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Jerry Cotton - 0591 - Flitterwochen mit dem Satan

Jerry Cotton - 0591 - Flitterwochen mit dem Satan

Titel: Jerry Cotton - 0591 - Flitterwochen mit dem Satan
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McKay sah nicht gerade glücklich aus, vor allem nicht so, wie man sich den Bräutigam des Jahres am Vorabend seiner Hochzeit vorstellt. Vielleicht trauerte er seiner glanzvollen Junggesellenzeit nach, vielleicht wollte er nur ein paar Stunden allein sein, um danach der Turbulenz des großen Ereignisses um so besser gewachsen zu sein.
    Ich zuckte mit den Schultern. Was ging mich Dean McKay an? Er gehörte zu einer anderen Welt.
    In diesem Augenblick rollte ein verschmutzter, burgunderroter 64er Pontiac an den Bürgersteigrand. Der Wagen stoppte vor McKay. Der Fahrer steckte seinen Kopf durch das herabgekurbelte Fenster. Er trug eine Sonnenbrille und einen Hut, genau wie McKay, aber er war ein paar Jahre älter und sah nicht so aus, als hätte er jemals eine Chance gehabt, sich mit einem McKay auf der gleichen gesellschaftlichen Ebene zu treffen.
    »Feuer, Cum?« fragte er.
    McKay lächelte und holte ein goldenes Feuerzeug aus der Tasche. Er gab dem Fahrer Feuer. Meine Augen wurden schmal. Das Gesicht des Fahrers kam mir bekannt vor. Irgendwo hatte ich es schon einmal gesehen, und zwar auf einem Foto unserer Karteikarten.
    Noch während ich mir den Kopf darüber zerbrach, wer der Fahrer war, bemerkte ich, daß er von McKay etwas in Empfang nahm.
    Wenn ich mich nicht täuschte, handelte es sich um einen weißen zusammengelegten Briefumschlag. Er leuchtete kurz wie ein Signal in der Hand des Fahrers auf. Dann fuhr der Pontiac davon. Ich prägte mir dessen Nummer ein. McKay machte kehrt und marschierte die Straße hinab.
    Ich unterdrückte den Impuls, ihm zu folgen. Das Ganze ging mich nichts an. Ich hatte an meinem freien Abend Besseres zu tun, als Privatdetektiv zu spielen. Ich stoppte vor einem Automaten für Erfrischungsgetränke. Als ich mir eine Flasche herausholen wollte, entdeckte ich das Schild mit dem Aufdruck: Empty. Der Automat war leer.
    Das Schild wirkte wie ein Auslöser. Mir fiel plötzlich der Name des Pontiacfahrers ein. Er hieß Fred Emptywood.
    Emptywood! Jetzt bereute ich es, Dean McKay nicht gefolgt zu sein. Was konnte der Bräutigam des Jahres, Sproß einer reichen und geachteten Familie, mit einem Gangster von Emptywoods Kaliber zu schaffen haben?
    Ohne sonderliche Mühe klaubte ich aus meinem Gedächtnis Emptywoods düstere Daten zusammen. Er mußte Mitte Vierzig sein und war der Sohn eines illegalen Whiskybrenners aus Chicago. Jugendstrafanstalt wegen Teilnahme an einem bewaffneten Raubüberfall, später Gefängnis aus dem gleichen Grund.
    Vor einigen Jahren war er zu der Cornell-Gang gestoßen, einem jungen, sehr aktiven Syndikat, das sich darauf spezialisiert hatte, gewisse »Marktlücken« aufzuspüren. Es operierte geschickt zwischen den Interessenbereichen der »Großen« und baute sich langsam ein eigenes Imperium auf.
    Das Syndikat versuchte vornehmlich in die Werbebranche mit ihren Milliardenumsätzen und ihren hochbezahlten Fotomodellen einzudringen sowie in den üppig wuchernden Immobilienmarkt.
    Die Cornell-Gang wäre kein modernes Syndikat gewesen, wenn sie ihre Tätigkeit nicht mit dem Aushängeschild einer legalen Tätigkeit getarnt hätte. Andy Cornell betrieb in der Varrick Street eine Werbeagentur.
    Ich trabte zu meinem Jaguar, den ich in der Nähe des Kinos geparkt hatte, und setzte mich hinein. Ich rief das District Office an und gab die Nummer des Pontiac durch. »Lassen Sie bitte den Namen des Besitzers feststellen«, sagte ich.
    Zwei Minuten später hatte ich die gewünschte Auskunft. Der Wageneigentümer hieß Earl Bedford. Er war Zahntechniker und wohnte in der Court Street, Brooklyn. Ich rief ihn an.
    Er lag im Bett, mit einem gebrochenen Bein, schon seit einer Woche. Nein, er hatte seinen Wagen nicht verliehen. Ich legte auf, ohne langatmige Erklärungen abzugeben. Emptywood hatte den Wagen also gestohlen. Mir war klar, daß er damit ein Ding zu drehen beabsichtigte. Ich rief die Kollegen von der City Police an und teilte ihnen meine Beobachtung mit.
    Dann fuhr ich los. Ein paar Häuserblocks von dem Kino entfernt scherte vor mir ein Wagen aus und ordnete sich in den fließenden Verkehr ein. Ich lenkte den Jaguar in die Parklücke, weil ich durstig war und in der Nähe ein nettes Lokal kannte. In diesem Augenblick sah ich Fred Emptywood zum zweitenmal.
    Er hatte die Sonnenbrille abgenommen und war zu Fuß unterwegs. Emptywood pfiff leise vor sich hin und machte den Eindruck eines Mannes, der mit sich und der Welt zufrieden war.
    Ich ließ ihn Vorbeigehen und stieg dann

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