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Hexensabbat

Hexensabbat

Titel: Hexensabbat
Autoren: Annegrit Arens
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Wie jeden Morgen …
     
    Anna drehte an dem Ring des Duschkopfs, der harte Strahl verbreiterte sich und sprühte das Wasser weich über ihren Körper. Morgens mochte sie nichts Hartes und nichts Kaltes, es war schon schlimm genug, wenn sie das warme Bett verlassen mußte.
    Manchmal war sie noch voll von einem Traum, sie träumte gern. Dann wachte sie auf und spürte diesen pelzigen Geschmack in ihrem Mund und spürte ihre Haut, die spannte. Sie fühlte sich geknautscht und dumpf. Nach dem Duschen war es dann regelmäßig wie ein kleines Wunder: Ihre Haut weitete sich und wurde wieder rosig, ihre geschwollenen Lider strafften sich, und sie war wieder voll da.
    Anna hielt sich die Handbrause über den Kopf, sie sah das Shampoo und das Wasser an sich abfließen. Es brannte in den Augen, sie hatte wieder den Waschlappen zum Vorhalten vergessen. Von draußen pochte es gegen die beschlagene Plexiglasscheibe. Sie hörte es kaum, die Seifenreste klebten ihr die Ohren zu, und das heiße Wasser prasselte. Sie dehnte sich wohlig. Sie hatte keine Lust, sich zu beeilen.
    »Anna!«
    Diesmal hörte sie ihn deutlich. Es war Till, ihr Mann. Er drängte sie jeden Morgen, sie haßte dieses Pochen und Rufen. Als wenn es auf zwei Minuten ankäme. Hinterher beim Frühstück hatte er Zeit genug. Dann las er die Tageszeitung.
    »Gleich«, brummte sie und schob die Duschtür auf, streckte ihm einen Wuschel nasser Haare entgegen, erkennen konnte sie nichts. Sie streckte einen Arm vor: »Gib mir mal ein Handtuch! Schnell!« Sie kniff die Augen zu.
    Till drückte ihr das Frottiertuch in die Hand. »Es ist nicht zu fassen«, sagte er. »Mußt du dir morgens auch noch die Haare waschen? Du weißt, daß ich zur Arbeit muß.« Till setzte einen Fuß in die Keramikwanne. Der andere Fuß stand noch auf den weißen Bodenkacheln, sein Geschlecht baumelte müde.
    Anna hatte inzwischen die Seifenreste aus ihren Augen gewischt. Sie blinzelte und lachte. »Du siehst komisch aus.«
    Till sah an sich hinab, auf die gespreizten Beine und das, was dazwischen war. »Was erwartest du morgens früh?« fragte er gereizt. »Ich bin kein Bulle.«
    »Nein. Das bist du wirklich nicht.« Annas Kichern verschwand unter dem Badetuch, sie rubbelte sich die Haare trocken.
    »Vielleicht könntest du dich um das Frühstück kümmern.« Diesmal wartete Till nicht auf ihre Antwort, er stellte das Wasser an. Nur ganz kurz heiß und dann lange kalt, bis seine Haut krebsrot war und fast taub. Er genoß diesen Kälteschock, Anna duschte nie kalt. Er hatte sich bemüht, ihr klarzumachen, wie gesund das war, und kostensparend und umweltfreundlich außerdem, vergeblich.
    Als er die Dusche aufschob, sah er Annas Kopf und Brüste im Spiegel. Sie hatte sich vorgebeugt, um ihr Haar kopfüber zu fönen, das gab der Frisur mehr Fülle. Die mittellangen Haare fielen ihr übers Gesicht, darunter wippten die Brüste. Obwohl Anna nie Mutter geworden war, besaß sie die ausgeprägten Vorhöfe und Brustwarzen einer Frau, die ein Kind gestillt hat. Die beiden Kugeln schaukelten sanft unter dem von Haaren zugedeckten Gesicht. Till spürte ein kurzes Zucken zwischen seinen Beinen. Er starrte auf ihren Hintern, ihr Bauch berührte den Beckenrand, ihr Körper wölbte sich sanft vor. Er hätte hinter sie treten können, ganz früher hätte er das getan. Ein Morgenfick, kurz, sehr schön. Er tat nichts dergleichen. Sie waren über zehn Jahre verheiratet.
    »Bist du noch immer nicht fertig?« fragte er.
    »Hast du schlecht geschlafen?« fragte Anna zurück. Sie stellte den Fön ab und warf den Kopf nach hinten, die Haare schwangen mit und gaben ihre Augen frei, die ihn musterten.
    Er war froh, daß sie in dem Spiegelausschnitt nur seinen Oberkörper sehen konnte. Er war noch immer leicht erregt. Er griff nach seinem Bademantel und zog ihn über. »Ich habe nicht schlecht geschlafen«, antwortete er dann. »Ich habe lediglich einen Job. Wann begreifst du das endlich?«
    »Natürlich hast du einen Job.« Anna drehte sich zu ihm um.
    »Leute, die einer geregelten Arbeit nachgehen, tun dies zu festen Zeiten.« Er verknotete den Gürtel des mokkabraunen Bademantels.
    »Manchmal hast du etwas ausgesprochen Patriarchalisches. Ich mache jetzt Frühstück, wenn’s genehm ist.« Anna nahm nun ebenfalls ihren Bademantel vom Türhaken, ihrer hing rechts und seiner links, bei den Handtüchern und bei den Waschlappen hielten sie es genauso.
     
    Sie ging in die Küche. Sie mußte nicht nachdenken bei dem, was sie

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