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Montgomery & Stapleton 05 - Das Labor des Teufels

Montgomery & Stapleton 05 - Das Labor des Teufels

Titel: Montgomery & Stapleton 05 - Das Labor des Teufels
Autoren: Robin Cook
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Prolog
     
    D er kalte Nieselregen, der in den frühen Morgenstunden des 2. Februar ohne Pause über New York City niederging, hüllte die Betontürme in einen dichten, rosa-lila Nebel. Bis auf die paar gedämpften Sirenen herrschte Stillstand in der Stadt, die niemals schläft. Doch genau um drei Uhr siebzehn in dieser Nacht passierten auf zwei gegenüberliegenden Seiten des Central Park gleichzeitig zwei ähnliche, voneinander unabhängige mikrokosmische Ereignisse, die aber dennoch, wie sich später herausstellen sollte, schicksalhaft miteinander verbunden waren – eins auf der Zell-, das andere auf der Molekularebene. Obwohl die biologischen Konsequenzen dieser Ereignisse völlig gegenläufig waren, führten sie dazu, dass die Täter – alle einander fremd – in weniger als zwei Monaten eine gewalttätige Begegnung miteinander haben sollten.
    Das Ereignis auf Zellebene vollzog sich in einem Moment intensiver Lust, bei der es um die kraftvolle Injektion von etwas mehr als zweihundertfünfzig Millionen Spermien in ein Scheidengewölbe ging. Wie eifrige Marathonläufer traten die Spermien an, zapften, ohne zu zögern, ihre begrenzten Energievorräte an und begannen ein verzweifeltes Wettrennen gegen den Tod, einen mühsamen und gefährlichen Lauf, den nur eins gewinnen konnte und damit den anderen ein kurzes und deprimierend sinnloses Leben bescherte.
    Die erste Aufgabe bestand darin, den Schleimpfropfen zu durchdringen, der die Gebärmutterhöhle versperrte. Diese gut durchdachte Barrikade überwanden die Spermien mit vereinten Kräften in kurzer Zeit, auch wenn es ein Pyrrhussieg war. Millionen Gameten aus der ersten Welle wurden in einer Art Selbstopfer dahingerafft und gaben die in ihnen enthaltenen Enzyme frei, um den anderen das Durchschlüpfen zu ermöglichen.
    Die nächste Feuerprobe für diese Horde winziger Lebewesen bestand darin, die ziemlich große Gebärmutter zu durchqueren. Ein kleiner Fisch müsste im Verhältnis das Große Barriereriff vor Australien der Länge nach durchschwimmen. Doch selbst dieses scheinbar unüberwindliche Hindernis wurde von ein paar Tausend glücklichen und robusten Spermien überwunden, die schließlich vor den Zugängen zu den Eileitern standen, nachdem sie mehrere hundert Millionen unglückliche Opfer zurückgelassen hatten.
    Doch die Mühsal war noch nicht zu Ende. Sobald diejenigen Spermien, die bis jetzt Glück gehabt hatten, in die welligen Eileiter eingedrungen waren, wurden sie von dem chemischen Reiz der nach unten dringenden Flüssigkeit aus dem geplatzten Eierstockfollikel angespornt. Diese Flüssigkeit wies darauf hin, dass weiter oben, nach weiteren zwölf quälenden und heimtückischen Zentimetern, der Heilige Gral der Spermien lag, ein erst kurz zuvor gesprungenes Ei, das von einer Wolke aus unterstützenden Kumuluszellen umgeben war.
    Immer mehr angespornt von der unwiderstehlichen chemischen Anziehungskraft, schafften die männlichen Gameten das scheinbar Unmögliche und erreichten ihr Ziel. Völlig erschöpft und mit fast vollständig aufgebrauchten Energiereserven, war die Zahl der Glücklichen, die den tödlichen Hindernissen und räuberischen Makrophagen entkommen konnten, bereits auf weniger als hundert geschrumpft, Tendenz immer noch stark fallend. Kopf an Kopf stürzten sich die Überlebenden in einem Endspurt auf die unselige haploide Eizelle.
    Nach der erstaunlichen Zeit von einer Stunde und fünfundzwanzig Minuten schlug der Sieger noch einmal verzweifelt mit seiner Geißel und stieß kopfüber in die die Eizelle umgebenden Kumuluszellen. Fieberhaft bohrte er sich zwischen die Zellen hindurch, um sein Akrosom, die Kopfkappe, in direkten Kontakt mit dem schweren Proteinmantel der Eizelle zu bringen und eine feste Verbindung herzustellen. In diesem Moment war das Rennen vorbei. In einem letzten, tödlichen Akt injizierte dieses Siegerspermium das in ihm enthaltene genetische Material in die Eizelle und bildete somit den männlichen Urzellkern.
    Den anderen sechzehn Spermien, die die Eizelle erst nach dem Sieger erreichten, war der Zugang durch den nun veränderten Proteinmantel verwehrt. Da ihre Energiereserven erschöpft waren, erschlafften ihre Geißeln. Für die zu spät Gekommenen gab es keinen Trostpreis, und bald schon wurden sie von den schützenden Makrophagen eingehüllt und fortgeschafft.
    In der nun befruchteten Eizelle wanderten der weibliche und der männliche Urzellkern aufeinander zu. Zunächst verschmolzen ihre Hüllen, dann das

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