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Rauchsignale

Rauchsignale

Titel: Rauchsignale
Autoren: Ursel Scheffler
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Rauchsignale
    Die Fenster im Revier 47 an der Bussardstraße sind weit geöffnet. Ein heißer Tag: achtunddreißig Grad im Schatten!
    „Affenhitze“, stöhnt Kugelblitz. Er reißt den Hemdkragen auf und wirft seine Krawatte über den Aktenberg mit den ungelösten Fällen. Dann krempelt er die Hemdsärmel hoch. Es nützt alles nichts: Ein Kommissar braucht auch an heißen Tagen einen kühlen Kopf für heiße Fälle. Eine lästige Fliege namens Sissss macht immer wieder Landeversuche auf der obersten Denkfalte seiner Stirn.

    Aber KK lässt sich durch ihr Störmanöver nicht aus der Ruhe bringen.
    Die Tür zum Nebenzimmer steht offen. Dort sitzen seine Assistenten Fritz Pommes, Peter Zwiebel und Sonja Sandmann und arbeiten ebenfalls stumm vor sich hin. Plötzlich stört das Signalhorn der Feuerwehr die Arbeitsruhe.
    „Muss ganz in der Nähe sein!“, sagt Pommes und läuft sofort neugierig zum Fenster: „Da vorne qualmt es! In der Rabenstraße!“

     
    „Schon der dritte Brand in dieser Woche!“, sagt Zwiebel mit einem Blick auf die pechschwarze Rauchwolke, die zwischen den Hausdächern hochsteigt.
    „Würde mich nicht wundern, wenn bei uns bald das Telefon klingelt“, bemerkt Sonja Sandmann.
    „Wie meinen Sie das, Sandmännchen?“, erkundigt sich Kugelblitz, der plötzlich unter der Tür steht.
    „Nun, nach den drei letzten Bränden wurde jeweils ein Einbruch in der Nachbarschaft gemeldet.“
    „Bist du abergläubisch?“, wundert sich Zwiebel.
    „Das nicht, aber ich glaube indiesem Fall nicht an Zufälle ...“ Zehn Minuten später klingelt tatsächlich das Telefon:

    „Einbruch im Computershop ,Soft & Safe’ in der Rabenstraße 4“, meldet Pommes verblüfft. „Mich laust der Affe: Sonja kann hellsehen!“
    „Nenn es doch lieber kriminalistischen Instinkt!“, sagt Sonja und zieht ihre bemerkenswert hübsche Nase kraus. „Wie gesagt: ein Brand und danebenein Einbruch. Und das dreimal hintereinander. Da seh ich doch Rauchsignale!“

    „Erst brennt es neben einem Juwelier, dann neben einer Bank und jetzt neben dem Computershop. Da kann was dran sein“, überlegt Zwiebel.
    „Gut kombiniert“, lobt Kugelblitz seine Assistentin. Und dann schickt er Pommes und Zwiebel zum Tatort: „Sichert die Spuren des Einbruchs und nehmt gleich Verbindung mit der Feuerwehr auf, um herauszufinden, ob es Anhaltspunkte für Brandstiftung gibt.“
    Einige Minuten später sind Pommes und Zwiebel schon in der Rabenstraße 4. Martin Groß, der aufgeregte Geschäftsführer von Soft & Safe versichert, dass Computer und Software im Wert von einer Viertelmillion Mark verschwunden sind.
    „Ich weiß es so genau, weil die Ware erst letzte Woche geliefert wurde und ich gestern die Rechnung bezahlt habe!“

    „Weshalb war niemand im Laden?“, erkundigt sich Zwiebel bei Groß.
    „Ich war in der Mittagspause beim Arzt, und mein Partner Gerd Schütte ist zu einem Computerkurs. Als ich zurückkam, blieb ich noch ein paar Minuten auf der Straße vor meinem Geschäft stehen, um den Löscharbeiten der Feuerwehr zuzusehen. Hätte ja sein können, dass das Feuer auf unser Haus überspringt!“, entschuldigt Groß seine Neugierde. „In der Zeit müssen die Diebe vom Hinterhof aus das Lager ausgeräumt haben.“
    Pommes und Zwiebel sehen sich bedeutungsvoll an.
    „Wieder ein Fall Rauchsignal, was meinst du?“, sagt Zwiebel.
    „Riecht wirklich nach Masche!“, murmelt Pommes.
    Und dann weihen sie Feuerwehrhauptmann Swoboda in ihren Verdacht ein.
    „Ein Brand als Ablenkungsmanöver für einen Einbruch? Das ist ja ein Ding!“, sagt der Feuerwehrhauptmann überrascht.
    „Wir vermuten es!“, sagt Zwiebel.
    „Ein Glück, dass nicht mehr passiert ist. Wir hatten Glück im Unglück, weil uns eine Nachbarin rechtzeitig alarmiert hat“, sagt Swoboda, während seine Leute die Schläuche wieder aufrollen.

    „Sagen Sie uns bitte den Namen der Dame? Vielleicht hat sie etwas beobachtet, was uns weiterhilft“, bittet Pommes und zückt seinen Notizblock.
    „Wenn ich mich recht erinnere, hieß sie Lisa Müller. Ich werde es überprüfen lassen. Wir zeichnen ja alle einlaufenden Gespräche auf Tonband auf“, sagt Swoboda.
    Zwei Tage später ruft Swoboda über Funktelefon bei Kugelblitz an.
    „Wir sind unterwegs zum Einsatz am Hafen. Schuppen 17. Ein Tabaklager brennt! Wenn mich nicht alles täuscht, dann meldete die gleiche Stimme den Brand wie beim letzten Mal! Nannte sich damals Lisa Müller und jetzt Tina Meier. Ist das nicht sehr

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