titel: Raylan (German Edition)
Autoren: Elmore Leonard
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fragte Pervis, »und gehen Kundenbeschwerden nach? Das kenne ich irgendwie. Dieser Depp von der DEA kommt auch immer mit seinen Anzugschuhen her und bezahlt, bevor er das Dope überhaupt bekommen hat. Viel zu ängstlich, will die Sache schnell überdie Bühne bringen. Als ob er, weil er glaubt, es käme nur Luft, losfurzt und sich dann doch vollscheißt. Ich soll Ihnen also glauben, dass meine Jungs jemanden betrogen haben?«
    Mit unbewegter Miene sagte Raylan: »Ich weiß, dass Sie Ihre Söhne lieben. Hin und wieder bemerken Sie aber sicher selbst, was aus Ihnen geworden ist. Sie haben mich falsch verstanden. Kein Beamter hat den Deal gemacht, sondern ein gesuchter Krimineller. Ich bin mit dem Haftbefehl in der Tasche zu seinem Motelzimmer gefahren.«
    Raylan gab Pervis Zeit, sich dazu zu äußern, aber es kam nichts.
    »Im Zimmer habe ich Angel Arenas gefunden«, sagte Raylan, »ohne seine Nieren.«
    Raylan wartete wieder, während Pervis ihn anstarrte.
    »Nackt in einem Eisbad.«
    Pervis fragte: »Der Junge vermisst seine Nieren?«
    »Später, da lag er schon im Krankenhaus, wurden sie ihm zum Kauf angeboten, für einhunderttausend Dollar.«
    Raylan wartete erneut und sagte dann: »Aber er wird dafür nicht bezahlen müssen.«
    Pervis fragte nicht, warum, er sagte einfach gar nichts.
    Raylan fuhr fort: »Wir, die Marshals, sind jetzt an dem Fall dran. Und wir werden dieses neue Geschäftsmodell unterbinden.«
    »Und Sie sagen mir ins Gesicht«, sagte Pervis, »dass meine Jungs diesen Mann aufgeschnitten und seine Nieren entfernt haben?«
    »Ich glaube, sie hatten jemanden dabei, der wusste, wie man das macht. Und wer auch immer das war«, sagte Raylan, »ich werde ihn finden.«
    Jetzt holte Pervis doch ein Päckchen Camels aus der Hemdtasche, zündete sich eine an und stieß, als müsse er sich beruhigen, eine Rauchfahne aus. Schließlich sagte er: »Also, ich weiß nur, meine Jungs waren’s nicht. Wer hat Ihnen das erzählt?«
    »Der Mann, der darauf wartet, seine Nieren zurückzubekommen«, sagte Raylan.
    »Er hat die Namen meiner Jungs genannt?«
    »Erst wollte er nicht, aber dann schon.«
    »Er hat«, sagte Pervis, »wegen dem geplatzten Deal gelogen. Meine Jungs züchten Hanf, aber sie schneiden niemandem wegen seiner Organe den Körper auf. Noch nicht mal, wenn sie wüssten, wie.«
    »Die schießen doch auch Hasen«, sagte Raylan, »und wissen, wie man denen das Fell abzieht und sie ausnimmt.«
    Seine Geduld mit dem alten Mann ging zu Ende, mit diesem ehemaligen Schmuggler und Dirt-Track-Fahrer, der ihn mit zwischen die Finger geklemmter Zigarette anstarrte. Raylan sagte zu ihm: »Mr. Crowe, bei allem Respekt für Ihre Gefühle, aber ich werde mit Ihren Söhnen reden müssen, gerne auch in Ihrer Gegenwart. Sollten Sie sie nicht dazu bewegen, uns morgen einen Besuch abzustatten, werde ich sie holen kommen.«
    »Ich habe immer geglaubt«, sagte Pervis, »dass wir hier in Sachen Broterwerb gute zwanzig Jahre hinterherhinken. Ich mag es so. Und jetzt erzählen Sie mir, dass wir aufholen und in ein neues Geschäftsfeld vorstoßen, indem wir Körperteile verkaufen.«
    »Sie haben sich mit Ihrem Marihuana-Großhandel schon selbst auf den neuesten Stand gebracht«, sagte Raylan. »Die DEA hält Ihre Söhne übrigens für Hightech-Proleten, die in Cadillacs durch die Gegend fahren und über Handy miteinander sprechen.«
    »Sollten Sie meine Söhne je direkt mit diesen Vorwürfen belästigen«, sagte Pervis und holte unter der Theke eine Flasche Schwarzgebrannten hervor, klaren Whiskey, in dem ein Pfirsich schwamm, »wird das hier zumindest Ihre Schmerzen lindern.«
    Pervis setzte sich den grauen Hut mit der Faltkrempe auf, den er seit Jahrzehnten trug, und ging über den Bohlenweg die fünfzig Meter hinauf zu seinem Haus, einem zweistöckigen weißen Holzhaus, das er neu streichen lassen müsste, es zeigte langsam Witterungsspuren. Er ging ins Badezimmer und pinkelte, schüttelte sich die Tröpfchen vom Schwanz und machte sich wieder auf den Weg, es half ja alles nichts.
    Rita saß im Wohnzimmer auf dem Sofa und sah sich Zeit der Sehnsucht an. Beim Näherkommen fiel ihm auf, dass sie schlief, in ihrer Dienstmädchenuniform, die nackten Beine ragten aus dem Rock, der ihr geradeso über den Hintern reichte.
    Rita war schwarz, so schwarz wie Ebenholz, Mann, Mann, Mann, Pervis hatte in der Schlange der Bewerberinnen für den Job die Königin von Afrika gefunden. Er hatte zu ihr gesagt: »Du willst untertauchen, oder? Du

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