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Mein total genialer Doppelgaenger laesst nicht locker

Mein total genialer Doppelgaenger laesst nicht locker

Titel: Mein total genialer Doppelgaenger laesst nicht locker
Autoren: M. E. Castle
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ERSTES KAPITEL
    Es ist hart, in der Mittelstufe zu sein.
Man muss auf sich selbst aufpassen.
Oder in meinem Fall auf alle seine »Selbsts«.
    Fisher Bas, Tagebuch
    »Morgen, Fisher!«
    Fisher Bas grinste und winkte Jacob Li zu, dann zuckte er vor Schmerz zusammen. Sein Handgelenk tat mittlerweile richtig weh. Er war einfach nicht im Training, wenn es darum ging, ständig Mitschüler zu begrüßen. Bis vor ungefähr zwei Wochen hatte kaum einer an der Wompalog-Schule seine Existenz auch nur zur Kenntnis genommen – geschweige denn sie gewürdigt. Ein üblicher Montagmorgen begann für ihn damals mit einer mathematischen Analyse der Zierpflanzenpositionen in der Schulaula, um die Wahrscheinlichkeit zu berechnen, entdeckt zu werden, während er von einer zur anderen flitzte.
    Aber in wenigen Tagen kann sich viel ändern.
    Fisher durchquerte die Aula und kam an lauter Plätzen vorbei, die ihn immer an seine vergangenen Leiden erinnern würden. Die ganze Schule bestand daraus, als eine Art Museum seiner erbärmlichen Schülerexistenz. Zuerst kam er am berüchtigten Schließfach Nummer 314 vorbei: Geschlagene vier Schulstunden hatte er darin verbringen müssen, weil er nicht ahnte, dass das Schloss kaputt war, als er sich darin versteckte. Dann kam er an der schäbigen Flügeltür zur Bibliothek vorbei. Er wusste, dass in mindestens der Hälfe der dickeren Bücher dort ein schwacher Abdruck seines Kopfes zu finden war – so oft hatte er sich dicht hinter ihnen verschanzt.

    Als er die Bibliothek hinter sich ließ, sah er eine Reihe metallene Kleiderhaken aus der Wand ragen. Einer davon war nach unten verbogen. Obwohl Fisher ziemlich klein war, wog er doch um einiges mehr als eine Jacke.
    Die Wikinger, die Gang von Schulhofschlägern, die sein Leben zum Albtraum machten, seit sie sich in der vierten Klasse in ungeschlachte Monster verwandelt hatten, hatten ihn dort einmal abgepasst, ihm die Jacke heruntergerissen und sie ihm falsch herum wieder angezogen. Dann hatten sie die Kapuze über sein Gesicht gezogen und ihn damit an dem Kleiderhaken aufgehängt.
    »Sieh an, sieh an. Wen haben wir denn da?«
    Fisher erstarrte vor Schreck. Er drehte sich so rasch um, dass seine Turnschuhe quietschten, als bettelten sie winselnd, Reißaus nehmen zu dürfen. Da waren sie, als hätten seine Gedanken sie heraufbeschworen: die drohend näher rückenden, hässlichen Visagen von Marvin, Kevin und Justin. Den Wikingern.
    Marvin bildete als Anführer der Bande wie immer den Mittelpunkt. Zu seiner Rechten wankte Kevin auf seinen knubbeligen, kurzen Beinen heran und links von Marvin stand Justin mit seinem dämlichen Gesichtsausdruck. Weil er von der Mischpoke mit Abstand der Dümmste war und derjenige, der sich am leichtesten ablenken ließ, schweiften seine Augen schon nach ein paar Sekunden ab.
    »Guten Morgen, Fisher«, sagte Marvin mit dem verschlagensten Grinsen, das Fisher je gesehen hatte. Selbst Alligatoren grinsten mit weniger Heimtücke. Fisher musste es wissen. Sein Vater hielt sich einen zu Hause in seinem Labor.
    »Ähm … hallo«, sagte Fisher und versucht etwas von seiner neugefundenen Courage aufzubringen. Doch leider verkroch die sich scheinbar, wenn er mit den Wikingern konfrontiert war.
    Vor dem TechX -Vorfall * wurde Fisher von den meisten Leuten an der Wompalog-Schule einfach ignoriert. Nur die Wikinger hatten sich die Mühe gemacht, ihn zu beachten – und zu schikanieren. Offenkundig gefiel es ihnen gar nicht, dass Fishers gelungene Flucht aus den Laboratorien der berüchtigten TechX Industries und die Enthüllung ihrer dunklen Geheimnisse ihn praktisch über Nacht zum Helden gemacht hatten.
    Jetzt wurde Fisher von allen beachtet und damit war er kein so leichtes Ziel mehr. Aber auch wenn die Wikinger in letzter Zeit einen Gang runtergeschalten hatten, hieß das noch lange nicht, dass die Gefahr vorüber war.
    »Wir wollen dich nur netterweise an etwas erinnern«, sagte Marvin und rieb sich dabei die schmierigen Hände. »Und zwar daran, dass wir noch da sind.«
    »Im Moment mag ja – hicks – alles ruhig sein«, fuhr Kevin fort, »aber halt besser die Augen offen.«
    »Wir …äh … haben dich im Vistier«, fügte Justin noch hinzu. Marvin drehte sich zu ihm um und warf ihm einen vernichtenden Blick zu. Dann seufzte er frustriert.
    » Visier , Justin!«, verbesserte er Justin. Dann wandte er sich wieder an Fisher. »Und jetzt mach die Fliege, bevor wir noch beschließen, dieses Gespräch etwas persönlicher zu

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