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2068 - Die Falle der Sambarkin

Titel: 2068 - Die Falle der Sambarkin
Autoren: Unbekannt
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kopfüber auf ihre Hände fallen ließen und die massigen Körper mit der Kraft ihrer Arme nach oben drückten. Dann warfen sie ihre komplette Körpermasse herum, so dass sie anschließend wieder auf den Füßen landeten. Die meisten Sambarkin tanzten und wirbelten schon seit Tagen auf diese Weise. Unermüdlich. Ununterbrochen. Ohne sich eine Pause zu gönnen. Die Früchte der Rie'Ria'Tijaan verliehen ihnen die Kraft dazu, zwangen sie gleichzeitig, in ihrem Tanz fortzufahren.
    Einige hielten der ungeheuren Belastung nicht stand und brachen zusammen. Sie wurden diskret aus dem Saal entfernt und danach versorgt entweder auf der Krankenstation oder im Krematorium. Effrek Gentarfo, der Präses-Wissenschaftler von Childiree-I, schlug pausenlos mit zwei Peitschen auf sich selbst ein. Er blutete am ganzen Körper, schien jedoch keine Schmerzen zu verspüren. Mit weit geöffneten Augen starrte er zur Decke empor.
    Liums Narhta, der Sicherheitschef, saß am benachbarten Tisch und stopfte mit beiden Händen in sich hinein, was er erhaschen konnte. Sein ehemals weißes Stirnband war verschmiert von Soßen und Säften.
    Faer Rinkadon hatte ihn nicht die ganze Zeit über beobachtet, aber jedes Mal, wenn sie hinsah, verzehrte der Sicherheitsverantwortliche Berge von Früchten und spülte sie mit berauschenden Getränken hinunter. Er war so korpulent, dass man ihn hinter seinem Rücken nur den „Zwei-Stuhl-Narhta" nannte, da ein Hinterteil auf einem Stuhl allein nicht ausreichend Platz fand. Faer Rinkadon lag mit ausgestreckten Armen und Beinen in ihrem Sessel, der auf einem erhöhten Podest stand und ihr als Oberkommandierender der Forschungsstation vorbehalten war. Ihr Atem flog, ihre inneren Organe rebellierten gegen die extreme Überbelastung..
    Die Kommandantin schämte sich, weil der allzu frühe Zusammenbruch ausgerechnet ihr drohte. Dabei sollte sie Vorbild sein. Sie sollte sich weiterhin inmitten der Tanzenden und Tobenden aufhalten, sie zu weiteren Anstrengungen anstacheln und die Ekstase steigern. Tradition und Zusammenhaltsgefühl verlangten es. Doch sie konnte es nicht. Sie brauchte eine Pause. Ausgerechnet jetzt aber Fagen Tuskrathin dabei zu beobachten, wie er sich den roten Saft der Früchte über den Körper spritzte, rüttelte sie bis ins Innerste auf. Das Yammony-Sa'Rijaan-Fest, zu dem von den anderen Forschungsstationen im Orbit des weißen Riesensterns Mattane mehr als 60.000 Sambarkin angereist waren, strebte seinem Höhepunkt zu.
    Es war das Fest der Knospenden Gemeinsamkeit und der Unbedachten Liebe. Viele der Sambarkin gaben sich diesen Anforderungen des Festes hin, huldigten mitten unter den Tanzenden und Tobenden sexuellen Freuden.
    Aus soziologischer Sicht war das Fest von ungeheurer Bedeutung. Seit vielen Jahren waren die Forscher weit abseits von bewohnten Planeten auf den zwölf Stationen tätig, um den gewaltigen Pilz dom von Mattane, gelegen im Checkalur 1571 des Landes Dommrath, zu erforschen. Niemand hatte ihn jemals anders gesehen als ohne jedes Zeichen von Aktivität. Daher brauchten die Sambarkin ein Fest wie dieses. Der Verzicht darauf hätte sie mit Sicherheit aus ihrem seelischen Gleichgewicht geworfen.
    Die Bedeutung des Festes ging jedoch sehr viel tiefer, als die meisten ahnten. Die Bilder, die Fagen Tuskrathin ihr mit seinem Verhalten vermittelte und die ihr ungewollt Einblicke bis in die Abgründe ihrer eigenen Seele gaben, machten es ihr bewusst. Sambarkin waren die intelligenten Bewohner des Planeten Yezzikan Rimba, ursprünglich aus gehörnten Raubtieren hervorgegangen. Durch die Intelligenz, die sie entwickelt hatten, erlangten die Sambarkin eine Überlegenheit über ihre Umwelt. Statt sich jedoch haltlos zu vermehren und durch schiere Vielzahl .und Überbevölkerung in den Revieren ihre Nahrungsgrundlagen zu zerstören, hatten sie die Kehrtwende zu einer lebensfähigen Zivilisation geschafft. Sie waren nicht ausgestorben, wie es in ähnlich gelagerten Fällen der Gang der Evolution gewesen war, sondern hatten sich dank ihrer Intelligenz und einer evolutionären Sozialentwicklung über die Gesetze der Natur erhoben.
    Sie hatten ihre auf Angriff basierende Raubtiermentalität abgelegt, solange es noch nicht zu spät gewesen war. Danach war es ihnen gelungen, höhere Stufen der Zivilisation zu erklimmen. Statt unvermeidliche Kriege untereinander zu führen, hatte man sich den Wissenschaften zugewandt. Der erste Kontakt zu den Rittern von Dommrath war nicht mehr überliefert, dürfte

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