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Der Traum des Satyrs

Der Traum des Satyrs

Titel: Der Traum des Satyrs
Autoren: Elizabeth Amber
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Carlo. »Ich wollte wissen, ob du ihr erzählt hast, was zwischen uns vorgefallen ist.«
    Emma hob eine Augenbraue. »Du meinst die Tatsache, dass ich nicht schwanger werden wollte und du darauf beharrt hast?«, fragte sie. Sie weigerte sich, so zu tun, als wäre es irgendwie anders gewesen. »In diesem Fall lautet die Antwort nein. Ich sah wenig Sinn darin. Allerdings solltest du dir darüber im Klaren sein, dass ich nicht dulden werde, dass du noch einmal so brutal bist.«
    »Brutal? Nun komm aber, du übertreibst! Du weißt doch, wie mir das Blut bei Vollmond vor Erregung in den Adern kocht!« Er zog sie wieder an sich, legte seine Stirn an ihre und drängte sie mit einem Blick seiner bezaubernden Augen, ihm zu vergeben.
    Sie starrte ihn nur an und war aufs Neue erstaunt, wie er sich einfach weigern konnte, einzugestehen, dass es für das, was er getan hatte, keine Entschuldigung gab.
    »Es ist unnatürlich für eine Frau, dem Bemühen ihres Ehemannes, Nachkommen zu zeugen, entgegenzuwirken. Warum hast du das getan, Emma? Warum wolltest du mein Kind nicht?«
    Weil mich dieses Kind für immer an dich fesselt. Weil es dann schwieriger ist, dich zu verlassen.
Ungewohnter Zorn stieg in ihr auf, doch sie unterdrückte ihn.
Bring einfach diese Nacht hinter dich!,
ermahnte sie sich selbst.
Morgen ist noch Zeit genug für offene Worte.
    Ein Ausruf des Entzückens ließ sie beide herumfahren. Emmas ältere Halbschwester Jane hatte in die Eingangshalle gespäht und sie beide entdeckt.
    Carlo richtete sich auf und zog Emma in seinen Arm. Tat so, als wäre alles in Ordnung.
    »Endlich bist du zurück, Carlo, wie wundervoll!«, rief Jane. »Ich hole die anderen.«
    »Tu das! Ich habe Neuigkeiten von der Lage auf der anderen Seite.« Carlo warf einen Blick über seine Schulter durch die offene Eingangstür. Die Luft wirbelte auf, als Jane mit flatternden Röcken davoneilte, und für einen Moment flackerte das Kerzenlicht in den Wandleuchtern auf und beleuchtete seinen Hals. Dort zogen sich tiefe Kratzer über Haut und Muskeln, reichten über sein Schlüsselbein und noch tiefer bis dorthin, wo die Uniform seine Haut verbarg.
    »Du bist verletzt!«, stieß Emma hervor und streckte impulsiv eine Hand aus, um seine Schrammen zu untersuchen.
    »Schhh!« Carlo packte sie bei der Hand und schob sie abweisend von sich. Von einem Augenblick zum anderen hatte seine Stimmung sich verändert und ihn in das Monster verwandelt, das sie nur ein Mal zuvor erblickt hatte: vor einem Monat.
    »Er ist hier!« Jane, die nichts von alldem bemerkt hatte, war bereits verschwunden. Ihre Schritte und Rufe entfernten sich den Flur entlang zum Esszimmer.
    Emma wollte ihren Arm zurückziehen, doch Carlo hielt sie mit festem Griff. Mit seiner freien Hand knöpfte er den Kragen über seinen Verletzungen zu und schloss sie damit demonstrativ aus.
    Das entfernte Schrammen von Stuhlbeinen über Holzparkett deutete an, dass der Rest der Familie Satyr sich in Kürze zu ihnen gesellen würde. Die Zeit allein mit ihrem Ehemann war vorbei. Zumindest so lange, bis sie sich nach oben zurückzogen.
    Carlo lockerte seinen Griff, und Emma machte sich los und trat zurück. Unter gesenkten Lidern beobachtete sie ihn, während sie sich das schmerzende Handgelenk rieb. Panik flatterte in ihrer Brust auf.
    Sollte sie mit Jane reden? Oder mit einem der anderen? Sollte sie ihnen erzählen, was er ihr letzten Monat angetan hatte? Nein. Sie würde es ihnen nicht sagen, aus denselben Gründen, warum sie schon vorher nichts preisgegeben hatte. Carlo war sehr weit gegangen, um das von ihr zu bekommen, was er wollte – ein Kind. Es war unwahrscheinlich, dass er das Risiko eingehen würde, sein Kind zu verletzen, wenn sie allein waren.
    Und abgesehen davon wäre die Familie bald ohnehin nicht mehr in der Lage, sie zu beschützen. Wenn der Vollmond aufging, verfielen alle auf dem Gut seinem Zauber.
    »Sag nichts von meinen Verletzungen! Es gibt keinen Grund, die Familie zu beunruhigen«, befahl Carlo. Sie warf ihm einen scharfen Blick zu und fragte sich, ob er wohl ihre Gedanken gelesen hatte. Doch er deutete nur auf seinen Hals. »Wir werden über meine Wunden sprechen, wenn wir allein sind – später.«
    Damit ging er an ihr vorbei, und seine Stiefelabsätze hallten über den polierten italienischen Travertinboden.
    Jane kam zurück, lief auf leisen Sohlen heran und überraschte ihn mit einer freundschaftlichen Umarmung. Er war zu gut erzogen, um sie zurückzuweisen, doch Emma

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