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Die Kinder des Saturn

Die Kinder des Saturn

Titel: Die Kinder des Saturn
Autoren: Stross Charles
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eingekapselten Zelle hinter sich und sieht sich um.
    »Gefahr! Aktiver Replikator!« Schlagartig richten alle Drohnen, die in den Trümmern des Ganges umherschwirren, ihre Geschütze auf die Tür in meinem Rücken. »Vernichten und ausräuchern!«
    »Wartet!«, brülle ich in Elektrosprache. »Er ist kein …«
    Alles ringsum flammt violett-weiß auf.

epilog aufbruch zu den sternen
    ICH BIN INNERLICH ZERBROCHEN und zugleich unversehrt und veröffentliche das hier in Fortsetzungen – schreibe es in Worten nieder, als einen Brief -, weil ich euch nicht unmittelbar meinen Erfahrungen und den damit verbundenen Emotionen aussetzen möchte. Außerdem ist der Ort, zu dem ich fliege, sowieso viel zu weit entfernt, als dass ich euch von dort aus einen Seelenchip schicken könnte. Und Bandbreite ist hier so rar, dass es unerschwinglich teuer wäre, euch eine derart komplexe audio-visuelle Aufzeichnung zu übermitteln. Dennoch müsst ihr erfahren, was passiert ist – als Warnung, damit ihr euch in Acht nehmt. Aber es wäre falsch, euch das alles durchleben zu lassen, Schwestern.
    Eine der wichtigsten Lektionen, die mich das Leben gelehrt hat, lautet: Mit den eigenen Wünschen sollte man vorsichtig umgehen. Ich habe Reginald um etwas gebeten, und er hat meinen Wunsch erfüllt. Es ist nicht viel, was ich von ihm verlangt habe: nur dass er meine Informationen an Daks weiterleiten sollte, der sich zu diesem Zeitpunkt bereits in Heinleingrad aufhielt, zusammen mit einer ganzen Schiffsladung von Soldaten der Behörde zur Unterdrückung der Replikation.
    Granita – Juliette – wurde offiziell für tot erklärt. Stone, seine drei Brüder und Juliettes Leibgarde aus Soldaten mit Scherenhänden sind gemeinsam mit ihr bei einem kurzen blutigen Feuergefecht gefallen, bei dem ein Flügel des Heinlein Excelsior zerstört wurde. Was es noch sonderbarer erscheinen lässt, dass Juliette sich bester Gesundheit erfreut und wieder für die Firma Jeeves arbeitet,
wo man ihr all ihre Sünden anscheinend vergeben hat. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob es tatsächlich dieselbe Juliette ist. Offenbar sind jede Menge Kopien ihres Seelenchips in Umlauf. Mir kommt dabei der Gedanke, dass Agenten wohl gar nicht umhin kommen, sich mit überzeugenden Legenden, einem Wust von plausiblen Ausflüchten und nützlichen Idioten wie meiner Wenigkeit zu tarnen, wenn sie den Geheimdienst einer wahnsinnigen, bösen Meisterverbrecherin wie Rhea erfolgreich infiltrieren wollen. Aber ich werde bei Jeeves nicht nachhaken. Das wäre zu demütigend, um es in Worte zu fassen.
    Was die Soldaten der Behörde zur Unterdrückung der Replikation mit Petruchio gemacht haben, gilt offiziell als »bedauerliches Versehen«. Und wer weiß, vielleicht war es das sogar. Die Soldaten haben eingegriffen, um eine Auktion zu unterbinden, bei der es nicht um gewöhnliches Pink Goo ging, sondern um einen echten, wenn auch künstlich hergestellten Schöpfer, also eine Waffe zur Beherrschung der Massen. Und Pete hat stets so überzeugend gewirkt, dass er sogar Juliette bei ihrer ersten Begegnung täuschen konnte. Es wäre töricht, von diesen auf Kampf gedrillten Trägern automatischer Waffen mehr als von Juliette zu erwarten.
    Selbstverständlich tut Daks die Sache aufrichtig leid. Wehe, wenn es anders wäre. Falls Daks Juliette gegenüber nicht angemessene Zerknirschung zeigt, wird sie ihm schon Bescheid stoßen, da bin ich mir sicher. Uns allen tut die Sache sehr leid, auch wenn sie uns natürlich in unterschiedlicher Weise berührt.
    Der schwer zu fassende Dr. Sleepless, Dreh- und Angelpunkt des ganzen kriminellen Replikationsprogramms, ist spurlos verschwunden. Vermutlich befand er sich überhaupt nie auf Eris. Es ist sogar vorstellbar, dass die Vorführung des »Schöpfers« von vornherein ein ausgemachter Schwindel war, weil das Sleepless-Kartell es zwar geschafft hat, einen Affen zu entwickeln, aber noch meilenweit davon entfernt ist, einen menschlichen Säugling aufzuziehen und zu sozialisieren. Bleibt zu hoffen, dass die heftige Reaktion auf die geplante Auktion diese Leute dazu gebracht hat, noch einmal darüber nachzudenken, ob es wirklich weise ist,
solche gefährlichen Geister der Vergangenheit erneut zum Leben zu erwecken und auf das innere System loszulassen.
    Rhea, meine wahnsinnige, kannibalische Mutter, ist wahrscheinlich nicht tot, aber eindeutig verschwunden. Genau wie die Ikarus , was nicht nur ärgerlich, sondern auch höchst beunruhigend ist. Bei der

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