Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen

2068 - Die Falle der Sambarkin

Titel: 2068 - Die Falle der Sambarkin
Autoren: Unbekannt
Ads
den Emotionauten Roman Muel-Chen unter seiner SERT-Haube sehen konnte. Ebenso erkannte sie den Haluter Icho Tolot, der alle anderen wie ein Gigant überragte. Mit seinen vier Armen, dem halbkugelförmigen Kopf und den tellergroßen, rot glühenden Augen bot er ein geradezu monströses Bild. Sein Mund war leicht geöffnet, so dass die schwarzen Lippen die Doppelreihen seiner kegelförmigen Zähne entblößten.
    Auch Atlan, der Expeditionsleiter, befand sich in ihrem Blickfeld. Regungslos saß der Arkonide in seinem Sessel, etwas nach vorn gebeugt und den rechten Arm leicht angehoben, als wollte er jemandem ein Zeichen geben. Die anderen Mitglieder der Zentralebesatzung bewegten sich ebenfalls nicht. Sie verhielten sich ähnlich, als sei die Zeit überraschend stehen geblieben, als seien sie urplötzlich erstarrt. Die Kommandantin war sicher, dass sie den anderen das gleiche Bild bot. Sie spürte, dass noch Leben in ihr war. Jede Nervenfaser ihres Körpers machte es ihr durch leichte Vibrationen bewusst, als würden sie durch einen schwachen elektrischen Strom angeregt.
    Der Kokon, der bislang während nahezu der gesamten Expedition mitten in der Zentrale geschwebt hatte, war verschwunden. Das Gebilde, durch das sich der Chronist von ES mitgeteilt hatte, schien sich in nichts aufgelöst zu haben. Dass er seine Position verändert hatte, konnte Fee Kellind sich nicht vorstellen.
    Wozu auch hätte er noch bleiben sollen? Die Mission der SOL und ihrer Besatzung war erfüllt. Erhebliche Zweifel am Wahrheitsgehalt ihrer Wahrnehmungen kamen allerdings in ihr auf, als Fee meinte, sogar Mondra Diamond sehen zu können. Die Frau, die zeitweilig Lebensgefährtin Rhodans gewesen war, hielt sich nicht in der Zentrale auf, sondern in einem anderen Teil der SOL. Von der ehemaligen Agentin war die SOL-Kommandantin durch zahlreiche Wände getrennt, die aus massivem Material bestanden und keineswegs transparent waren.
    Es war unmöglich, dass sie Mondra tatsächlich wahrnahm. Seltsamerweise schien sich ihr selbst Crom Harkanvolter darzustellen, der Lord-Eunuche der 95.000 Personen starken Gruppe der Mom'Serimer. Fee Kellind hatte keineswegs vergessen, dass er an Bord war, aber es war ihr unerklärlich, dass sie einen optischen Eindruck von ihm bekam, obwohl er sich ebenfalls weitab von der Zentrale aufhielt. Für ihre Begriffe war dies alles verwirrend und beängstigend. Die Menschen an Bord der SOL hatten es beinahe geschafft. ES war geboren worden - aus Delorian Rhodan, dem Rest der Superintelligenz ESTARTU, den Evoesa und der gespeicherten Psi-Energie des INSHARAM. Die Besatzung der SOL hatte der Geburt einer Superintelligenz beiwohnen dürfen! Welch Ironie, welch kosmischer Scherz, dass die Superintelligenz nicht durch das Getöse des Zusammenpralls mehrerer Galaxien oder die explosive Umarmung einiger Super-Novae, sondern in einem kleinen Raum innerhalb des Raumschiffs entstanden war.
    Dennoch - und vielleicht gerade deswegen - war es ein erhabenes Erlebnis gewesen, das Fee Kellind niemals vergessen würde. Fehlte nur noch der kleine, krönende Abschluss. Das Ende des kosmischen Durchgangs von der NACHT in den PULS von DaGlausch. Irgendwann musste es doch eine Auflösung geben. Eine Erlösung. Die Kommandantin zerbrach sich vergeblich den Kopf darüber, ob sie irgendetwas unternehmen könnte, um in den Prozess einzugreifen, der offenbar nicht zum Abschluss kommen wollte. Sie meinte, die Gedanken der anderen Besatzungsmitglieder erfassen zu können, die ähnlich dachten und empfanden wie sie. Fast schien es ihr, als fusionierten sie allmählich zu einem Gemeinschaftswesen, das auf dem Wege zu einer körperlosen Existenz war. Wie sonst hätte sie sich erklären sollen, dass Roman Muel-Chen, Icho Tolot, Atlan und die anderen zeitweilig transparent wurden, dass sich ihre Konturen verzerrten, als wollten sie sich auflösen?
    Fee Kellind wehrte sich dagegen. Sie wollte ihre Individualität nicht aufgeben, um in einem anderen Wesen aufzugehen. Sie wollte bleiben, was und wer sie war: Fee Kellind, Kommandantin des Hantelraumers SOL, ehemalige Agentin des Terranischen Liga-Dienstes. Es dauerte zu lange. Der Durchgang war misslungen. Etwas anderes war nicht möglich. Wäre der Durchgang tatsächlich zeitlos gewesen, hätte sie nicht soviel Zeit für sich und ihre Gedanken haben dürfen.
    Voller Sorge fragte sich die Kommandantin, wohin die SOL versetzt wurde. Ein klassisches Zitat kam ihr in den Sinn. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan,

Weitere Kostenlose Bücher

Küsse im Morgenlicht
Küsse im Morgenlicht von Stephanie Laurens
Huff, Tanya
Huff, Tanya von Blood Ties 04 - Blutpakt