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1. Die Connor Boys: Komm ich zeig dir wie man liebt

1. Die Connor Boys: Komm ich zeig dir wie man liebt

Titel: 1. Die Connor Boys: Komm ich zeig dir wie man liebt
Autoren: Jennifer Greene
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PROLOG
    Jock hörte draußen eine Tür zuschlagen und eilte an das Fenster in der dritten Etage. Endlich! Der erste der Connor-Jungen war da.
    Eingehend musterte er den Burschen. Sein Name war Gordon. Er stand neben so einer flachen, schwarzen, neumodischen Kiste mit vier Rädern, hochpoliert, aber ziemlich klein. Wie konnte nur ein Mann mit so langen Beinen da hineinpassen? Und der Bursche war wirklich groß, hatte sehr breite Schultern... aber er war viel zu dünn. Jock schätzte ihn auf dreißig, nicht älter. Er hatte eine schwarze, lockige Mähne und einen kräftigen Vollbart. Sich einen schönen Bart wachsen zu lassen dauerte einige Zeit - Jock hatte selbst einen -, aber der des Burschen war ungepflegt und sein Gesicht viel zu blass.
    Der Junge schaute hoch, sah natürlich nichts am Fenster, aber Jock sah ihn. Selbst aus der Entfernung von der dritten Etage konnte er ihm in die Augen gucken. Leuchtendblau waren sie, aber so ausdruckslos, als wäre seine Seele ausgebrannt.
    Jock straffte sich und fasste unwillkürlich nach dem Juwelenbesetzten Griff seines Schwertes. Der Bursche war leider in schlechter Verfassung. Schriebe man noch das Jahr des Herrn 1723, hätte er ihn mit zur See genommen und mit viel Eigelb und Rum gestärkt. In der kräftigenden Salzluft hätte sich der Junge rasch erholt.
    Leider hatte Jock nicht die Wahl. Doch er blieb zuversichtlich. Ihm würde schon etwas einfallen, um den Jungen aufzupäppeln. So schwer konnte das nicht sein. Viel Bewegung an frischer Luft würde ihm eine gesunde Farbe verleihen. Sein Knochenbau war kräftig, das Gesicht unter dem struppigen Bart markant, und bestimmt gab es keine Frau, die solchen blauen Augen widerstehen konnte. Ob er ein guter Liebhaber war, wusste Jock allerdings nicht. Aber das war kein Problem.
    Sollte es vonnöten sein, würde er dem Burschen schon Hinweise zur Technik geben.
    Jock kehrte sich vom Fenster ab und überlegte. Zuerst musste er natürlich eine Frau finden. Eine Jungfrau kam nicht in Frage. Die war im zwanzigsten Jahrhundert ohnehin nur schwer zu finden, und außerdem hatte es zu jeder Zeit mehr Spaß gemacht, ein Mädchen im Bett zu haben, das bereits erfahren war. Gordon brauchte eine Frau mit Erfahrung, Witz und Temperament. Und dann sollte sie vielleicht etwas rundlich und füllig sein.
    Jock mochte dünne Frauen nicht, und da er sich das Spiel auf jeden Fall ansehen wollte zumindest das meiste davon -, sollte er lieber gleich eine Frau aussuchen, die ihm auch gefiel.
    In freudiger Erwartung rieb er sich die Hände. Himmeldonnerwetter noch mal, so lebendig hatte er sich schon lange nicht mehr gefühlt.
    Dass der Junge so aussah, als hätte ihm jemand die Seele geraubt, war eine Nichtigkeit, und über Nichtigkeiten dachte Jock nicht lange nach. Er hatte eine Rolle in dem Leben des Jungen zu erfüllen, und keine irdischen Probleme konnten ihn daran hindern. Er würde den Burschen schon wieder auf die Beine bringen.
    Er brachte sie alle auf die Beine.
    Er schaute wieder aus dem Fenster und beobachtete zufrieden, wie sich der Junge jetzt seine Sachen auf die Schulter hob und über den schneebedeckten Rasen auf das Haus zukam. Noch ein paar Schritte. Mehr war nicht erforderlich.
    Hatte Gordon erst einmal die Schwelle überquert, gehörte er zu Jocks Jungs.

1. KAPITEL
    Gordon Connor stieg aus seinem windschnittigen schwarzen Lotus, und sofort brannte ihm die Salzluft in den Augen. Das Novemberwetter in Maine hatte mit dem in Los Angeles nichts gemein. Der Wind, der vom Atlantik herüberpeitschte, war kälter als Eis... und heulte wie ein Gespenst. Gordon schüttelte sich.
    Das Haus stand auf einem schneebedeckten Hügel. Der Garten dahinter fiel zur steinigen Küste hin sanft ab. In der Ferne ragte ein hoher weißer Leuchtturm auf, der offensichtlich ungenutzt und verlassen war. Die Wellen schlugen hoch, und Gischt spritzte gegen die Felsen. In einiger Entfernung sah Gordon die Dächer von Bar Harbor. Bis dahin waren es nur wenige Kilometer - damit hatt e er Nachbarn, zum Glück aber nicht allzu nah.
    Seine innere Anspannung ließ nach. Bei dieser Aussicht fühlte er sich gleich wohler. Sein einziger Wunsch war nur noch, allein zu sein. Er sehnte sich nach Ruhe und Frieden.
    Das Keyboard und den Koffer mit seinem Saxophon hatte er auf dem Vordersitz untergebracht, den Rucksack auf dem Rücksitz. Doch bevor er seine Sachen aus dem Wagen holte, ließ er den Blick noch einmal zu dem Haus zurückwandern.
    Das alte Monstrum musste

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