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Lesereise Malediven

Lesereise Malediven

Titel: Lesereise Malediven
Autoren: Stefanie Bisping
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Ringe im Wasser
Schon der Anflug auf die Malediven ist ein Erlebnis. Aber wo kann man hier eigentlich landen?
    Die Flugbegleiter haben die Fensterklappen hochgerissen, ein Frühstück serviert, das mitten in der Nacht nicht wirklich in den Magen passen will, und die halb geleerten Tabletts wieder eingesammelt. Die Füße finden keinen bequemen Platz unterm Sitz des Vordermanns, der Kopf weiß nicht, in welche Richtung er noch sacken kann. Es ist einer der Momente, in denen man sich fragt, welche Torheit einen für zehn Stunden in die Kabine eines Flugzeugs locken konnte. Müsste man nicht längst gelernt haben, die Exotik im Vertrauten zu suchen, Urlaub daheim zu machen? Die Augen schauen lustlos nach draußen. Und bringen den Rest des Körpers schnell in Arbeitsmodus. Da unten schimmern dunkle Ringe unter der Wasseroberfläche des Ozeans. Einige ragen zum Teil aus dem Wasser und bilden weiße, längliche Inseln. Zwischen den kreisförmigen Riffen liegen kleine Flecken Land im Meer. Als das Flugzeug sich leicht zur Seite neigt, ist zu erkennen, dass Ringe und Inseln nebeneinander aufgereiht ein großes Ganzes bilden: ein Atoll aus Miniatur-Atollen. Kameras klicken. Ansonsten ist es ruhig an Bord. Es liegt nicht allein an der allgemeinen Übernächtigung.
    Die Crew bereitet die Landung vor. Tische klappen hoch, Fußstützen weg, Lehnen rücken in senkrechte Position. Unten glitzert das Meer im Sonnenlicht, weiter weg liegen ein paar Inselchen. Nun ist das Wasser ziemlich nahe. Das wirft Fragen auf. Zum Beispiel: Wo soll man hier eigentlich landen?
    Doch der Pilot ist die Sache geschickt angegangen: Vor der Maschine erstreckt sich die Landebahn der Flughafeninsel. Die ist künstlich aufgeschüttet und entsprechend ökonomisch konzipiert: links Meer, rechts Meer, in der Mitte ein Streifen Beton. Hier starten und landen die Maschinen aus Übersee, eine nach der anderen.
    Auch nach der geglückten Landung ist alles anders als in Cancun, Tampa oder Goa. Sitzt der Stempel im Pass und der Koffer auf dem Gepäckwagen, treten die Urlauber nicht ins Terminal, sondern gleich nach draußen. Dort will sie die tropische Hitze trotz des Schatten spendenden Daches aus ihren europäischen Winteroutfits schlagen (eine Erfahrung, die einigen Reisenden die Idee eingeben wird, den Rückflug in den Frankfurter Februarabend zwei Wochen später in Shorts und Flipflops anzutreten). Hinter dem Geländer stehen die Repräsentanten von Reiseveranstaltern und Hotels. Einige unterhalten eigene kleine Buden, an denen sie ihre Gäste erwarten.
    Hinter den Buden liegen ein Sträßchen – die Zufahrt zum Wasserflughafen – und das Meer. Wo in anderen Urlaubsregionen Busse aufgereiht stehen, liegt hier eine blitzweiße Motorjacht neben der anderen. An jedem Anleger prangt der Name eines Resorts. Die Neuankömmlinge schwanken über Stege und sinken in die Sitze. Das Wasser ist klar und leuchtet, als würde hier gerade ein Werbespot für Rum-Cocktails gedreht. Die Urlauber blinzeln ein wenig ungläubig und suchen nach Hüten und Sonnenbrillen. Dicke Strümpfe werden abgestreift und verschwinden in Handtaschen. Schau mal, Helmut, die bunten Fische! Koffer werden verstaut, kaltes Wasser gereicht. Der Motor springt an, das Boot nimmt Fahrt auf. Willkommen im Paradies.

Sternenglanz und weißer Sand
Was macht man eine Woche lang auf einer Insel, die kaum größer ist als ein Fußballfeld? Die Antwort ist einfach: Man ist glücklich
    Der erste Tag: Schuhe aus
    Die Motoren des kleinen Wasserflugzeugs dröhnen. Unten leuchten helle Kreise und winzige Inseln im tiefblauen Wasser. Einige sind üppig grün bewachsen und von weißem Sand gesäumt, andere kaum mehr als schmale Sandbänke im Meer. Barfuß und in Shorts steuern Pilot und Kopilot die Maschine. Hinter ihnen sitzen die Gäste: blasse, müde Ankömmlinge aus Europa in zu warmer Kleidung und allzu schweren Schuhen.
    Sanft setzt das Flugzeug auf dem Wasser auf. Wir stolpern hinaus aufs Landungsfloß und weiter ins traditionelle Dhoni -Boot. Freundliche Menschen reichen duftende, kalte Tücher. Minuten später erreichen wir den Landungssteg von Dhuni Kolhu, einer halbmondförmigen Insel im Baa-Atoll. Zur Begrüßung spielt eine Combo. Ein Pfad aus weißem Sand führt durch den Dschungel des Inselinneren zu unserem Häuschen, das zwischen tropischen Büschen und Kokospalmen am Strand liegt. Es besitzt keinen Fernseher und keine Musikanlage. Dafür befindet sich das ummauerte Bad unter freiem Himmel. Wir

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