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Amber-Zyklus 08 - Zeichen des Chaos: der Titel

Titel: Amber-Zyklus 08 - Zeichen des Chaos: der Titel
Autoren: Roger Zelazny
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    I ch verspürte ein seltsames Unbehagen, obwohl ich den Grund dazu nicht zu nennen vermochte. Es war eigentlich nichts gar so Ungewöhnliches, ein paar Gläser zu trinken in der Gesellschaft eines Weißen Kaninchens, eines kleinen stämmigen Kerls, der Bertrand Russell ähnelte, einer grinsenden Katze sowie meines alten Freundes Luke Raynard, der irische Baladen sang, während hinter seinem Rücken die fremdartige Landschaft eines Wandgemäldes die Wirklichkeit überlagerte. Nun ja, ich war beeindruckt von der riesigen blauen Raupe, die auf der Kuppe eines gewaltigen Pilzes die Huka rauchte, denn ich weiß, wie schwierig es ist, eine Wasserpfeife am Brennen zu halten. Doch das war es nicht. Es war eine heitere Runde, und Luke war bekannt dafür, daß er sich gelegentlich mit Sonderlingen umgab. Weshalb sollte ich mich also unbehaglich fühlen?
    Das Bier war gut, und es gab sogar ein Essen umsonst. Die Dämonen, welche sich daran ergötzt hatten, die an einen Pfahl gefesselte rothaarige Frau zu quälen, hatten so hell geglitzert, daß ihr Anblick in den Augen schmerzte. Jetzt war es vorbei, doch das Ganze war schön gewesen. Alles war schön. Als Luke von Galway Bay sang, war ein so funkelndes und hübsches Bild entstanden, daß ich darin eintauchen und mich in ihm verlieren wollte. Und es war auch traurig gewesen.
    Es hatte irgend etwas mit Gefühlen zu tun... Ja. Ein seltsamer Gedanke. Wenn Luke ein trauriges Lied sang, überkam mich Melancholie. Wenn es ein fröhliches Lied war, erfüllte mich große Freude. Offenbar hing eine Menge Sentimentalität in der Luft. Und wenn schon! Die Lichtschau war jedenfalls großartig...
    Ich nippte an meinem Drink und beobachtete Humpty, der am Ende der Bar herumwippte. Einen Augenblick lang versuchte ich mich zu erinnern, wann ich diese Lokalität betreten hatte, aber ich kam einfach nicht drauf. Es würde mir wieder einfallen, irgendwann. Wirklich, eine angenehme Gesellschaft...
    Ich beobachtete und lauschte und schmeckte und fühlte, und alles war großartig. Was immer meine Aufmerksamkeit auf sich zog, war faszinierend. Wollte ich Luke etwas fragen? Mir war so, als gebe es etwas, aber zur Zeit war er mit Singen beschäftigt, und mir war sowieso entfallen, worum es sich handelte.
    Allerdings hatte ich das Gefühl, daß es etwas Wichtiges sein könnte. War das vielleicht der Grund, warum mir unbehaglich zumute war? Konnte es sein, daß ich irgendeine Angelegenheit unerledigt gelassen hatte und mich ihr unbedingt wieder widmen müßte?
    Ich wandte mich der Katze zu, um sie zu fragen, aber sie verschwamm wieder einmal vor meinen Augen, anscheinend höchst erheitert. Da fiel mir ein, daß auch ich diese Fähigkeit besaß. Zu verschwimmen, meine ich, und mich an einen anderen Ort abzusetzen. War ich auf diese Weise hierher gelangt, und könnte ich ebenso wieder von hier verschwinden? Möglicherweise. Ich stellte mein Glas ab und rieb mir die Augen und die Schläfen. Auch in meinem Kopf schien alles zu verschwimmen.
    Plötzlich entsann ich mich eines Bildes von mir. Auf einer riesigen Spielkarte. Es war ein Trumpf. Ja, genau. So war ich hierher gelangt. Mit Hilfe der Karte...
    Eine Hand legte sich auf meine Schulter, und ich wandte mich um. Sie gehörte Luke, der mich angrinste, während er sich an die Bar schob, um sein Glas nachfüllen zu lassen.
    »Tolle Party, was?« fragte er.
    »Ja, super. Wie hast du diese Kneipe ausfindig gemacht?« fragte ich ihn.
    Er zuckte mit den Schultern. »Hab's vergessen. Wen kümmert das schon?«
    Er drehte sich um, und ein kurzes Kristallgestöber wirbelte zwischen uns auf. Die Raupe stieß eine purpurfarbene Wolke aus. Ein blauer Mond stieg auf.
    Was stimmte an diesem Bild nicht? fragte ich mich im stillen.
    Plötzlich hatte ich das Gefühl, daß mein Urteilsvermögen im Krieg zerschossen worden war, denn ich konnte mich nicht auf die Anomalitäten konzentrieren, die meiner Überzeugung nach hier vorhanden sein mußten. Mir war klar, daß mich der Augenblick erwischt hatte, daß ich gefangen war, aber ich wußte nicht genau, was eigentlich ablief.
    Ich war erwischt worden...
    Ich war gefangen...
    Wie?
    Nun... Es hatte damit angefangen, daß ich mir selbst die Hand geschüttelt hatte. Nein. Falsch. Das hört sich wie Zen an, und so war es nicht. Die Hand, die ich schüttelte, reckte sich mir aus dem Raum entgegen, der von meinem eigenen Bild auf der Spielkarte erfüllt war, das dann verging. Ja, so war es... Es hatte sich auf eine ganz

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