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Braut der Nacht

Braut der Nacht

Titel: Braut der Nacht
Autoren: Kalayna Price
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Kapitel 1
    I ch stützte die Ellbogen auf die Brüstung und blickte hinunter auf die Tanzfläche des Death’s Angel, wo sich spärlich bekleidete Körper zuckend zu hämmernden Technorhythmen wanden. Ein Mann mit einer Wolfsmaske und engen Kunstlederhosen rieb seine Hüften an einem Mädchen, das nur einen zerrissenen roten Umhang und strategisch platziertes Isolierband trug. Ein Zombie mit mehr Ketten als Kleidung am Leib schlurfte an dem Pärchen vorbei und hielt auf einen Zirkel von Domina-Hexen zu. Überall wimmelte es von fiktiven Gestalten und sexualisierten Filmmonstern. Doch was die meisten der Klubgänger nicht ahnten, war, dass sich in der kostümierten Menge echte Monster befanden– und ich war eines davon.
    Ich warf einen Seitenblick zu dem Menschen neben mir. Nun ja, nicht direkt Mensch, eher Vampir. Nathanial lehnte an dem hölzernen Geländer mit dem Rücken zu den Tänzern. Eine weiße Opernmaske bedeckte zur Hälfte sein Gesicht, doch anders als bei dem berühmten fiktiven Phantom verhüllte das dünne Porzellan weder Missbildung noch Hässlichkeit– ganz im Gegenteil. Nathanials Züge waren so fein gemeißelt und vollkommen wie von einem Künstler geformt. Außerdem lag im Moment ein Ausdruck genervter Arroganz über ihnen, der ebenso künstlich wie die Maske war. Diesen Ausdruck hielt er nun schon unverändert aufrecht, seit wir vor einer Stunde hierhergekommen waren.
    »Wir sind aufgekreuzt. Man hat uns gesehen. Können wir jetzt gehen?«, fragte ich, während ich den Inhalt meiner unangetasteten Bloody Mary im Glas kreisen ließ.
    »Kita.«
    Mein Name. Nur mein Name, ohne jede Betonung. Ich deutete das als Nein oder dass ich die Antwort vielleicht bereits kennen sollte. Und das tat ich auch. Tatius, der große böse Vampirkönig von Haven, hatte uns herzitiert, um an seiner kleinen Party zu Ehren des Besuchs einer Meistervampirin teilzunehmen. Also waren wir hier. Vorsichtig stellte ich den säuerlich riechenden Drink auf dem Geländer ab. Und hier werden wir auch bleiben, bis man uns erlaubt, wieder zu gehen.
    Bis jetzt fand ich meine Einführung in die Ewigkeit als Vampir echt zum Kotzen– und das nicht nur, weil mir von allem außer Blut schlecht wurde. Mit einem Seufzer schob ich den unangerührten Alkohol beiseite. Der Barkeeper, der als– welch ein Schock!– Vampir verkleidet war, komplett mit echten Fangzähnen, rettete das Glas aus seinem gefährlichen Balanceakt, bevor er sich einem Gast zuwandte, dessen Trinkgewohnheiten einen geringeren Eisenanteil erforderten.
    Ohne das Glas hatte ich nichts mehr, woran ich herumfummeln konnte, also wandte ich meine Aufmerksamkeit wieder den zuckenden Leibern auf der Tanzfläche zu. So viele Leute. So viele Herzen, die unter dünner Haut rasten und hämmerten. So viele Herzschläge, die die dröhnende Musik übertönten. Druck baute sich an meinem Gaumen auf und verwandelte sich in Schmerz, als meine Fangzähne hervortraten.
    Eine warme Hand legte sich mir auf die Schulter, und ich riss meinen Blick von den Tänzern los. Nathanial sah mich an. Seine Finger strichen über meine Schulter, den Arm entlang und zu meiner Hand. Ich hatte das Geländer so fest umklammert, dass meine Fingerknöchel weiß hervortraten.
    Langsam löste ich meine Finger vom Holz. Bei der Bewegung flog Nathanials glasklarer grauer Blick kurz hinunter zu meiner Hand, dann zurück zu meinem Mund.
    »Es ist nichts«, flüsterte ich, wobei ich versuchte, die Lippen über meinen Fangzähnen geschlossen zu halten.
    Nicht dass das etwas nützte.
    »Vielleicht sollten wir uns unter die Leute mischen.« Sein Ausdruck veränderte sich nicht. In seinem Gesicht zuckte kein einziger Muskel, obwohl ich genau wusste, dass er nicht daran interessiert war, sich mit irgendjemandem aus der Menge auf der Galerie zu unterhalten.
    Die Galerie war nur für VIP s. Oder besser gesagt VIV s– Very Important Vampires. Ein paar Menschen waren ebenfalls anwesend, als Snacks. Zum Glück hatte ich noch kein öffentliches Blutvergießen bemerkt. Bis jetzt. Aber da Vampire meinen Beutetrieb nicht auslösten, war es hier weniger wahrscheinlich, dass ich aus Versehen jemanden vernaschte. Andererseits bedeutete das aber auch, dass ich mich mit den anderen Vampiren unterhalten musste– was meiner Ansicht nach viel gefährlicher war.
    Nicht gerade eine Gelegenheit, auf die ich mich begeistert stürzte. »Ich brauche nur ein wenig frische Luft.«
    Nathanials Mundwinkel bewegten sich leicht nach unten. Eine

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