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Die Kenlyn-Chroniken 01 - Drachenschiffe ueber Kenlyn

Die Kenlyn-Chroniken 01 - Drachenschiffe ueber Kenlyn

Titel: Die Kenlyn-Chroniken 01 - Drachenschiffe ueber Kenlyn
Autoren: Dane Rahlmeyer
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Die Legende vom Saphirstern
    Lautlos in der Dunkelheit wacht der Saphirstern über unsere Welt. Vor fast tausend Jahren war dieser Stern unsere Heimat und wir lebten dort seit Ewigkeiten in Chaos und Krieg.
    Bis die Sha Yang aus den Weiten des Universums zu uns kamen. Sie einten die zerstrittenen Völker und schufen ein strahlendes Weltreich. Sie wurden unsere Lehrer und Beschützer, und in ihrem Licht gedieh eine Zivilisation der Träume und Wunder.
    Dann erschienen die Schattenkaiser, erfüllt von grenzenlosem Hass auf die Sha Yang. Sie stahlen ihnen ihre Geheimnisse, und um die Sha Yang zu vernichten, schufen sie die schrecklichste aller Waffen: die Plage Rokor.
    Doch Rokor gehorchte den Schattenkaisern nicht. Die Plage wandte sich nicht nur gegen die Sha Yang, sondern begann, alles Leben aus dem Saphirstern zu saugen. Wälder erstarrten zu Stein, die Ozeane kochten und der Himmel verdunkelte sich. Die Welt starb. Millionen Leben wurden ausgelöscht, während Rokor sich wie eine Seuche ausbreitete und Tod und Hoffnungslosigkeit brachte. Selbst die Sha Yang mit all ihren Kräften konnten ihm nicht Einhalt gebieten. Sie starben zu Abertausenden und nur wenige von ihnen blieben übrig.
    Um die Völker des Saphirsterns vor der vollkommenen Vernichtung zu bewahren, öffneten die Sha Yang das Tor zum Rubinstern, einer Welt, unerreichbar für Rokor; einer Welt mit Wüsten aus rotem Sand, wo grausame Stürme herrschten und zwei Monde über dem düsteren Himmel kreisten.
    Wo einst Tod war, brachten die Sha Yang Leben. Sie füllten die Wüsten mit Wasser, färbten das Land grün und den Himmel blau. In den letzten Tagen bevor der Saphirstern starb, führten sie uns durch die Korridore von Raum und Zeit in unsere neue Heimat, die wir Kenlyn nannten, und gaben sie uns als Geschenk.
    Die Tore zum Saphirstern jedoch wurden für alle Zeiten geschlossen. Die wenigen Sha Yang, die noch am Leben waren, zogen sich zurück – und wandelten auf Pfaden, die unseren Augen verborgen blieben.

928 Jahre später



ERSTER TEIL:
NICHTS IST MEHR, WIE ES WAR

1. Die Artefaktjäger
    »Nicht alle Schätze glänzen.«
    – alte Bauernweisheit
    Wo bleibt das verdammte Schiff?
    Endriel Naguun blickte aus dem Bullauge. In über fünfhundert Metern Höhe raste die Kolibri durch den Luftraum der Südlichen Hemisphäre. Graslandschaften, Wälder und Kraterseen rauschten als verschwommener Teppich aus grünen, braunen und blauen Flecken unter dem Drachenschiff dahin. Von Zeit zu Zeit tauchte eine kleine Siedlung auf und war Sekunden später schon wieder verschwunden.
    Die Kolibri hielt Kurs Richtung Osten, der aufgehenden Sonne entgegen. Endriel konnte zusehen, wie die Nacht zu einem hellen, seidigen Blau verblasste. Der Himmel war nur leicht bewölkt, ein heißer Sommertag stand bevor.
    Doch trotz der morgendlichen Idylle – keine Spur von dem anderen Drachenschiff.
    Verdammt! Was hält das Mistding auf?
    Endriel war einundzwanzig Jahre alt, doch sie wirkte jünger. Sie war schlank, relativ klein für einen Menschen, durchtrainiert und geschmeidig. Ihr kastanienbraunes Haar hielt sie im Nacken zusammengebunden, was ihre leicht abstehenden Ohren offenbarte. Unter ihren dünnen Brauen lagen tiefe, braune Augen, die vor Leben sprühten, aber ebenso ihre Umwelt sehr genau beobachteten. Ihre Nase wirkte noch kindlich, ihr Mund war breit, aber hübsch. Selbst wenn sie sich das Wort »Diebin« groß auf die Stirn gemalt hätte – niemand hätte es ihr abgekauft. Endriel wusste, dass dies ein nicht zu unterschätzender Vorteil war.
    Für den anstehenden Beutezug trug sie angemessen praktische Kleidung: eine anthrazitfarbene Hose mit Taschen an den Oberschenkeln, eine alte, ausgebeulte Lederjacke mit einer Kapuze aus schwarzem Stoff und schwere, klobige Stiefel an den Füßen.
    Ihr Blick haftete am Saphirstern, der blass am Horizont schimmerte – ein unscheinbares Lichtlein, das bald erloschen sein würde. Angeblich brachte es Glück, den Stern am Morgen und am Abend des selben Tages zu sehen. Wenn das stimmte, hatte sie die Hälfte ihres Glücks schon sicher in ihrer Tasche. Trotzdem kribbelten ihre Finger vor Aufregung und seit Stunden tanzten Schmetterlinge in ihrem Bauch, die das heraufziehende Abenteuer ankündigten.
    Auch wenn es im Moment so schien, als würde es noch etwas auf sich warten lassen ...
    »Wo bleibt das Schiff?«, flüsterte Nelen ihr ins Ohr. Die kleine Yadi hockte auf ihrem Lieblingsplatz – Endriels rechter Schulter. Sie hatte ihre

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