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Pelbar 5 Ein Hinterhalt der Schatten

Pelbar 5 Ein Hinterhalt der Schatten

Titel: Pelbar 5 Ein Hinterhalt der Schatten
Autoren: Paul Williams
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EINS
    Der Abend senkte sich über den Heart-Fluß und die Felsen an seinem Ostufer und stieg langsam die Mauern und Türme der uralten, steinernen Stadt Pelbarigan hinauf, die sich an die Felsen schmiegte und sich über sie erhob; ihr graubrauner Stein paßte sich dem Naturfelsen völlig an.
    Nahe der Stadt mühte sich Stel Westläufer den Felsabhang zu seinem Häuschen hinauf, an der linken Hand einen Verband. Seine sieben Jahre alte Tochter Raydi folgte ihm in kurzem Abstand. Sie warf ihm Kieselsteine auf den Rücken.
    »Hör auf damit, Raydi!«
    »Es sind doch nur Kieselsteine.«
    »Es gehört sich nicht.«
    Raydi kicherte. »Ich will doch nur den Fisch auf deiner Tunika treffen.«
    »He! – Zeig ein bißchen Respekt fürs Familienwap-pen, Göre!« sagte Stel trocken.
    »Was ist los?« rief eine Stimme von oben aus der Dunkelheit. Das war Garet, Stels zwanzigjähriger Sohn, ein Gardist.
    »Hallo Garet. Nichts ist los. Ich bringe nur Raydi nach Hause. Wasch sie! Leg sie ins Bett! Bleibst du zu Hause?«
    »Ich kann nicht. Mutter braucht Hilfe bei den Ausrüstungslisten. Bleibst du nicht hier?«
    »Nein. Wir testen das Boot morgen früh noch einmal.«
    »Was ist los? Kriegt ihr es nicht hin?«
    »Weiß nicht, Gar. Es ist etwas ganz Neues. Da hängt viel dran. Theorie und Ausführung sind zwei Paar Stiefel.«
    Garet machte ein leicht angewidertes Gesicht. »Was hast du mit deiner Hand gemacht?«
    Stel warf einen flüchtigen Blick darauf. »Angesto-
    ßen. Beim Schraubenschneiden. Wir wissen noch nicht so gut über alle die Stähle Bescheid, wie wir sollten, obwohl Eolyn uns so viel sagen kann.«
    Raydi warf wieder einen Stein. »Laß das, du Sau-wanze!« brüllte Garet.
    »Keine solchen Ausdrücke, Garet.« Stel hob das Mädchen auf und zuckte leicht zusammen, als seine verbundene Hand ihr Gewicht zu spüren bekam. Raydi schnitt Garet eine Grimasse, aber der schaute nicht hin.
    »Großer, böser Gardist«, spottete sie.
    »Raydi!« mahnte Stel.
    »Das wird so ein Kind werden, wenn du sie einmal richtig verzogen hast«, meinte Garet.
    Stel schaute seinen Sohn an. »Dein Spott würde schnellstens entfliehen, hättest du wirklich ein Kind zu erziehen«, antwortete er sanft.
    Garet warf die Hände hoch, marschierte den Pfad hinunter und rief über die Schulter zurück: »Es wäre phantastisch, wenn du beim Maschinenbauen so schnell wärst wie beim Reimen.«
    Stel runzelte die Stirn. So dachten sie also. Solche Bemerkungen kamen sicher nicht von Garet allein.
    Sie waren wohl allgemeiner Gesprächsstoff. Nun, er konnte es nicht ändern. Aber war das wohl auch Ahroes Ansicht? Aven wußte, daß er sich um diesen Posten nicht gerissen hatte.
    »Setz mich ab!« verlangte Raydi. »Ich bin doch kein Baby mehr!«
    Als Ahroe endlich sehr spät nach Hause kam, brannte die winzige Türlampe, und der alte Shumai-Hund Ayth wachte geduldig allein bei der schlafenden Raydi. Ahroe ging wieder hinaus auf die Terrasse und schaute hinunter zum Flußufer. Sie konnte den Schein von Laternen sehen. Stel war also noch bei der Arbeit. Morgen früh mußte die Maschine funktionieren. Sie schämte sich immer mehr wegen des Geredes. Sogar die Protektorin von Pelbarigan, Stels Mutter, war verärgert über die Verzögerungen und Fehl-schläge. Von dem Boot hing soviel ab.
    Ahroe ging hinein und schaute nach Raydi. Das Mädchen regte sich. Auf dem Bett neben ihrer Hand lag ein kleiner Haufen Kieselsteine. Ahroe sammelte sie sorgfältig auf.
    Am nächsten Morgen stand sie früh auf, weil sie unbedingt die Probefahrt des Bootes sehen wollte.
    Stel war nicht nach Hause gekommen. Der Versuch sollte eigentlich kein öffentliches Ereignis sein, aber Ahroe wußte, wieviel allgemeine Aufmerksamkeit er in aller Stille auf sich gezogen hatte. Es mußte funktionieren. Sie würde bald aufbrechen. Sie konnte es sich nicht leisten, an einen solchen Versager gebunden zu sein. Ihre Mission war zu wichtig. Ihr Zorn auf Stel war immer größer geworden, während er durch den Winter gestolpert war, probiert, verbessert, versagt und das ganze Ding wieder und immer wieder auseinandergenommen hatte. Sie wußte, daß er mit echten Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, meinte aber doch, er hätte inzwischen eine Lösung finden müssen, nachdem er soviel Unterstützung bekam.
    Schon ging das Gerede über eine Neuwahl los, und Sagan, die Protektorin, war zu kostbar, um sie zu verlieren, nur weil sie die Mutter eines Versagers war.
    Ahroe packte ihre Gedanken und schüttelte sie.

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