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Ghouls in Manhattan

Ghouls in Manhattan

Titel: Ghouls in Manhattan
Autoren: Jason Dark
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Der Wind kam von Osten. Über den East River fuhr er und fiel wie ein zuschnappendes Raubtier ein in die Straßen der South Bronx. Er fegte durch die Gassen des Elends, wirbelte Staubfahnen hoch, Papier und Abfall. In den Häuserschluchten fing er sich, in abgerissenen oder halb zerstörten Gebäuden, wo die leeren Fensterhöhlen wie die herausgerissenen Augen eines Ungeheuers wirkten.
    Heiß war der Wind. Heiß und schwül. New York stöhnte unter der Hitze, sie war allgegenwärtig und erinnerte manchmal an einen gewaltigen Schwamm, der sich über die Menschen gelegt hatte und sie einfach leer saugte.
    Die Reichen hatten ihre Apartments und Wohnungen nicht umsonst mit Klimaanlagen ausgestattet. Sie saßen dort im Kühlen oder fuhren an den Strand von Long Island, wo sich das Klima noch einigermaßen ertragen ließ.
    Aber die anderen, die Armen, die mußten in ihren Löchern sitzen und die Hitze ertragen. Jedes Grad steigerte die Emotionen. Da wurde der Haß noch mehr angeheizt, da gab es wegen einer Nichtigkeit die größten Streitigkeiten, da blitzten die Messerklingen oder krachten Revolver.
    Die Slums in der South Bronx oder an der East Side verwandelten sich in Hexenkessel.
    Es gab Verletzte, es gab Tote. Die Polizei hatte Großeinsatz, aber auch sie konnte nichts machen. Manchmal faßte sie einen Gangster, doch es war nicht mehr als der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein. In New York wuchsen die Killer nach. Manche lebten wie die Maden im Speck.
    Da waren die großen Bosse, die es überall gab. Schon ein kleiner Straßengang-Führer konnte sich als König fühlen, wenn er sich in seinem Reich bewegte. Da war er der King, wenigstens entlang der Häuserzeile, doch eine Straße weiter herrschte ein anderer.
    Darüber standen dann die härteren, die Kings des Viertels. Sie verließen sich nicht nur auf die Messer oder Schlagstöcke, sie schossen bereits.
    Ihren Weg nach oben zeichneten Tote und Verletzte. Und der Moloch New York hatte für jeden Platz. Wenn Manhattan unter der Sonne kochte und die Emotionen ins Unermeßliche stiegen, dann hatten die Killer, Dealer und Mugger Saison.
    Auch in der South Bronx!
    Dort befand sich das schlimmste Elendsviertel der Millionenstadt. Kaum ein Haus sah aus wie früher. Die meisten waren leer, ausgebrannt, mit beschmierten Fassaden, ohne Dächer, aber als Unterschlupf für die kleinen Street Gangs ausgezeichnet.
    Meist lagen die Straßen leer. Autowracks zierten sie. Mülltonnen waren umgekippt. Ihr Inhalt vermischte sich mit dem Schutt verfallener Bauten.
    Manchmal erinnerte die South Bronx an die gespenstische Kulisse eines Science-fiction-Films.
    Polizei gab es kaum. Und wenn, dann fuhren die Beamten nur in Zweierstreifen durch das Viertel. Sie mußten immer damit rechnen, von einer Kugel aus dem Hinterhalt getroffen zu werden. Es waren die Meilen des Elends, des Terrors, der Gewalt.
    Wenn die Hitze besonders drückte, dann blieben die Menschen zu Hause. Auch Killer, Diebe und Mörder hockten in ihren Löchern und trauten sich kaum hervor, denn jeder Schritt, jede Bewegung bedeutete Arbeit. Und so etwas haßten sie.
    Jeder Tag hatte einen Abend. Wenn die Dämmerung kam, dann erwachten sie. Dann kamen sie aus ihren Löchern, und die sonst so tote South Bronx begann plötzlich zu leben.
    Am Tage konnte man den Eindruck haben, daß es überhaupt keine Elektrizität gab, um so mehr mußte sich ein Fremder wundern, daß mit Beginn der Dämmerung Leuchtreklamen zu sehen waren. Es gab Lokale in der South Bronx.
    Ein Normalbürger würde sich hüten, die Dinger zu betreten, und auch bei erlebnishungrigen Touristen hatte es sich inzwischen herumgesprochen, daß man die South Bronx am besten mied. So waren und blieben Totschläger, Dealer, Killer und Süchtige unter sich. Und wenn sich doch mal einer verirrte, wurde er ausgenommen und konnte von Glück sagen, wenn ihm nicht irgendeiner eine Kugel in den Kopf jagte oder die Kehle durchschnitt.
    Die Bar, in der um punkt 21 Uhr das Licht angeknipst wurde, lag an der Ecke. Das Haus darüber war seltsamerweise nicht zerstört worden.
    Sogar Fensterscheiben gab es. Sechs Stockwerke hoch. Das hatte seinen Grund, denn einige Bosse brauchten Quartiere, um mit ihren Mädchen hin und wieder zu verschwinden. Keine der Street Gangs hätte es gewagt, sich mit den Bossen anzulegen oder eine Scheibe einzuwerfen. Dieses Haus war für sie tabu. Der Wirt, ein ehemaliger Zuchthäusler aus St. Quentin, hieß Red Head Jackson. Er stammte aus Irland,

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