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Der Traum des Satyrs

Der Traum des Satyrs

Titel: Der Traum des Satyrs
Autoren: Elizabeth Amber
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auf das Weingut mitgebracht hatte. Sogar jetzt bewegten die geschmeidigen schwarzen Tiere sich direkt hinter ihrem Ehemann entlang der Bäume und knurrten, als wollten sie Emma vor seiner Ankunft warnen.
    »Liber, Ceres – geht!«, befahl sie leise. Beim Klang ihrer Stimme hob Carlo den Kopf, und seine Augen wurden schmal, als er sie ansah, während sie in der Tür zu ihrem Haus stand.
    Die hoffnungsvolle Erregung, die sie sonst immer bei seinem Anblick verspürt hatte, blieb dieses Mal aus. Doch auch heute Nacht hatte sie auf ihn gewartet, so unruhig wie immer und halb fürchtend, er würde nicht kommen. Doch nun, da er hier war, mischte sich Angst in ihre Erleichterung. Es war eine seltsame Reaktion, und nur er und sie selbst kannten den Grund dafür.
    Carlo trat aus den Schatten des späten Nachmittags heraus neben sie unter den Säulenvorbau des Kutschenhäuschens, das an das großzügige
castello
ihrer Schwester angrenzte und zu ihrer Hochzeit in ein Heim für sie beide umgebaut worden war. Doch während Emma hier wohnte, war ihr Ehemann im ganzen Jahr ihrer Ehe nur zwölf Mal hier gewesen. Einmal im Monat, pünktlich wie ein Uhrwerk, war er gekommen, um mit ihr zu schlafen. So, wie er es auch heute Nacht tun würde.
    Ihre Blicke trafen sich – ihrer wachsam aus hellbraunen, seiner jungenhaft und selbstsicher aus blauen Augen. Sein Lächeln war warm, unecht, vertraut. Furcht einflößend.
    »Du hast mir gefehlt«, sagte er und wollte sie an sich ziehen.
    Ach, er dachte also, sie beide würden den Schein wahren?
    Sie entzog sich ihm. »Fass mich nicht an!«, ermahnte sie ihn kühl. »Nicht mehr als notwendig. Später.«
    Er heuchelte Erstaunen. »Was ist das denn? Wo bleibt der gewohnt liebevolle Empfang? Oder wünschst du, dass ich wieder gehe? Soll ich?« Er drehte sich auf dem Absatz um, als wollte er sich davonmachen.
    »Nein!« Hastig trat sie einen Schritt hervor und legte ihm eine Hand auf den Arm, um ihn zurückzuhalten.
    Er feixte. »Dachte ich es mir doch!« Er ließ seine Tasche auf die Veranda fallen, schlang einen Arm um sie und drückte sie so fest an sich, dass sie die Härte der Waffe an seiner Hüfte fühlte.
    Er fuhr mit der Hand durch ihr Haar, drückte ihre weiche Wange an den rauhen Stoff seiner Uniform, und sie atmete den eigentümlichen Duft dieser anderen Welt ein, in der er lebte. Jener Welt, in die sie nicht mit hinübergehen konnte. Jener Welt, die sie normalerweise hasste, weil sie ihn von ihr fernhielt.
    Nun jedoch konnte sie kaum den nächsten Morgen erwarten, bis er wieder dorthin zurückkehren würde.
    »Nicht.« Sie schob die Ellbogen vor sich und versuchte, ihn von sich wegzuschubsen.
    Sein Griff wurde fester, und sie zuckte zusammen, als sich die Perlenstickerei am Rücken ihres Kleides schmerzhaft in ihre Haut drückte.
    »Ich wollte dir nicht weh tun, Emma«, murmelte er, ohne sie loszulassen. Sein Atem streifte kühl ihren Nacken. »Kannst du es nicht dabei bewenden lassen?«
    Bei seinen Worten flackerte ein Hoffnungsschimmer in ihr auf. Hatte es sich nur um eine einmalige Verfehlung gehandelt, als er sie letzten Monat misshandelte? Würde sein Aufenthalt hier, fern vom Krieg in der Anderwelt, einen Neubeginn für ihre Ehe bedeuten? Sie unterdrückte die – törichte – Hoffnung, die ihr Herz, nur ein klein wenig, erhellte.
    Carlo wich etwas zurück und blickte zufrieden auf ihren geschwollenen Leib.
    »Du bist im Laufe des Monats fett geworden«, neckte er sie.
    »Und wessen Schuld ist das?«, erwiderte sie und versuchte, ebenso unbeschwert zu klingen wie er.
    Ein seltsamer Ausdruck huschte über sein Gesicht, verschwand jedoch, bevor sie ihn deuten konnte.
    »Wohl meine, denke ich. Aber die Schwangerschaft bekommt dir gut.« Und wieder zeigte er sein gewohntes Lächeln, das ihn so trügerisch anziehend machte und das sie dazu verleitet hatte, ihn zu heiraten.
    »Hast du deiner Schwester davon erzählt?«, erkundigte er sich.
    »Nein, Jane hat meinen Zustand auch so bemerkt.«
    Mit einer Geste, die ihr über die letzten vier Wochen zur Gewohnheit geworden war, fuhr sie mit einer Hand sachte über ihren gerundeten Bauch. Er war innerhalb eines einzigen Monats so gewachsen, der üblichen Schwangerschaftsdauer für ein Kind von Satyrblut. Allerdings war die Wölbung bei ihr nur halb so groß wie bei ihrer Schwester oder ihren beiden Tanten zum Zeitpunkt der Geburt.
    »Sie hat prophezeit, dass unser erstes Kind eher klein sein wird.«
    »Du missverstehst mich«, sagte

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