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0654 - Unter dem Vampirmond

0654 - Unter dem Vampirmond

Titel: 0654 - Unter dem Vampirmond
Autoren: Werner Kurt Giesa
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»Zu dir oder zu mir?« fragte er, als sie die Diskothek verließen. Die Stille der Nacht war wie ein Schock. Auch wenn sie beim Hinausgehen ein paar Minuten Zeit hatten, sich von der dröhnenden Musik zu verabschieden, die nach wie vor in Ohren und Puls klang. Die Rhythmen hatten sich festgesetzt.
    »Nicht zu dir, aber auch nicht zu mir«, drang ihre Antwort zu ihm vor. Sie sprach in normaler Lautstärke, und er verstand sie nur schwach. Er mußte sich erst wieder an die Stille gewöhnen. Er hatte ein wenig Probleme mit der Umstellung. Schließlich gehörte er eigentlich schon längst nicht mehr zu der jugendlichen Generation, die diese Disco vorwiegend besuchte. Er fühlte sich jünger, als er war, nur teilte ihm sein Körper hin und wieder drastisch die Wahrheit mit.
    »Wenn du über 40 bist, morgens aufwachst und feststellst, daß dir nichts weh tut, bist du tot«, hatte ein Spötter einmal gesagt.
    Bernard LeVaron war über 40. Damit hatte er eigentlich keine Probleme. Er pflegte ja auch nicht morgens aufzuwachen, sondern allenfalls in den frühen Mittagstunden.
    Sie - Michelle, wie sie sich nennen ließ; er wußte nicht, ob das ihr richtiger Name war, und es war ihm auch egal, denn er wollte sie ja nicht gleich heiraten -, lächelte ihn an. »Wir könnten ja noch anderswohin gehen«, sagte sie. »In ein anderes Lokal. Oder in einen Waldweg, wo dir ganz zufällig das Benzin ausgeht und du vorschlägst, daß wir uns die Zeit auf irgendeine angenehme Weise vertreiben, bis bei Tagesanbruch jemand auftaucht, den wir um ein paar Liter aus seinem Reservekanister bitten können…«
    Er seufzte. »Waldweg?«
    »Dein Auto hat doch Liegesitze, oder?« Sie fuhr sich mit der Zungenspitze über die Lippen.
    Bevor er antwortete, löste sie sich von ihm und ging mit wiegenden Hüften auf den weißen Cadillac zu. Ein riesiger, alter Wagen aus den 50er oder 60er Jahren, mit großen Heckflossen und einem Kabrio-Verdeck, das jetzt geschlossen war. Sekundenlang starrte LeVaron das Mädchen an, das fast nur aus endlos langen Beinen zu bestehen schien; der kurze Rock reichte gerade mal bis knapp über den Po, und das Verlangen, diese langbeinige Schönheit ohne dieses Röckchen und ohne den unwesentlichen Rest ihrer Kleidung vor sich zu haben, wurde noch stärker als bisher. LeVarons Verstand hakte annähernd aus.
    Er eilte ihr nach und dirigierte sie um. »Das ist nicht mein Wagen«, sagte er und lotste sie zu einem feuerroten Monster mit gewaltigem Heckspoiler. »Der hier ist meiner, aber Liegesitze… wird ein bißchen eng werden«, schüttelte er den Kopf.
    »Was ist das denn für ein Flachmann?« fragte sie.
    »Ein Diablo.«
    »Diablo, das klingt gut. Ist der so schnell, wie er aussieht?«
    »Schneller«, versicherte er und öffnete die nach oben schwingende Beifahrertür. »Ich bedaure nur, daß man das Tempo, das der Wagen bringt, hierzulande nicht legal fahren darf.«
    »Warum hast du das Geschoß dann?«
    »Weil's mir Spaß macht.«
    »So was ist doch sicher sehr teuer.«
    Er zuckte mit den Schultern. »Jeder Mann sollte wenigstens ein Hobby haben«, sagte er.
    »Dein Hobby ist also dieses Un-Auto.«
    »Offen gestanden - ich habe zwei Hobbys.«
    Michelle machte einen Versuch, einzusteigen, und kletterte sofort wieder nach draußen. »Da passe ich so ja gar nicht 'rein«, behauptete sie.
    »Wieso?« fragte er entgeistert. »Also, so eng ist es darin doch wirklich nicht! Ist eben ein Sportwagen…«
    »Schon, aber mit den Klamotten paßt es einfach nicht. Ich versuch's mal ohne. Kannst du die Sachen irgendwo verstauen?« Und schon drückte sie ihm Röckchen, Bluse und BH in die Hand, stand nur noch in Mini-Slip und Stiefeln vor ihm; er hatte kaum mitbekommen, wie sie sich auszog, so schnell war das gegangen. Dann tauchte sie wieder in den Wagen ein.
    Sprachlos umrundete er den Lamborghini Diablo und klemmte sich hinter das Lenkrad. Die Türen schwangen zu. Michelles Sachen warf er nach hinten in den schmalen Raum zwischen Rücksitzlehnen und Abtrennung zum Motorraum. Sie warf auch den Slip dazu. »Hat beim Einsteigen auch noch gestört«, behauptete sie. »Dein Auto ist wirklich verdammt eng! Aber jetzt paßt es einigermaßen.«
    Er war beinahe fassungslos. Eine solche Frau war ihm in all den Jahren noch nie über den Weg gelaufen.
    »Wie schnell schafft die Rakete die Strecke bis zum Waldweg?« wollte sie wissen.
    Er startete. Der bullige Motor brüllte auf wie ein wilder Stier, der als Firmenwappen des Herstellers auf dem

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