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0452 - Udexa kommt

0452 - Udexa kommt

Titel: 0452 - Udexa kommt
Autoren: Jason Dark
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In der Waschküche hing noch der typische Geruch der feuchten Wäsche, obwohl die drei Maschinen längst nicht mehr liefen. Sie standen an einer weiß gekalkten Wand, und ihre runden Glasscheiben sahen aus wie glotzende Bullaugen.
    Die Wäschespinne, auf der tagsüber die Kleidung zum Trocknen hing, lehnte zusammengeklappt neben der Tür. Das Fenster mit dem dahinter beginnenden Lichtschacht war ebenfalls geschlossen, und die Lampe an der Decke gab keine Helligkeit ab.
    Ein toter Raum, in dem die nächtliche Stille lag. Doch wer genau hinhörte, hätte hin und wieder das Atmen eines Menschen vernehmen können.
    O’Toole stand neben der Tür im toten Winkel und wartete. Die sechste Nacht schlug er sich bereits um die Ohren. An den Waschküchengeruch hatte er sich längst gewöhnt und auch an die Dunkelheit sowie das Alleinsein. Manchmal, wenn ihm die Beine vom langen Stehen weh taten, setzte er sich auf eine der Waschmaschinen, um später den Platz wieder zu wechseln.
    Licht brauchte er nicht. Wenn der andere kam, würde er ihn hören. Und nur auf ihn wartete er.
    O’Toole war als Privatdetektiv in das Sanatorium eingeschleust worden, denn seit einiger Zeit verschwanden des Nachts hin und wieder Patienten. Einige waren später wieder aufgetaucht, halb wahnsinnig, andere wiederum konnten überhaupt nicht mehr reden, weil sie nicht mehr lebten.
    Die Polizei hatte die Fälle untersucht, aber nichts herausgefunden, und so war die Sache offiziell im Sande versickert, bis auf O’Tooles Einsatz. Der Chefarzt persönlich hatte ihn engagiert. Die beiden Männer kannten sich. Sie hatten eine Weile gemeinsam die Schulbank gedrückt. Auf einem Klassentreffen hatten sie sich wiedergesehen. Eigentlich hatte O’Toole seinen Schulkollegen nur aus einer Laune heraus seine Visitenkarte überlassen. Jetzt war ein Auftrag dabei herausgekommen.
    Er sollte einen Killer fangen!
    Bisher hatte sich O’Toole auf anderen Gebieten hervorgetan. Er war ein Meister im Aufdecken von Versicherungsbetrug und arbeitete exklusiv für eine der Großen in der Branche.
    Da es im Hochsommer immer ein gewisses Auftragsloch gab, war ihm der Job in der Klinik gerade recht gekommen. Daß er sich dabei allerdings die Nächte um die Ohren schlagen mußte, gefiel ihm weniger.
    Tagsüber, wenn er ausgeschlafen hatte, schaute er sich um und sprach mit den Leuten, aber sie erzählten nichts.
    Entweder wußten sie nichts, oder sie wagten nicht, den Mund aufzumachen.
    Zum Glück brachte ihm der Job einiges ein. Der Gedanke an die zweite Hälfte des Pfundsegens versüßte ihm die Wartezeit ein wenig. Schlecht war, daß er keine Zigarette rauchen konnte, und so wurden die verfluchten Nächte noch länger.
    Wer war der Killer? Wo kam er her? Lebte er in der Klinik? Man hatte eine Spur gefunden: Sie führte zumeist durch die Kellerräume, zu denen auch die große Waschküche gehörte.
    Wenn der Typ erschien, wollte sich O’Toole zwischen den Waschmaschinen verstecken.
    In all den Nächten hatte niemand die, Waschküche betreten. Nicht einmal ein Patient mit einer Schwester hatte sich hier zum Schäferstündchen getroffen. Alles war so richtig normal, fast zu normal, wie der Detektiv meinte.
    Und wieder rann die Zeit zäh dahin. Jede Minute dehnte sich. Mitternacht war schon vorbei. O’Toole wußte, daß bald die Müdigkeit über ihn kommen würde. Meist so in der zweiten, dritten Morgenstunde. Da hatte er sich schon des öfteren beim Einnicken ertappt und war jedesmal wieder hochgeschreckt, wenn sein Kopf nach vorn rutschte.
    War der Killer überhaupt noch da?
    Zehn Tage hatte sich O’Toole gegeben. War ihm in der Zeit kein Erfolg beschieden, wollte er seine Ermittlungen einstellen, so war es auch mit seinem Auftraggeber abgemacht. Überhaupt wunderte er sich darüber, daß die offiziellen Stellen den Fall so schnell zu den Akten gelegt hatten, schließlich waren mehrere Morde geschehen.
    Plötzlich hörte er etwas!
    Es war kein Wasserrauschen in den Rohren, wenn irgend jemand in der Nacht die Spülung betätigte, nein, das war ein anderes Geräusch. Hinter der Tür, im Kellergang, war es aufgeklungen, und es hatte sich tatsächlich so angehört, als wären es Schritte gewesen.
    Augenblicklich änderte der Detektiv seinen Standort. Er schritt auf leisen Turnschuhsohlen in eine Lücke zwischen zwei Waschmaschinen und duckte sich dort.
    Seine Müdigkeit war wie weggeblasen. Die Tür war in der Düsternis mehr zu ahnen, als zu sehen, aber O’Toole hatte sich die

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