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Der Mann mit der dunklen Maske

Der Mann mit der dunklen Maske

Titel: Der Mann mit der dunklen Maske
Autoren: Heather Graham
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PROLOG
    S ie konnte nur fliehen. Das war ihre einzige Rettung.Und beten.
    Ganz sicher würde die Polizei kommen. Es hatte einen Toten gegeben. Oh, lieber Gott. Die Polizei musste kommen.
    Aber sie klammerte sich doch nur verzweifelt an einen Strohhalm, eine winzige Hoffnung. Der Mord war nicht im Schloss geschehen, also würde auch niemand kommen. Aber sie durfte jetzt nicht in Panik geraten. Sie musste all ihre Sinne beisammen haben. Sie war auf der Flucht.
Und sie kannte nicht einmal das Gesicht des Bösen, das sie verfolgte
.
    Camille war inzwischen schon weit entfernt vom mächtigen Schloss Carlyle, sie konnte ihr eigenes Keuchen hören. Als sie nicht mehr konnte, blieb sie stehen und stellte fest, dass das Geräusch, das sie zu verfolgen schien, nicht nur aus ihren schmerzenden Lungen kam. Der Wind war stärker geworden. Er fuhr durch die Baumkronen und rüttelte am Geäst der uralten Riesen. Das war gut. Sie hoffte, dass der Zorn der Elemente den Nebel vertreiben würde, der vom Moor her aufstieg und zwischen den knorrigen Stämmen hing.
    Es war Vollmond. Sobald der Nebel sich verzogen hatte, würde sie besser sehen, wohin sie lief. Aber ihr Verfolger auch.
    Sie würde viel leichter zu entdecken sein.
    Camille schnappte nach Luft. Als sie etwas zu Atem gekommen war und glaubte, weiter laufen zu können, drehte sie sich zuerst einmal im Kreis, um sich zu orientieren. Die zarte Tournüre ihres Rocks verfing sich in einem Zweig. Ohne Rücksicht auf den edlen Stoff riss sie sich los. Sie wollte überleben. Sie musste sich irgendwie retten.
    Die Straße führte nach Osten, nach London, in die Zivilisation. Zu vernünftigen Menschen. An der Straße würde sie bestimmt auf eine Kutsche treffen, die in die Stadt fuhr. Sie musste es nur zu dieser Straße schaffen, bevor … der Mörder sie einholte.
    Dieses Spiel hatte schon zu lang gedauert. Jetzt wollte er sie für immer zum Schweigen bringen. Damit sie niemandem erzählen konnte, was sie gesehen hatte. Damit sie niemals die Geheimnisse von Schloss Carlyle enthüllen konnte.
    Durch den wabernden Dunst hörte sie die Wölfe den Mond anheulen. Doch in diesem Augenblick verspürte sie keinerlei Furcht vor den Wölfen von Carlyle, sie kannte die wahre Gefahr. Diese Gefahr kam von einem wilden Tier in Menschengestalt.
    Ein Rascheln im Blattwerk warnte sie, dass jemand in der Nähe war. Camille richtete sich auf. Sie konnte nur beten, dass ihr Instinkt ihr half, einen Ausweg zu finden, zu spüren, wohin sie fliehen konnte. Aber das Rascheln war ganz nah, viel zu nah.
    Lauf!
    Der Befehl explodierte in ihrem Kopf. Doch als sie all ihre Kraft zusammennahm, um loszurennen, sich zu retten, war es zu spät. Er brach durch das Unterholz und stürzte auf sie zu.
    „Camille!“
    Die Stimme kannte sie nur zu gut. Wie versteinert blieb sie stehen. Ihr stockte der Atem. Ihr Herz schien auszusetzen. Und sie starrte in das Gesicht des Mannes –
das Gesicht hinter der Maske!
    Es hatte eine Zeit gegeben, wo sie seine Züge nur ertasten konnte, wo sie ihn nur in kurzen Momenten der Leidenschaft gesehen hatte. Dieses eindrucksvolle Gesicht. Kantig, aber attraktiv, mit einem starken Kinn, einer geraden, feinen Nase. Und diese Augen …
    Die Augen hatte sie immer deutlich gesehen. Immer. Der Blick war herausfordernd gewesen, abschätzend. Und manchmal erschreckend zärtlich.
    Einen Moment lang war ihr, als würden die Zeit, der Wald und sogar der Wind stillstehen. Sie betrachtete sein Gesicht. Was war nun eigentlich die Maske? Dieser bizarre Lederschutz, der in der Form eines wilden Tieres gearbeitet war? Oder das menschliche Antlitz, mit seinen scharfen, atemberaubenden Zügen, klassisch wie die eines griechischen Gottes?
    Was war wirklich? Die Bedrohung durch das Biest oder die rechtschaffene Stärke dieses Mannes?
    „Camille, bitte, bei der Liebe Gottes! Komm mit mir! Komm jetzt mit mir!“ Er sprach leise und streckte die Hand nach ihr aus.
    Da hörte sie Schritte. Sie kamen näher. Hinter ihr. War es jemand, der sie retten wollte? Oder ein Feind, der sich hinter einer Maske der Angepasstheit verbarg? Einer von denen, die verwickelt waren in die Geheimnisse der Vergangenheit? Lord Wimbly selbst? Hunter? Aubrey? Alex? Oh Gott … oder Sir John?
    Sie fuhr herum und starrte den Mann an, der aus einem überwucherten Pfad auf die kleine Lichtung trat.
    „Camille! Gott sei Dank!“
    Er kam auf sie zu.
    „Wenn Sie sie anrühren, sind Sie tot“, knurrte der Mann, den sie als „das Biest“

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