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Eine Leiche zu Ferragosto

Eine Leiche zu Ferragosto

Titel: Eine Leiche zu Ferragosto
Autoren: Diana Fiammetta Lama
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Spurensicherung zu ihnen hinauf. Kurz darauf traf die Hundestaffel ein. Nelly dachte, dass Diavolo es durchaus mit ihr aufnehmen könnte. Womöglich hätte er sie alle in die Tasche gesteckt. Derweil raunte das teuflische Stimmchen ihr zu: Schwachsinn. Sucht ihr nur. Der Kopf ist nicht hier. Die Köpfe behält er nämlich.
    Er!! O Himmel, jetzt errate ich sogar das Geschlecht der Mörder. Allerdings, um eine Leiche hier raufzuschleppen … »Und außerdem sind fast alle Serienmörder männlich.«
    Den letzten Teil des Gedankens hatte sie laut ausgesprochen. Marco sah sie verblüfft an. »Männlich, weiß, zwischen zwanzig und fünfzig Jahre alt und in unserem Fall kräftig gebaut. Wir wissen doch, wie’s im amerikanischen Film zugeht, was? Aber stell dir vor, neuesten Untersuchungen zufolge soll Jack the Ripper eine Frau gewesen sein!«
    Um dem vernichtenden Blick des Vizekommissars zu entgehen, wandte sich Nelly Dottor Parodi zu, der neben der Toten hockte.
    »Genau wie die von gestern, Himmel noch eins, hier geht’s ja zu wie in der Französischen Revolution, ob das was mit der Hitze zu tun hat? Diese hier ist ebenfalls vor wenigen Stunden gestorben. Meiner Meinung nach ist sie lebend enthauptet worden. Saubere Arbeit, ausgeführt von jemandem, der sich mit Anatomie einigermaßen auskennt. Ist Nardini mit dem gestrigen Befund schon fertig?«
    »Wir warten noch auf die Ergebnisse der toxikologischen Untersuchung. Es wurden weder Traumata noch Verletzungen festgestellt, und wenn sie, wie auch Nardini glaubt, lebend geköpft wurde, muss sie vorher vergiftet oder unter Drogen gesetzt worden sein.«
    Wie eine Fata Morgana erschien Laurenti in ecrufarbenem Leinen mit hellblauer Krawatte am Ort des Verbrechens und war inzwischen weniger verärgert als erstaunt und fasziniert. Die Sache nahm eine unerwartete Wendung. Noch eine, und auf die gleiche Weise? Vielleicht könnte das Ganze doch noch interessant werden und ihm zu gewisser Berühmtheit verhelfen? DennRuhm, das war in der Branche allgemein bekannt, ließ den jungen Staatsanwalt einfach nicht kalt.
    Die Hitze war noch unerträglicher als in den Tagen zuvor. Die Luft war tropisch. Nelly überlegte, dass man ziemlich durchgeknallt sein musste, um den für diese Verbrechen erforderlichen Aufwand gleich an zwei Tagen hintereinander zu betreiben. Der Mörder musste eine unglaubliche Energie und Entschlossenheit haben. Und die Sache sorgfältig und von langer Hand vorbereitet haben. Oder gab es zwischen den Opfern einen Zusammenhang, und die Zuhälter unterschiedlicher Ethnien begannen sich zu bekriegen? War das vielleicht Madame Claires Antwort an den vermeintlichen Mörder ihrer Nichte? Der Gedanke traf Nelly wie ein Blitz.
    »Marco, wir müssen sofort mit Fattori sprechen. Und dann mit Madame Claire«, sagte sie zu ihrem Vize. Er nickte wortlos. Schweigend gingen sie zu Nellys Auto und fuhren Richtung Polizeipräsidium davon.

Informationen zum Buch
    Als unter den Algen am Strand von Pioppica eine halb verweste Frauenleiche hervorgezogen wird, weiß Maresciallo Santomauro, dass es mit der gemächlichen Ruhe dieses Sommers vorbei ist. Die gezielt verstümmelte Tote ist kaum zu identifizieren, und auch sonst fehlt jede Spur, die diesen Namen verdient hätte. Also bleibt Santomauro nichts anderes übrig, als eine in Zeiten von Profilern und Gentechnik recht ungewöhnliche Taktik zu verfolgen: Zwischen Strandpromenade, Piazza und den Sommervillen der reichen Städter, beim einhundertundzwei Jahre alten Tankwart, dem marokkanischen Sonnenbrillenverkäufer und der geschwätzigen Friseurin sammelt er hier einen Hinweis, dort ein Gerücht, da ein kurioses Detail. So bröckelt langsam die Fassade der netten Ferienclique und es wird klar, dass jeder der „Freunde“ des Opfers einen triftigen Grund gehabt hätte, ihrem verfrühten Ableben etwas nachzuhelfen.
    Vor der atemberaubenden Kulisse der süditalienischen Cilento-Küste seziert Diana Lama genüsslich, elegant und mit Witz einen Mikrokosmos menschlicher Unzulänglichkeiten.

Fußnoten
    Freitag, 10. August
     1
Ein oder mehrere Urheber einer spektakulären und bis heute unaufgeklärten Serie von acht Doppelmorden in der Provinz Florenz zwischen 1968 und 1985. Die Pärchen wurden in ihren Fahrzeugen erschossen oder erstochen und die weiblichen Opfer grausam verstümmelt.
    Samstag, 11. August
     1
Fravicino bezeichnet im cilentanischen Dialekt ein niedriges, nachlässig aufgeschichtetes und wackeliges

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