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Im Bann seiner Macht (German Edition)

Im Bann seiner Macht (German Edition)

Titel: Im Bann seiner Macht (German Edition)
Autoren: Sabine Berger
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Prolog
     
     
    Silke bearbeitete gerade die blassrote Biotomate mit ihren Zähnen, als sich die Hä r chen auf ihrem Unterarm ohne erkennbaren Grund aufrichteten. Überrascht blic k te sie auf und sah nach allen Seiten, doch sie konnte nichts Ungewöhnliches e r kennen. Bis auf ein paar Blätter vielleicht, die sich am Rande der Lichtung ung e wöhnlich heftig bewegten. Bei genauerer Betrachtung bemerkte sie allerdings, dass diese Bewegung völlig geräuschlos und auf einen Teil des Gebüschs beschränkt war. Es gab keinen Wind und Tiere waren auch nicht zu sehen. Partielle Bewegung ohne das geringste Rascheln? Das war dann doch ein wenig seltsam. Rundum schien alles völlig normal, aber in einem Abschnitt von vielleicht fünf mal fünf M e tern spielte das Unterholz definitiv verrückt. Es war wohl mehr Instinkt, als das Erkennen von Gefahr, warum Silke au f stand und ein paar Schritte auf Abstand ging. Das Phänomen machte sie durchaus neugierig, aber sie wollte auch nicht ri s kieren unter die Hufe eines Wildschweins zu geraten. Es war Mitte April und die kle i nen Frischlinge kamen zumeist zwischen März und Mai zur Welt. Mit einer wild gewordenen Bache wollte sie sich aber nicht unbedingt anlegen. Selbst als gut tra i nierte Sportlerin hätte sie solch einem Biest nicht davo n laufen können.
                  Je länger sie aber überlegte, desto eher konnte sie ein Tier ausschließen. Ab e i ner gewissen Größe waren diese Viecher nicht völlig geräuschlos. Und da war noch e t was, das Silke immer mehr davon überzeugte, es mit keinem Wildschwein zutun zu haben: Die Luft begann sich in dem Abschnitt zu verändern, schimmerte eige n tümlich und veränderte sogar die Farben der Blä t ter. Das Schauspiel wurde immer intensiver und vollkommen bizarr. Silkes Mund stand vor Staunen offen, ihre Handflächen begannen zu schwitzen und die Gänsehaut auf ihren Armen verstär k te sich, als die Blätter in sattem Rosa au f leuchteten, blau wurden und dann wieder zu Grün wechselten. Wie paralysiert stand sie da und kon n te nicht glauben, was da vor sich ging. Die Wanderstrecke zur Weichtalalm kannte sie wie ihre Westent a sche. Auf dieser kleinen Lichtung am Rande der Baumgrenze hatte sie wohl schon dutzendmal ihr Käsebrot mit Biotomaten genascht. Aber in all den Jahren hatte sie ein solches Naturschauspiel noch nicht erlebt. Als würden Luftschichten brechen und sich wieder zusammenschieben, Verzerrungen hervorrufen und nebenbei sel t same Farben produzieren. Die Ene r gie, die von diesem Platz ausging, war auf ihrer Haut zu spüren, fühlte sich elektrisch an und warm. Silke machte einen weiteren Schritt zurück. Allmählich wurde ihr richtig unheimlich, obwohl das Ereignis schön anzusehen war. Noch ein Schritt, ehe es einen leisen Knall gab und alles wi e der normal war. Silke blieb stehen. Die Büsche bewegten sich nicht mehr, die Farben waren wie zuvor, die Konturen nicht mehr verzerrt. Als wäre nie etwas Ungewöhnl i ches passiert! Die ganze Zeit hatte dieses Phänomen kein einziges Geräusch veru r sacht, doch zum Schluss war es wie eine große, schillernde Seifenblase zerplatzt.
                  Silkes Herz klopfte wie verrückt und sie getraute sich nicht gleich näher zu kommen. Das Unterholz sah so aus wie zuvor, doch der plötzliche Duft, der nun von dieser Stelle zu ihr herüber wehte, hatte eine so ungewöhnlich interessante N o te, dass sie nicht nur wie ve r rückt schnupperte, sondern auch den ersten Schritt vorwärts wagte. Was, wenn das Militär hier irgendeinen obskuren Versuch macht? Silke war ein kleiner Umweltfreak, aß so gut wie kein Fleisch und stand auf dive r sen Listen von Hilfsorganisationen. Dazu spend e te sie regelmäßig und sammelte im Wald den Müll zusammen. Sie sah es als ihre Pflicht an, nachzusehen, ob hier g e rade eine Umweltsünde passierte. Vielleicht hockte ja sogar ein schießwütiger So l dat hinterm Gebüsch oder es war plötzlich alles verstrahlt oder sonst wie gesch ä digt. Sicherheitshalber schnappte sie sich i h ren Rucksack und hielt ihn wie eine Waffe in der Hand. Er war bereits bis zur Hälfte mit Müll gefüllt und ein wenig schwerer, als bei ihrem Aufbruch. Vielleicht wäre ein Ast besser g e wesen, doch sie wollte keinen suchen. Ihre Neugier war bereits zu groß und das Bedürfnis, nach dem Rechten zu sehen, dringlich. Noch ein Schritt, dann war sie an der Stelle, wo das betörende Aroma nach Leder, Rauch und einem Duft, der ihr

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