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028 - Tod in der Gespenster-Villa

028 - Tod in der Gespenster-Villa

Titel: 028 - Tod in der Gespenster-Villa
Autoren: Larry Brent
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ruhig. Wie heute abend zum Beispiel.
Wir hatten die Wirtschaft nicht geöffnet, wie Sie wissen. An solchen Tagen kann
ich immer schlecht einschlafen. Ich brauche den Betrieb einfach, um todmüde ins
Bett zu fallen. Obwohl, wenn’s rund geht, dann ist auch mir das oft zuviel, und
ich sehne mich nach einem freien Tag. Wenn er aber da ist, dann weiß ich oft
nichts mit mir anzufangen.«
    »Das ist bedenklich, Sioban. Sie
sind ja richtig arbeitssüchtig.«
    »Schon möglich.«
    »Sie müßten mal raus aus Ihrem
Alltag. Verreisen. Weit weg…«
    »Geht nicht.«
    »Und warum nicht, Sioban?«
    »Was wird dann mit dem Lokal?
Vater allein schafft die Arbeit nicht mehr. Er ist nicht mehr der Jüngste.«
    »Es muß doch möglich sein, die
Wirtschaft für zwei oder drei Wochen im Jahr zu schließen.«
    »Hier nicht. Die Leute im Dorf
sind es gewohnt, daß bis auf einen Tag in der Woche James, the Irish immer geöffnet hat. Sie wollen ihr Bier trinken und ihren Whisky. Und wir leben
davon… Was machen Sie so spät noch hier draußen, Mister Brent?« fragte sie
unvermittelt.
    »Vielleicht das gleiche wie Sie,
Sioban«, sagte er plötzlich ernst.
    Da senkte sie den Blick. Sie wußte
genau, was er damit andeutete.
    »Sie waren oben, nicht wahr,
Sioban?«
    Sie nickte. »Ja. Ich konnte nicht
schlafen, wie ich schon sagte. Ich mußte ständig an ihn denken. Die Idee, er
könne heute abend spät vielleicht doch noch zurückgekommen sein, kam mir ganz
plötzlich. Ich lag schon im Bett und hörte plötzlich einen Wagen am Haus
vorbeifahren… das Motorengeräusch erinnerte mich an das Fahrzeug Klaus
Thorwalds…«
    »Und, steht der Wagen oben?«
fragte Larry schnell.
    »Leider nein.«
    Larry Brent hätte von dem weißen
Porsche im Garten des Hauses von Fred McPherson berichten können. Aber er
unterließ es. Sioban Coutrey war belastet genug, er wollte sie nicht noch
zusätzlich mit Problemen behelligen, mit denen sie in ihrem Leben bisher noch
nie zu tun hatte.
    Sie fuhr sich mit der Hand über
die nasse Stirn und strich die Haare zurück. »Ich finde es übrigens sehr nett,
Mister Brent, daß Sie sich so um Ihren Freund sorgen… Aber die Fahrt nach oben
können Sie sich ersparen. Es ist niemand da. Klaus Thorwald ist nicht
zurückgekommen.«
    »Soll ich Sie nach Hause fahren,
Sioban?«
    »Danke für das Angebot. Ich habe
es nicht mehr weit, und der Spaziergang tut mir sicher gut …«
    Er unternahm einen zweiten
Versuch, doch sie ließ sich nicht überreden.
    Sie setzte ihren Weg fort und
Larry versprach, mit seinem Freund Iwan morgen zum Frühstück in das Gasthaus zu
kommen. Darauf freute sie sich. »Darf ich Ihnen etwas Besonderes zubereiten?«
    »Nur von der Menge her, für Iwan«,
sagte X-RAY-3 vorsorglich. »Ich hoffe, Sioban, Sie haben genügend Eier und
Schinken im Haus…«
    »Wenn’s nicht reicht, ist auf alle
Fälle für Nachschub gesorgt. Im Stall sind die Hühner, die haben bis morgen
früh wieder frische Eier gelegt, und wenn der Schinken, der noch im Kühlschrank
liegt, nicht reicht, schlachten wir einfach ein Schwein… Ich garantiere Ihnen,
Ihren Freund satt zu kriegen. Noch niemand hat die Wirtschaft hungrig
verlassen…«
    Sie nickte ihm noch mal zu und
ging dann weiter.
    Larry sah ihr nach, bis sie im
Nebel verschwand.
    Die Begegnung mit Sioban Coutrey
beschäftigte ihn.
    War es wirklich pure Sorge und
Schlaflosigkeit gewesen, die sie veranlaßten, so spät durch die Einsamkeit zu
laufen? Bis zum Gasthaus waren es immerhin noch zwei Meilen…
    Es war Liebe. Sioban Coutrey mußte
ununterbrochen an Thorwald denken…
    Larry setzte seinen Weg fort.
    Er brauchte noch knapp zehn
Minuten, da er nur im Schrittempo vorwärts kam, um sein Ziel zu erreichen:
Thorwalds neues Domizil.
    X-RAY-3 fuhr bis vor die Haustür.
    Larry Brent spürte die aufkommende
Unruhe.
    Sie hatte schon begonnen, als er
Sioban Coutrey begegnete. Ganz sicher war er sich über deren nächtliches
Intermezzo nicht. Hatte sie ihn angelogen? Gab es noch einen anderen Grund,
weshalb sie hierher gekommen war?
    Unwillkürlich wandte er den Blick
und sah auf die andere Seite der Bucht, auf eine tieferliegende Klippe, die von
schäumendem Wasser umspült wurde.
    Dort drüben lag das Crowden-House.
In der Dunkelheit war es nur schemenhaft wahrzunehmen. Der Wind zerrte an den
verschlossenen Fensterläden, es ratterte und klapperte, und das Geräusch ging
unter im Heulen des Sturmes und im Donnern der Brandung.
    Brent wandte seine Aufmerksamkeit
wieder

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