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Eine Leiche zu Ferragosto

Eine Leiche zu Ferragosto

Titel: Eine Leiche zu Ferragosto
Autoren: Diana Fiammetta Lama
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    Donnerstag, 9. August
    Maresciallo Simone Santomauro gehörte zu denjenigen, die an diesem Donnerstag Anfang August auf einer der Bänke der Piazzetta die nachmittägliche Brise genossen. Als er die aufgeregten Stimmen am Strand hörte, legte er das Buch, in dem er gelesen hatte, beiseite, stellte sein Glas Mandelmilch ab und trat ans Geländer. Zehn Sekunden später war er schon die kleine Treppe hinuntergehechtet und näherte sich mit umsichtigen, aber entschlossenen Schritten, bei denen seine nackten Füße im verdorrten Algenteppich versanken, dem Grüppchen um den übelriechenden Haufen.
    »Bitte nichts anfassen. Lassen Sie alles so, wie es ist.«
    »Wer sind denn Sie?«, fragte ein muskulöser Mann in Trägerhemd.
    »Maresciallo Santomauro. Carabiniere«, erwiderte er knapp und kurzerhand darüber hinwegsehend, dass er in T-Shirt und Badehose nicht unbedingt auf Anhieb als Vertreter der Staatsgewalt zu erkennen war. Im Übrigen war dies sein erster freier Tag seit Wochen und angesichts dessen, was da unter den Algen zum Vorschein kam, wohl auch erst mal sein letzter.
    »Wer von Ihnen hat die Leiche gefunden?«
    Die Menschen wichen auseinander und bildeten einen Kreis um die Leiche und den Mann im Trägerhemd, als wollten sie die gegenseitige Zugehörigkeit demonstrieren.
    »Ich habe sie gefunden, Di Gregorio Giuseppe, genannt Peppenuzzo. Ich bin der Baggerführer.« Und er trat stolz einen Schritt vor, als sichere ihm der Umstand, die Leiche ausgegraben zu haben, besondere Rechte an dem verfaulenden Schatz in seinem Rücken.
    »Gut, dann halten Sie sich hier zu meiner Verfügung undpassen auf, dass niemand näher kommt. Die anderen können gehen«, sagte Santomauro an die Schaulustigen gewandt, die in der Zwischenzeit immer zahlreicher geworden waren, »es sei denn, jemand hat eine Aussage zu machen. Hier gibt es absolut nichts zu sehen.«
    Widerwillig und mit schlurfenden Schritten löste die Menge sich langsam auf, während Peppenuzzo, die Arme vor der haarigen Brust verschränkt, wie eingepflockt neben der Leiche Wache hielt, mit der zufriedenen Miene dessen, dem man seine wohlverdienten Rechte zugestanden hat. Santomauro eilte wieder die Stufen hinauf und rief von einem der Münztelefone auf der Piazzetta das zuständige Carabinieri-Revier an.
    Für eine eigene Wache war das Dörfchen Pioppica Sotto, das nur im Sommer von Urlaubern bevölkert wurde, zu klein und gehörte daher zu dem wenige Kilometer entfernten Pioppica Sopra, von dem es, wie die Namen Unter- und Oberpioppica schon besagten, bis vor kurzem ein Ortsteil gewesen war. Seit undenklichen Zeiten standen die beiden Ortschaften in erbittertem Wettstreit, und wo die Oberpioppicaner die größere Altstadt und mehr ständige Einwohner für sich verbuchen konnten, brüsteten sich die Unterpioppicaner mit der größeren Grundfläche, auf der es nicht nur zahlreiche schöne Ferienvillen gab, sondern auch einige illustre Sommergäste, die seit Jahrzehnten dieses winzige Fleckchen im süditalienischen Cilento zu ihrem Feriendomizil erklärt hatten.
    Die Carabinieri jedoch waren über jedes lokalpatriotische Schachern erhaben. Dank der Regel, dass Carabinieri stets fern ihrer Heimatstadt eingesetzt werden, zählte Santomauro eine bunte Mischung aus allen möglichen Regionen Italiens zu seinem Trupp. Trotzdem war Kampanien gut vertreten, nicht zuletzt durch ihn.
    Es war schon eine Weile her, dass der Maresciallo als Erster am Fundort einer Leiche eingetroffen war. Um den Tod festzustellen – reine Formsache, aber unabdingbar –, musste er unter den Schaulustigen am Geländer nur den örtlichen Arzt ausfindig machen; danach blieb ihm nichts weiter übrig, als zuwarten. Zuerst würden seine Männer kommen, dann das Einsatzkommando der Carabinieri aus dem nächstgrößeren Vallo della Lucania, schließlich der Rechtsmediziner, der in der Gegend Urlaub machte und nicht mehr Eile als nötig an den Tag legen würde. Der Staatsanwalt, ebenfalls aus Vallo, bemühte sich in den Sommermonaten für Todesfälle normalerweise gar nicht erst her, da es sich fast immer um Ertrunkene handelte.
    Dieser Fall lag allerdings anders.
    Peppenuzzo war noch auf seinem Posten, die Leiche ebenso. Santomauro ging in die Hocke und dankte innerlich dem Himmel, dass er keine besseren Sachen als seine Badehose und ein altes Poloshirt anhatte. Der Verwesungsgeruch schien in tausend kleinen Tröpfchen von der Leiche aufzusteigen und sich in Kleidern und Haaren, auf Händen und Zunge

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