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Das Vermächtnis des Rings

Das Vermächtnis des Rings

Titel: Das Vermächtnis des Rings
Autoren: Stefan Bauer
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    V ORWORT
     
     
     
    Nach dem HERRN DER RINGE war die Welt der Fantasy nicht mehr dieselben schrieb ich vor etwa fünf Jahren auf dem Klappentext zum Vorgängerband dieser Anthologie: DIE ERBEN DES RINGS, herausgegeben von Martin H. Greenberg. In jenem Band verbeugten sich zahlreiche anglo-amerikanische Autorinnen und Autoren vor dem großen Erzähler. Doch nicht nur im englischsprachigen Raum hat Tolkien seine Spuren hinterlassen, auch die deutsche Fantasy-Landschaft wurde und wird von ihm geprägt.
    Auf die ein oder andere Weise kommt niemand, der sich mit dem Genre beschäftigt, an dem Namen Tolkien vorbei. Er hat ein Standardwerk geschaffen, das nach wie vor Maßstäbe setzt. Als Fantasy-Autor schreibt man entweder ›wie Tolkien‹ oder ›anders als Tolkien‹ – was an sich noch keine Wertung beinhaltet, aber zeigt, dass man sich dem Vergleich einfach nicht entziehen kann. Und ist es verwunderlich? Findet man in Tolkiens Werk doch beinahe alles, was das Bild der Fantasy in diesem Jahrhundert geprägt hat: von Zauberern, Elfen, Zwergen und Drachen über keltische Mythen und Legenden bis hin zu epischen Schlachtengemälden und anderen genretypischen Motiven und Themen wie zum Beispiel die Queste, die Frage nach der Natur von Gut und Böse, nach Freundschaft und Edelmut.
    Dies sind auch die Themen, die die Autoren dieses Bandes aufgreifen. Es sind überwiegend junge Talente, und auch sie sind auf die ein oder andere Weise von Tolkien geprägt oder beeinflusst worden – nicht unbedingt nur vom KLEINEN HOBBIT und dem HERRN DER RINGE. Auch die Abenteuer des BAUERN GILES VON HAM und die NOTION CLUB PAPERS über die versunkene Welt Numenor aus den nachgelassenen Schriften haben ihre Fantasie angeregt. Der aufmerksame Leser wird die unterschiedlichsten Anspielungen auf Tolkiens Werk finden, oft mit einem Augenzwinkern angebracht, aber immer voller Respekt. Man muss die Werke Tolkiens jedoch nicht kennen, um Gefallen an den Geschichten zu finden. Es sind, und das sei hier betont, vollkommen eigenständige Erzählungen, für die letztendlich gilt, was Jane Jolen schon im Vorwort zu den ERBEN DES RINGS sagte: Wir wollten ›die Art von Geschichten produzieren, denen Tolkien selbst zugetan gewesen wäre und an denen er seine Freude gehabt hätte‹.
    In diesem Sinne wünsche ich viel Vergnügen mit dem VERMÄCHTNIS DES RINGS.
     
    Stefan Bauer
    Bergisch Gladbach, März 2001



K ERSTIN G IER
     
    J EREMY O HNELAND UND DER D RACHE
     
     
     
    In den alten Zeiten, als Brunnen und Bäume noch sprechen konnten (im Grunde tun sie das auch heute noch, allerdings nicht mit jedem), in jenen guten alten Zeiten also gehörte zu beinahe jedem Königreich ein Drache. Das war keineswegs immer so gewesen.
    Die Drachen hausten schon seit Ewigkeiten in den Bergen, wo sie, da sie wenig gesellig waren, jeder für sich unvorstellbar große Reichtümer in Höhlen anhäuften. (Den größten Teil des Jahres verbrachten sie mit Schlafen, manchmal verschliefen sie sogar mehrere Jahre, ohne auch nur ein einziges Mal mit dem Schwanz zu zucken.) Es soll aber Zeiten gegeben haben, in denen es mehr Drachen als Menschen gab und die Drachen ebenfalls in den grünen Ebenen wohnten. Und so gab es eine recht lange währende Epoche, in der Drachen und Menschen einander im Weg waren und ziemlich oft aneinander gerieten. Aus dieser Zeit stammen die meisten Geschichten und Lieder über Drachen, die ganze Dörfer niederbrannten, jährlich ihren Tribut an Blut und Jungfrauen forderten und ihrerseits von mutigen Drachentötern, tapferen Rittern mit flinken Schwertern, attackiert wurden.
    Drachen sind mächtige, kluge, in der Regel äußerst hinterhältige Wesen, und wenn man bedenkt, dass sie um vieles größer sind als Menschen, dazu die Fähigkeit besitzen, Feuer zu speien und zu fliegen, so muss man die Tapferkeit und Geschicklichkeit der Drachentöter aus jener Zeit wirklich bewundern. Die dichte, schimmernde Schuppenschicht, die einen Drachenleib bedeckt wie eine von Zwergenhand geschmiedete Rüstung, ist selbst für ein scharfes Schwert nur äußerst schwer zu durchdringen, und der Rat, das goldgelbe, listig funkelnde Drachenauge zu durchbohren, ist leichter erteilt als befolgt, denn so ein Drachenkopf ist äußerst beweglich und meist ein paar Meter höher als die Schwertspitze. Dass es den Rittern trotzdem des Öfteren gelang, im Kampf Mann gegen Drachen die Oberhand zu gewinnen, grenzt an ein Wunder.
    Nun muss man fairerweise sagen, dass Drachen

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