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Der Wunsch des Re

Der Wunsch des Re

Titel: Der Wunsch des Re
Autoren: Anke Dietrich
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dem Fleisch von Rindern, Gazellen und Lämmern herein. Schalen mit Fleisch- und Gemüseragouts wurden bereitgestellt, Körbe voller Brot und Gebäck. Junge Mädchen trugen auf ihren Köpfen brechend volle Schalen mit saftigen hellen und dunklen Trauben, mit Granatäpfeln und Feigen, Melonenstückchen und Datteln, während ihre männlichen Kollegen gekühlte rote und weiße Weine und das allzeit beliebte Bier in großen bauchigen Krügen hereinschleppten.
    Satra lief das Wasser im Mund zusammen beim Geruch und dem Anblick der leckeren Speisen. Sie stand noch immer mit dem Rücken an die Wand gedrückt und beobachtete das rege Treiben aus staunenden Augen.
    Warum bin ich eigentlich hier?, schoss es ihr mit einem Mal durch den Kopf.
    Sie warf einen verstohlenen Blick hinüber zum königlichen Podest, wo sie Amunhotep in einem Gespräch mit einer sehr hübschen jungen Frau vertieft sah, einer Prinzessin, wie sie vermutete, die sowohl kemitische als auch fremdländische Züge aufwies. Sie trug edelstes Leinen, das so hauchdünn war, dass es von ihren Körperformen mehr zeigte als verbarg. Verführerisch stachen ihre rot gefärbten Brustwarzen unter dem ansonsten makellos weißen Leinen hervor; ihre Haut schimmerte samtig braun. Auf dem Kopf trug sie eine in viele Zöpfe geflochtene Perücke, die von einem wunderschönen goldenen Stirnreif gehalten wurde. Ihre Augen waren grün und schwarz geschminkt, und der Mund leuchtete in einem dunklen Rot.
    Sie ist wirklich schön, stellte Satra neidlos fest, obwohl ihre Nase etwas zu groß geraten ist für ihr ansonsten puppenhaftes Gesicht.
    Die Prinzessin lachte gerade über eine Bemerkung des Oberpriesters und hielt sich dabei verschämt die Hand vor den Mund, während sie Amunhotep mit dem Fliegenwedel in ihrer anderen kokett drohte. Das Blitzen ihrer Augen sprach dagegen eine ganz andere Sprache.
    Was ist das denn für eine?, durchfuhr es die Dienerin. Tut wie ein Rühr-mich-nicht-an und würde Amunhotep am liebsten gleich dort oben auf dem Podest vernaschen, stellte sie mit der für Frauen typischen Beobachtungsgabe fest.
    Ihr Blick wanderte weiter zum Herrscher, der zwischen dem Oberpriester und seiner Großen Königlichen Gemahlin saß. Sie hatte ihn bisher nur ein Mal gesehen, und das auch nur kurz, als sie ihm im thebanischen Tempel des Amun gegenübergetreten war.
    Er war noch recht jung. Sie schätzte ihn auf Ende zwanzig. Seine markanten, gebieterischen Gesichtszüge wurden durch eine etwas zu große Nase dominiert, die zudem wie der Schnabel eines Raubvogels gebogen war. Dennoch stellte er eine imposante Erscheinung dar, auch wenn er für Satras Geschmack etwas zu hager war. Er beugte sich gerade seiner Königin zu, die unbestreitbar wunderschön war und es mit der Prinzessin spielend aufnehmen konnte.
    Es gab noch zwei weitere Personen neben dem Pharao, eine ältere Frau, vor der sich alle ehrfürchtig verneigten, und einen gut aussehenden Mann Mitte dreißig, der mit Ramses eine gewisse Ähnlichkeit aufwies, aber bedeutend besser aussah.
    Das muss Prinz Sethi sein!, durchfuhr es Satra Sie hatte von ihm schon gehört, vor allem von seinen vielen Frauengeschichten.
    Die weibliche Dienerschaft des Tempels war vor der Ankunft des königlichen Gefolges in heller Aufregung gewesen, ob der jüngere Bruder des verstorbenen Königs wohl auch im Gefolge sei. Es war allgemein bekannt, dass keine Frau dem Prinzen widerstehen konnte und dieser nicht sehr wählerisch war in Bezug auf Rang oder Stellung seiner Bettgespielinnen.
    Satra betrachtete ihn und musste zugeben, dass er wirklich anziehend und attraktiv aussah und selbst Amunhotep das Wasser reichen konnte.
    »He, was stehst du hier so untätig rum und glotzt?«, fuhr sie ein junger Mann in der Kleidung eines königlichen Dieners an. »Hast du nichts zu tun?«
    Satra schüttelte den Kopf. »Nein, ich bin mit meinem Herrn da.«
    »Mit deinem Herrn?« Unverständnis malte sich in das Gesicht des Mannes, wechselte aber sofort in grenzenlose Empörung. »Und was hast du dann hier im Saal verloren? Ich glaube kaum, dass Seine Majestät dich zu diesem Fest eingeladen hat«, fauchte er. »Also schere dich hinaus vor die Tür, wo alle Diener auf ihre Herrschaften warten!«
    »Nun ja«, konterte Satra, »in gewisser Weise hat mich Seine Majestät doch eingeladen.«
    »
Was!
« Der junge Mann riss die Augen auf. Empört schnappte er nach Luft. »Willst du mich veralbern? Das soll wohl ein Scherz sein. Mache sofort, dass du aus dem

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