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GK0188 - Der Hexer mit der Flammenpeitsche

GK0188 - Der Hexer mit der Flammenpeitsche

Titel: GK0188 - Der Hexer mit der Flammenpeitsche
Autoren: Jason Dark
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Ein, zwei Herzschläge lang starrte die Frau unbeweglich auf die grausam zugerichtete Leiche. Dann verzerrte sich ihr Gesicht zu einer Grimasse des Schreckens. Ihr Mund öffnete sich, und noch im selben Atemzug gellte ein markerschütternder Entsetzensschrei auf, der sich schaurig an den kahlen, grün getünchten Wänden brach.
    Dann – und es geschah wie in Zeitlupe – kippte die Frau nach hinten. Steif wie ein Brett fiel sie zu Boden. Ihr Schrei verstummte.
    Der Friedhofsangestellte hörte den harten Aufprall des Körpers, und dieses Geräusch schien ihn aus seiner Starre zu befreien.
    Er begann plötzlich zu zittern. Wie im Schüttelfrost schlugen die Zähne aufeinander. Laut, klappernd. Dann drehte sich der Mann plötzlich auf dem Absatz um, war mit zwei langen Schritten an der Tür, riß sie auf und hetzte schreiend und zitternd über den gefliesten Flur. Er lief den anderen Trauergästen in die Arme.
    Auch sie hatten den Schrei gehört. Die meisten waren beunruhigt. Ein Mann mit einem dunklen Hut packte schließlich zu und rüttelte den Friedhofsangestellten an beiden Schultern. »Was ist denn passiert, zum Teufel?«
    Der Friedhofsangestellte konnte vor Entsetzen keinen Ton hervorbringen. Er war schon älter, dazu dünn wie eine Bohnenstange und ziemlich klein. Er hatte einen gekrümmten Rücken, so daß er immer etwas gebückt ging. Der graue Kittel umflatterte seine magere Gestalt wie eine Fahne den Mast.
    »So reden Sie doch endlich!«
    Der Friedhofsangestellte nickte. »Die – die Leiche«, ächzte er.
    »Sie, sie…«
    Er sprach nicht mehr weiter, denn inzwischen hatten sich sämtliche Trauergäste um ihn versammelt. Eine junge, blonde Frau fiel besonders auf. Sie stach wegen ihrer modischen Trauerkleidung deutlich von den anderen Leuten ab. Auch unter dem Kostüm konnte jeder erkennen, daß sie eine atemberaubende Figur hatte. Das Haar fiel wie reifer Weizen bis auf die Schultern, und der Kopf wurde von einer dunklen kleinen Kappe bedeckt.
    Der Mann, der den Friedhofsangestellten gepackt hielt, verlor die Geduld. »Wenn Sie jetzt nicht sagen, was passiert ist, dann…«
    Die gutaussehende Frau schob den Mann kurzerhand zur Seite. »Darf ich mal?« sagte sie. Ihre Stimme klang nicht laut. Es schwang jedoch ein Unterton darin mit, der den Mann zusammenzucken ließ.
    »Bitte sehr, Miss.«
    Die blonde Frau lächelte. »Danke.«
    Sie faßte den Friedhofsangestellten unter, der an der Wand lehnte und dessen Gesicht die Farbe eines Leichentuchs hatte. Blaß, käsig.
    Die Blonde entnahm ihrer Handtasche ein kleines Fläschchen. Geschickt schraubte sie den Verschluß auf. Die rot lackierten Fingernägel wirkten wie in Blut getaucht.
    »Trinken Sie«, sagte die Frau und hielt dem geschockten Mann die Flasche hin.
    Dankbar nahm dieser einen Schluck.
    Der Whisky rann über seine Lippen, brachte Farbe zurück in das Gesicht. Er setzte die Flasche ab. Seine mageren Finger umklammerten das Gefäß. Die Frau mußte ihm die Flasche aus der Hand winden.
    »So, und jetzt sagen Sie mir bitte, was geschehen ist.«
    Der Mann schluckte. »Ja… Jemand wollte den Verstorbenen noch einmal sehen. Ich hatte nichts dagegen. Der Sargdeckel war noch nicht verschraubt. Ich hob ihn zur Seite – und…«
    »Was und?«
    Der Mann senkte den Blick. »Die Leiche – sie hatte keinen Kopf mehr. Jemand hat ihn abgeschnitten!«
    »Nein!« Eine ältere Frau erlitt einen hysterischen Anfall, als sie die Worte hörte. Schreiend faßte sie sich an den Kopf, schüttelte ihn wild.
    Auch die anderen Trauergäste waren durch die Worte des Friedhofsangestellten geschockt worden. Niemand dachte daran, der Schreienden zu helfen.
    Die Blonde handelte.
    Sie sprang vor und schlug der Frau zweimal mit der flachen Hand ins Gesicht.
    Der Schrei verstummte. Die Gesichtszüge der Frau versteiften zur Maske.
    Die Blondine führte die Frau zu einem Stuhl. »Bitte, setzen Sie sich.«
    Dann ging sie wieder zu dem Friedhofswächter. »Wo steht der Sarg?« erkundigte sie sich.
    »Ich – ich gehe nicht mehr dahin.«
    »Das brauchen Sie auch nicht.«
    Der Mann streckte den Arm aus. »Den Gang hier hoch. Dann die dritte Tür rechts.«
    »Danke.«
    Die Blondine ging los. Verfolgt von den Blicken der Trauergäste. Die Menschen bewunderten die Frau. Sie hätten nie den Mut aufgebracht, so etwas zu tun. Aber niemand wußte, daß diese blonde Frau einen besonderen Beruf hatte.
    Sie war Detektivin.
    Mit vollem Namen hieß sie Jane Collins, stammte aus London, wo sie auch

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