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Komisch - die Liebe

Komisch - die Liebe

Titel: Komisch - die Liebe
Autoren: Andrea Manni
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A dele kochte Kaffee. Ich stand unter der Dusche. Adele ist zweiunddreißig. Sie ist schön, gut gebaut, nett, intelligent und
     in mich verliebt. Ich nicht in sie. Vielleicht bin ich gewissenlos. Vielleicht bin ich ein Dummkopf. Vielleicht.
    Vielleicht ist es auch nur, dass ich nicht in sie verliebt bin. Adele ist nicht froh darüber. Seit über einem Monat spielt
     sie Gummiband. Macht sich dünne und kommt zurück.
    Ich halte mich da raus. Ich war offen zu ihr, ehrlich. Aber sie schafft es nicht, mich endgültig in die Wüste zu schicken.
     Abends steht sie manchmal weinend unten an der Sprechanlage, und dann lasse ich sie heraufkommen. Wir reden und reden und
     reden und irgendwann, keine Ahnung, wie, liegen wir einander doch wieder in den Armen.
    Adele ist ein Orkan. Ein Sturm in der Wüste, der dir den Sand überallhin bläst. Sie fährt bis in die kleinste Ritze. Brutal
     und sanft zugleich. Adele.
    Morgens kocht sie dann immer Kaffee, während ich dusche. Im Bademantel komme ich in die Küche, und jedes Mal sieht sie mich
     böse an. Sie mustert mich mit großen Augen und sagt jedes Mal, dass es das letzte Mal war. Jedes Mal trinkt sie ihren Kaffee
     und schmettert die Tasse gegen die Spüle und sagt, dass meine Wohnung nach nassem Hund stinkt. Dann geht sie und knallt die
     Tür hinter sich zu.
    Am Anfang hat es mir etwas ausgemacht. Jetzt sammle ich nur noch die Reste der Tasse ein, trinke meinen Kaffeeund gehe ins Bad, um mich zu rasieren. Zum Glück erklingt aus dem Radio
El Negro Zumbon
als Remake von Pink Martini. Das Porzellanservice meiner Mutter aus Limoges hat schon herbe Verluste erlitten, weshalb ich
     es irgendwann in einer Schublade versteckt habe. Die Ikea-Tässchen sind auch nicht schlecht und außerdem viel, viel billiger.
    Adele gefällt mir, aber ich möchte keine feste Beziehung. Weder mit ihr noch mit einer anderen Frau. Das habe ich ihr erklärt,
     wieder und wieder, aber sie will es einfach nicht akzeptieren. Es kommt häufig vor, dass meine Freundinnen mich zum Teufel
     schicken. Nach kurzer Zeit wollen sie alles oder nichts. So sind Frauen nun mal.
    Ich bin rastlos, schon immer gewesen. Diese Unrast lässt sich nicht an der Leine führen. Sie entscheidet allein. Als sei sie
     kein Teil von mir. Sie ist autonom.
    Das ist es: Ich bin ihre Geisel.
    Ich bin eine Geisel der Autonomie der Unrast.
    Und es stimmt, meine Wohnung stinkt nach nassem Hund.

I ch wohne in einem ziemlich netten Viertel, nicht ganz zentral, aber auch nicht außerhalb. Ich muss nur den Tiber überqueren
     und dann noch ein bisschen laufen, und schon bin ich mitten im Herzen der Stadt. Mit dem Roller brauche ich fünf Minuten.
     Ich wohne in Testaccio. Die Straße, in der ich ihrem Blick begegnet bin, gehe ich jeden Tag entlang. Aber die Tage sind eben
     nicht alle gleich.
    Dieser eine war ein wirklich außergewöhnlicher Tag.
    Heute staut sich der Verkehr in beiden Richtungen. Selbst die Fußgänger sind stehen geblieben. Alle schauen auf einen bestimmten
     Punkt. Also schaue ich auch. Eine riesige Silbermöwe hält eine tote, aber noch blutende Taube im Schnabel. Eine schön fette
     Taube. Eins von diesen bescheuerten Viechern, die sich mitten auf der Straße überfahren lassen. Die Möwe versucht, mit der
     Taube im Schnabel loszufliegen, aber die Last ist zu schwer. Also läuft sie. Sie hüpft ein paar Meter hin und her, aber keine
     Chance.
    Dieser Anblick erschüttert mein Herz. Hässlich. Brutal. Ein kleiner Menschenauflauf hat sich gebildet, und ein paar Autofahrer,
     die nicht sehen, was los ist, hupen wie wild. Alle anderen sind von dem grausigen Anblick überwältigt und schockiert. Das
     ist fast besser als Privatfernsehen.
Come Fly With Me
von Sinatra würde gut dazu passen.
    Mit einer letzten Anstrengung erhebt sich die Möwe in die Luft und flattert mit ihrem scheußlichen Mahl im Schnabel davon.
     Der Verkehr fließt wieder, und die Leutegehen weiter, als sei nichts gewesen. Ich bin Teil der Masse und laufe auch weiter.
    Rom ist eine Stadt auf der Kippe zwischen Gut und Böse, die Hauptstadt eines Landes, in dem alles erlaubt ist. Die Möwe frisst
     die Taube. Nebelkrähen fressen Spatzen. Jeder frisst jeden.
    Um die Ecke steht mein Motorino. Seit über zwei Jahren schließe ich es immer an demselben Pfosten an. Jetzt liegt es halb
     umgekippt auf dem Boden, nur das Schloss hält es noch in einem prekären Gleichgewicht. Die Hecktür eines Umzugswagens hat
     sich an die Stelle der Windschutzscheibe

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